Kultur Aktuelle Ausgabe
(c) Jaqueline Traxler

Alf Poier - Auf Tour

(c) Jaqueline Traxler
Poier und das Ei: Ganz schlicht zum Frühstück, symbolkräftig in seinen Bildern
(c) Jaqueline Traxler

Alf Poier ist wieder unterwegs – mit seinem Programm „The Making of DADA“ feiert er sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. GUTE REISE sprach mit ihm über Selbstheilung und sein gespaltenes Dasein, Burgenländer-Witze und seinen 50. Geburtstag

Er fühlt sich noch immer als Außenseiter. Sehnt sich nach dem Einssein, muss aber zugeben, dass er eher zwei ist. Während nämlich der private Alf nur seine Ruhe will, arbeitet der Künstler Alf mit Verve an seinem Lebenswerk. Nach längerer Bühnen-Abstinenz, in der er seine massiven Magenprobleme in den Griff bekommen hat, reist Alf Poier jetzt wieder durchs Land.

Ab Februar bist du mit „The Making of DADA“ unterwegs, du selbst nennst es eine hochamtliche Nachreichung. Warum kommt diese Nachreichung mit zweijähriger Verspätung?

Weil ich solche Probleme mit meinem Magen hatte, eine chronische Entzündung, eine chronische Übelkeit. 

Du versprichst ein speibfreies Programm. Wie hast du den Magen wieder eingerenkt?

Ich war bei einer Unmenge von Ärzten, auch bei Alternativmedizinern – keiner hat mir helfen können. Eines Tages hab’ ich alle Medikamente weggeworfen und beschlossen, mir einfach eine Pause zu gönnen. Das war das Beste, das ich machen hab’ können.

Das heißt, es war eine Selbsttherapie, Auszeit – und aus?

Ja, die Magenprobleme waren im Kopf.

Ernährst du dich jetzt anders, gesünder?

Nein, ich lebe ganz gleich wie vorher.

Wieso weißt du, dass es jetzt wieder funktioniert?

Wir haben schon wieder öfters gespielt. Und ich habe kein einziges Mal Probleme gehabt.

Was dürfen wir erwarten, ein Best-of? Oder mehr? Oder weniger? Oder …?

Es ist zu einem gewissen Prozentsatz ein Best-of, der aber eher peripher ist. Der Rest ist neu. Mir eilt ja der Ruf voraus, schräg zu sein, durchgedreht zu sein. Nach dem Programm verstehen die Leute, warum ich alles so gemacht habe, wie ich es gemacht habe.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit „kolossalem Unschaffen“ meinst, wie du es selbst nennst. Du hast doch in diesen mehr als 20 Jahren wahnsinnig viel geschafft bzw. geschaffen …

Was ist Schaffen? Das ist die Gegenfrage.

Die kann ich dir beantworten – man macht etwas.

Ich versuche Beruf und Leben und Arbeit und Freizeit nicht mehr zu trennen. Das muss alles eins sein. Ich tu’ halt, was ich tu’, habe aber nie das Gefühl, dass ich arbeite. „Unschaffen“ hat auch damit zu tun, dass mein bisheriges Werk von manchen Leuten angezweifelt wird. „Unschaffen“ ist auch eine kleine Provokation.

Ist das tatsächlich noch so oder gefällst du dir in der Rolle des Außenseiters?

Die Frage trifft mitten ins Herz. Wie ich angefangen habe, war ich Tagelöhner, habe nicht gewusst, wie ich mich durchschlagen soll. Mittlerweile sind diese Probleme alle verschwunden. Mittlerweile gibt es den privaten Alf und den Künstler Alf. Und die zwei streiten auch, ja, sie haben sogar getrennte Wohnsitze.

Wo wohnt der Künstler?

Der Künstler wohnt natürlich in seiner repräsentativen Künstlervilla. Der private Alf will gar nicht. Der ist sehr bescheiden. Der private Alf sagt oft zum Künstler, ich habe für dich gesorgt, habe geputzt, bin einkaufen gegangen, nie ein Dankeswort.

Der Künstler ist eine ganz schöne Krot?

Naja, der Künstler will groß sein, den privaten Alf interessiert das gar nicht, der will einfach seine Ruhe haben. Ich zieh‘ mich privat auch anders an, um ein bisschen Abgrenzung zu haben. Der private Alf beschuldigt den Künstler Alf dauernd, dass der Künstler Alf viel zu viel fordert. Der Künstler Alf sagt dem privaten Alfi, dass er ein Versager ist, ohne Künstler Alf wäre der ja nix.

Was macht die Kunst, die bildende mein‘ ich jetzt.

Für heuer eine neue Ausstellung geplant? Auf alle Fälle, ich male ständig, ich muss mein Lebenswerk manifestieren, damit ich noch ein bisschen länger in den Köpfen der Menschen weiterexistiere.

Nur als Künstler oder auch privat?

Da sind sich die beiden einig.

Apropos Kunst: Du wirst am 22. Februar 50. Ein Geburtstag mit Bedeutung – oder ist dir so etwas völlig egal? Wirst du ihn erst als Nachreichung wahrnehmen oder feiern?

Ich habe nicht einmal den Geburtstag von Jesus gefeiert, also Weihnachten, also warum soll ich meinen Geburtstag feiern. Aber es ist natürlich eine Marke im Leben, wo du dir denkst, 50 klingt eigentlich schon arg. Ich habe mir vor Kurzem Converse gekauft, um mein Alter etwas zu vertuschen.

Eine Midlife-Crisis?

Durch die Converse gerade noch verhindert.

Du bist in ganz Österreich unterwegs. Unterscheidet sich der Tiroler vom Wiener? Oder der Steirer vom Burgenländer?

Nein, eigentlich nicht. Es kann da und dort gute Auftritte geben.

Und warum gibt es über Burgenländer die meisten Witze?

Bei uns in der Steiermark hat es immer Kärntner-Witze gegeben.

Du hast im Jänner Urlaub gemacht. Wo?

In Sri Lanka.

Künstler und privater Alf gemeinsam?

Eigentlich wollte der private Alf alleine fahren, aber der Künstler wollte unbedingt mit.