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Bellissima

Scampi mit Couscous.

Bei Sizilien denken die meisten sofort an Ätna, Taormina, Cefalù oder Siracusa, an die Westküste der italienischen Insel kaum jemand. Das ist schade. Auch aus kulinarischer Sicht. Eine Reise von Palermo bis Marsala.

Text: Niki Nussbaumer

Palermo ist der ideale Ausgangspunkt für eine Reise in den Westen von Sizilien. Und auch eine Herausforderung. Die Stadt ist chaotisch, heiß, laut. Aber voller Leben. Autos hupen, Mopeds rattern, Espressomaschinen zischen, Fischhändler preisen lautstark ihre Ware an. Diese landet oft als Pasta con le sarde auf den Tischen der Trattorien. Pasta mit Sardinen, Pinienkernen, Rosinen, Safran und wildem Fenchel.

Verwinkelte Gassen, bröckelnde Fassaden: Palermo ist schäbig, aber faszinierend. Fast 3.000 Jahre hat die Stadt auf dem Buckel. Karthager und Griechen, Araber und Römer, Normannen und Byzantiner – alle waren da und hinterließen einen architektonischen Stilmix, der seinesgleichen sucht. Hier byzantinische Mosaike in der Cappella Palatina, da barocke Palazzi rund um Quattro Canti und Fontana Pretoria, dort normannische Kirchen wie die Cattedrale di Palermo oder der Duomo di Monreale. Nach zwei, drei Tagen sehnt sich das Auge nach Grün und das Herz nach Meer. Langsam verschwindet die Stadt aus dem Rückspiegel.

Arabisches Flair

Westlich von Palermo nähert sich Italien Nordafrika. Das sieht man, das hört man, das schmeckt man. Die fruchtbaren Hügel laufen sanft ins Meer aus, auf den Feldern reifen Oliven, Weinreben und Zitronen. Vor Jahrhunderten brachten die Sarazenen Mandelbäume und Zitrusfrüchte in diese Ecke Siziliens. Noch heute klingen die Namen vieler Orte arabisch und statt Fleisch und Pasta wird gerne der nach Zimt und Safran duftende Fisch-Couscous serviert. 

Ein weiteres kulinarisches Erbe der Araber heißt Pesto alla trapanese, zubereitet aus frischen Tomaten, Mandeln, Basilikum und Knoblauch. Es verdankt seinen Namen dem auf einer Landzunge gelegenen historischen Ort Trapani. Vergil nannte Trapani in seinem Epos „Aeneas“ eine „traurige, freudlose Küste“. Heute ist Trapani eine attraktive Stadt, mit eleganten Barockbauten, einer ­herausgeputzten Fußgängerzone und regelmäßigen Fährverbindungen zu den beliebten Ägadischen Inseln. Hinter Trapani windet sich die Straße steil hinauf zu dem mittel­alterlichen Ort Erice, der auf 750 Metern Höhe thront. 

Erice ist eine der faszinierendsten Adressen Siziliens: Gassen mit altem Kopfsteinpflaster, dicke Mauern, finstere Festungen, kleine Kirchen – und ein launisches Wetter. Aber auch eine fantastische Aussicht über das Meer, über Trapani und seine Salinen. 

Maria Santissima ­Assunta, Palermo.
Der alte Hafen in Cefalù.
Vecchi amici, alte Freunde.

Edle Tropfen

Früher lebte man in Trapani von Korallen, Thunfisch und Salzerzeugung; hier wurde der Dosenthunfisch erfunden. Überlebt hat nur die Salzindustrie. In den Salinen südlich der Stadt werden heute noch jährlich etwa hunderttausend Tonnen Salz produziert – angeblich das geschmacksintensivste Salz Europas. 

Der beste Wein Siziliens wird 30 Kilometer südlich von Trapani, in der Gegend um Marsala, angebaut. Die Araber gaben der Stadt an der westlichsten Spitze Siziliens, nur 140 Kilometer von Tunesien entfernt, einst ihren Namen: Marsah-al-Allah, Hafen Gottes. Über die Grenzen Italiens bekannt ist der Likörwein aus Marsala, den es in den Variationen „trocken“, „süß“ oder „lieblich“ zum Verkosten gibt. 

Duft von Hibiskus

Nicht nur die Araber, auch Goethe war von Sizilien begeistert. „Im Frühling zum Staunen, im Herbst zum Genießen“, empfahl er. Im Frühjahr verwandelt sich der Westen 

Siziliens in einen blühenden Garten. Dicke Teppiche, die rot und gelb, violett und weiß leuchten, legen sich dann über die Hügel des Naturreservates Zingaro, des ältesten Naturparks Siziliens. 

Nördlich von Zingaro schlängelt sich die Straße durch Weinberge zum Badeort San Vito Lo Capo. Dessen Strand begeistert mit türkisfarbenem Wasser vor imposanter Berg­kulisse und ziert unzählige Reiseführer. 

Noch eine Spur berühmter ist das nahe Dorf Scopello und seine Tonnara, eine ehemalige Thunfischfabrik. Hier, in einer der schönsten Buchten Siziliens, eingerahmt von schroffen Felsen, drehten Brad Pitt, ­George Clooney & Co im Jahr 2004 Teile des Hollywood-Blockbusters „Ocean’s Twelve“. 

Der Abend trägt eine frische Prise ins Zimmer. Es riecht nach Salz und Meer und Hibiskus. Das Herz pumpt frische Energie durch den Körper.

FOTOS: iStock (5)

GUTE TIPPS

Schlafen

Hotel San Michele.

Die Küstenstadt Trapani bietet eine gute Auswahl an Hotels und Restaurants. 

Empfehlenswert ist das neue Hotel San Michele in der Altstadt, nur fünf Gehminuten vom ­Hafen entfernt. Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, wunder­bares Frühstück im Innenhof. 

sanmicheletp.it 

Wandern

Naturreservat Zingaro.

Nach Bürgerprotesten ­errichtete die Regierung im Jahr 1981 das erste Natur­reservat Siziliens. Es umfasst 1.600 Hektar und einen sieben Kilometer langen Küsten­streifen mit kleinen sandigen Buchten und kristallklarem Wasser. ­Eintritt: 5 €.

riservazingaro.it

Genießen

Pasticceria.

Im Berg­ort Erice befindet sich die berühmteste Konditorei Siziliens. 

Inhaberin ist Maria Grammatico, deren Leben im Buch „Bitter Almond“ erzählt wird. Köstliche sizilianische Süßigkeiten!

Via Vittorio Emanuele 14, 91016, Erice, Tel. +39/327/170 56 67
mariagrammatico.it