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Asien mal anders

Löwenstadt und Tigerstaat: Singapurs Name beruht auf einem Missverständnis. Es ist einer der seltenen Fehler im perfektionistischen Stadtstaat. Dieser vereint Asiens Schönheiten auf kleinstem Raum und lässt einen oft staunen.

Text: Roland Graf

Eeines muss der Reisende gleich lernen: Im asiatischen Kleinstaat Singapur gelten strenge Regeln. Schilder zeigen zum Beispiel an, wo Straßen gefahrlos zu queren sind. Für Reisende ist gerade die rigorose Kontrolle eine Überraschung im sonst quirlig-chaotischen Asien. Die U-Bahnen sind sauber, pünktlich und klimatisiert. Doch Kaugummi darf man dort keinen kauen. Für die 5,6 Millionen Einwohner Singapurs gibt es nur 500.000 Autos. Und je nach Verkehrsaufkommen steigt die City-Maut, die per Kreditkarte abgebucht wird. Insekten werden mit nächtlichen Sprühaktionen in Schach gehalten. Grün gibt es dafür reichlich. Und die alte Oase, der Botanical Garden, ist so beliebt wie die neuen Gardens by the Bay.

Sie stehen auf "reclaimed land", also künstlichen Inseln, und geben den Blick frei auf das neue Wahrzeichen des Stadtstaats: das Marina Bay Sands mit dem über drei Hoteltürme gehenden Pool in rund 200 Metern Höhe. Es ist global so bekannt wie früher der Merlion. Diese Wasser speiende Löwenstatue spielt auf die -Gründungssage an. "Singa-pura", die Löwenstadt - so soll der aus Sumatra stammende Prinz Sang Nila Utama die Ansiedlung im 13. Jahrhundert genannt haben. Nur: Es kann sich maximal um einen Tiger gehandelt haben.

Asien für Ängstliche

Der Name blieb auch unter den Briten erhalten, die als Kolonialherren unter Stamford Raffles für den Ausbau der strategischen Hafenstadt sorgten. Der Gouverneur wies damals den Minderheiten ihre eigenen Viertel zu, was dafür sorgte, dass es Arab Street, Little India und Chinatown gibt. "Ein Singapur-Trip", so scherzen einige Bewohner, "ermöglicht Asien-Reisen für Ängstliche." Von der Moschee über den Tempel mit Buddhas Zahn bis zu den Currys (etwa im "Banana Leaf") vereint die Stadt ein asiatisches Best-of. Das gilt vor allem für die Hawker Centers, wo sich viele Buden mit Essensspezialitäten drängen. Selbst das Improvisierte folgt in Singapur klaren Regeln. Die Hawker-Stände etwa haben ein auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennendes -Rating-System in Form von Urkunden. Die beste Qualität bekommt ein "A". Mehren sich die Beschwerden, können die Lizenzen sogar entzogen werden. Am Eingang zu Chinatown ist ein Markt, der alles hat. Natürlich auch Schwalbenspeichel oder getrocknete Seepferdchen. In Chinatown gibt es nicht nur gedörrte Haifischflossen.

Bar-Paradies

Der CBD, der Central Business District, liegt in unmittelbarer Nähe. Hier brät man am Holzkohlengrill die beste knusprige Ente (um vier Euro bei "Chiang Shun" in der Neil Road). Wenn man das Nationalgericht "Chili Crab" sucht, muss man etwas weiter hinaus an die Küste fahren.

Doch nicht nur die feste Nahrung hat in Singapur Welt-Niveau. Zu empfehlen sind das "28, Hongkong Street" und der "Tippling Club" oder die mondäne "Manhattan"-Bar, die mit 105 Eichenfässer mit Drinks das Kontrastprogramm zur "Long Bar" darstellt. In dieser legendären Trinkstätte des Hotels "Raffles" wurde 1915 der "Singapore Sling" erfunden. "Mit rund 55.000 Pflanzen ist der Hotelkomplex begrünt", erzählt der einstige Concierge Leslie Danker, der schon John Wayne und Paul Anka bedient hat.

Hotel-Legende

Dankers "Memoirs of an Raffles Original", so der selbstbewusste Buchtitel, sind hochamüsant. Die heute als Historiker im Hotel beschäftigte Legende erzählt darin auch vom Tiger unter dem Billard. 1902 wurde ein aus einer Show entlaufenes Raubtier im Hotel erlegt. Aber erst der vierte Schuss des von vielen alkoholischen Getränken beeinträchtigen Schützen war tödlich. Die Löwenstadt Singapur bietet heute allen Besuchern etwas. Und der Stadtstaat wacht darüber, dass das auch so bleibt.

visitsingapore.com

 

 

INSIDERTIPPS:

Nacht-Safari

Der ideale Stopp vor dem Heimflug und ein Erlebnis ist die Fahrt durch die Dschungel-Habitate von Tiger, Elefant und Co um 28 €.

nightsafari.com.sg

Blumenpracht

Die Anlage mit den nach Staatsgästen benannten Orchideen ist das Herzstück des Botanischen Gartens. Hier gibt es auch die vergoldeten Blüten des Juweliers „Risis“, ein perfektes Andenken.

1, Cluny Road, www.sbg.org.sg

Kultur-Tempel

Die Geschichte der indischen Minderheit zwischen Mogulreich, Kolonialzeit und modernem Singapur.

Indian Heritage Center, indianheritage.org.sg