Blaue Kleinode

Nur wenige Kilometer außerhalb der Festspielstadt Salzburg wartet eine „seensationelle“ Landschaft. Die malerische Gegend zwischen den Trumer Seen und dem Fuschlsee bietet jedoch weit mehr als nur idyllische Badebuchten.

Text: Roland Graf

Am Fuschlsee kann man selbst in der Badehose ins Schwitzen geraten. Denn in der Bucht von Hof führt der Weg zum kühlen Nass über einen hundert Meter langen Steg. Der wohl längste im Alpenraum. Der Sprung ins erfrischende Gewässer gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den ­Sommer im Salzburger Seenland auszeichnet: Wasser und Wandern. Sportliche gehen die 11,8 Kilometer lange See-Runde locker zu Fuß. Um die Wanderer nicht zu stören, wurden sogar die Radfahrer von den großteils unverbauten Ufern verbannt. 

Für die ambitionierten Pedalritter gibt es andere Herausforderungen: zum Beispiel den Rad-Marathon „Eddy Merckx Classic“. Wer dafür zum Beispiel im Fuschler „Mohrenwirt“ residiert, findet in ­Jakob Schmidlechner, dem Chef des Hotels, einen kundigen Scout. Denn er ist selbst ein begeisterter Triathlet. Aber heute belassen wir es beim Bootfahren und setzen zur Schlossfischerei am Fuschler Ufer über. Dieses ist einst als Kulisse für die Sissi-Filme mit Romy Schneider weltberühmt geworden. 

Fürstliche Erinnerungen

Beim Landgang erwartet uns schon der frisch geräucherte Saibling von Gerhard Langmaier. Brot und etwas Kren dazu, mehr braucht es nicht für eine zünftige Salzburger Jause direkt am malerischen See. „Heute haben wir Hechte gefangen“, sagt Langmaier und deutet auf die weitmaschigen Netze im Bootshaus. Das Schmuckkästchen wurde erst vor einem Jahr renoviert. Die Fischerei, die Teil des Fünf-Sterne-Hotels „Schloss Fuschl“ ist, hat eine lange Tradition. 

Als Salzburg noch ein kirchliches Fürstentum war, sprach man vom „Hofküchensee“. Unter den Erzbischöfen, denen die Fische exklusiv vorbehalten waren, blühte die Region vor den Toren der Mozartstadt wirtschaftlich auf. Nicht nur das Salz machte die geistlichen Fürsten damals reich, sondern auch das Erz aus Italien, das in der Gegend verarbeitet wurde. Dafür gab es mehr als genug Wasser und Wald. Im Museum von Ebenau, das sich heute an der Stelle des wichtigen Kupfer-, Messing- und Eisenwerks befindet, gibt es dazu einiges zu sehen.

WASSERREICH. Die drei Trumer Seen nahe der berühmten Mozartstadt Salzburg laden zum Badespaß.

Bier: Mit Harz, ohne Gluten

Damals hätte auch Reinhold Barta nicht lange nach einem Sudkessel suchen müssen. Der Brauer aus Hof hat vor zehn Jahren begonnen, Bier nach seinem eigenen Geschmack zu brauen. Die Biere des biozertifizierten Brauers haben Namen wie „Black Betty“ oder „Dies Irae“ und sind heute schon legendär. Davon kann man sich im Pub der Brauerei Gusswerk überzeugen; selbst glutenfreies Bier zapft Barta hier. 

Ähnlich innovativ agiert Axel Kiesbye einen See weiter in Obertrum mit „Bieren aus der Wildnis“. Im Bierkulturhaus, einer Ausbildungsstätte für Kenner von Hopfen und Malz, braut Kiesbye jedes Jahr einen neuen Sud mit Zutaten aus den Wäldern der Bundesforste: Fichtennadeln, Wacholder, aber auch Harz hat Kiesbye schon verwendet. 

Wer wie Kiesbye die Ruhe sucht, sollte den kleinsten der drei Trumer Seen besuchen: Der Grabensee ist anders als der Obertrumer See und der Mattsee touristisch noch kaum erschlossen. Seine Buchten sind beliebte Badeplätze, perfekt geeignet für die traditionelle Sommerfrische.

Bleibt das Badewetter im Seenland aus, empfiehlt sich ein Abstecher ins nahe Koppl, eine Destillateur-Hochburg, in der selbst der Pfarrer, Rudolf Weberndorfer, Schnaps brennt. „Schuld“ daran ist Hermann Deisl, der unter der renommierten Marke „Huberbauer“ zum Beispiel Gin in einer 100-Liter-Anlage erzeugt. „Eigentlich wollte ich nur einen Kurs zum Verkosten-Lernen machen“, lacht der 66-Jährige. Mittlerweile hat er auch schon die Schwiegersöhne auf den destillierten Geschmack gebracht. Herausragend schmeckt sein Vogelbeerschnaps mit seiner feinen, cremigen Mandelnote. Deisls Tochter widmet sich lieber der Schafmilch-

Produktion. Mit Biomarmeladen gemischt, gibt es diverse Joghurts ab Hof. Bezüglich Vielfalt stehen sie den 30 Edelbränden des Vaters kaum nach. 

Motor-Mäzen: Ernst Piëch.
Stand-Up-Paddling am Fuschlsee.

Wasserfall und Weltmarken

Nur eine Viertelstunde entfernt, zwischen Hinterschroffenau und Ebenau, stürzt in der Plötz ein Wasserfall 50 Meter in die Tiefe. Auf dem Weg trifft man auf eine Mühle nach der anderen. Man merkt: Selbst beim Wandern geht es hier nicht ohne Wasser-Spiele ab. 

Eine Besonderheit der Gegend ist das Rauchhaus. Das Juwel am Fuschlsee ist eines der letzten originalen Bauernhäuser. Es zeigt, wie vor dem verpflichtenden Einbau von Kaminen gekocht und gelebt wurde. Schwarze Patina durchzieht das bis in die 1980er-Jahre bewohnte Gebäude. Das Bauernhaus wirkt wie aus einer versunkenen Welt. 

Zurück nach Mattsee. Dort gibt es in einer ehemaligen Schuhfabrik eine Weltmarke zu erleben. Im „fahr(T)raum“ hat Ernst Piëch, der älteste Enkel Ferdinand Porsches, eine Hommage an den genialen Konstrukteur eingerichtet. 

Porsche hatte bereits damals eine heute gefragte Idee umgesetzt: das Elektroauto. Der original Lohner-Porsche aus dem Jahr 1901 ist noch bestens erhalten. Ebenso wie der Austro-Daimler seines Großvaters. Außerdem ist der Prototyp des VW-Käfers, den sein Onkel Ferry Porsche 1942 ­vorstellte, im Museum zu bewundern. 

Die malerische Salzburger Seenlandschaft hatte schon immer eine inspirierende Atmosphäre und eine besondere Anziehungskraft. 


FOTOS: www.picturedesk.com, Salzburger Seenland Tourismuss / H.Ziller, istock, STMG / Wolfgang Stadler

GUTE TIPPS

HOLLER-ALM

Hintersee. Vier Almen rund um den Fuschlsee haben sich dem Holunder verschrieben. Bei allen gibt es für müde Wanderer-Wadln kostenlos ein Elixier zum Einreiben. Lisi und Werner Matieschek auf der Gruberalm servieren Speck, Bauernkrapfen und natürlich selbst gemachtes Holler-Kracherl.

Lämmerbach 11, 5324 Hintersee, 06224/216, gruberalm.at

SEE-BLICK

Mattsee. Wer nicht im Hotel ­frühstückt, ist bei Roswitha Maislinger im Schloss-Café bestens aufgehoben. Vom „Prinzessinnen“-Frühstück für die Kleinsten bis zum luxuriösen Champagner-Brunch für zwei lässt die Karte keine Wünsche offen – und den Ausblick von der Weyrer Bucht auf den See gibt es gratis dazu.

Schlossberg 1, 5163 ­Mattsee, 0664/141 84 20, schloss-mattsee.at

KUPFER-SCHMIEDE

Ebenau. Das liebevoll kuratierte Museum des einstigen Industrieortes erinnert nicht nur an die Zeit der Kupfer- und Messingwerke, man kann sich auch selbst eine Münze prägen wie einst der Fürsterzbischof. Makaber: Auch eine Sterbebild-Sammlung ­be­herbergt das „Fürstenstöckl“.

Messingstraße 31, 5323 Ebenau. 06221/72 29, ebenau.at/­Museum_im_Fuerstenstoeckl

HAUS-KOSMETIK

Im Waldhof bietet man beides. Neben 9 Loch-Platz und Naturbadestrand warten sechs Pools auf die Gäste (DZ ab 120 Euro/Person). Einzigartig ist die Kräuterküche, in der eigene Wellness-

Präparate entstehen. Übrigens: Auch das Boot zum Schloss ­Fuschl legt beim Vier-Sterne-­Superior-Haus ab.

eestraße 30, 5330 Fuschl am See, 06226/86 44, ebners-waldhof.at