Europa
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Das Herz von Slowenien

Wer nach Ljubljana, dem früheren Laibach, kommt, riskiert schon mal eine Nacht im Gefängnis. Denn Sloweniens Hauptstadt weiß zu überraschen.

Text: Heidrun Henke

Oft sind wir schon an der Stadt vorbeigefahren. Bei Trips in den Süden, nach Triest, Grado oder Istrien. Wir haben Ljubljana immer links liegen lassen, um flott das Meer zu erreichen. Doch diesmal war Zeit für einen Kurzbesuch. Laibach ist mit Graz vergleichbar: der prominente Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt, der Stadtberg, die prunkvollen Bauten, das mediterrane Flair, der Park als grüne Oase und die Liebe zu Genuss und Kultur aller Art.

Am kleinen Fluss Ljubiljanica läuft alles zusammen. Von hier gehen die Touristenboote weg, die Rundfahrten anbieten, hier wird getrunken, gegessen und den Musikanten gelauscht, es werden Souvenirs gekauft und Straßenkünstler beklatscht. Perfekte Postkartenmotive sind die Drachenbrücke und Tromostovje (Drei Brücken), die wie die Markthalle vom Architekten Jože Plečnik stammen. Er hat Laibachs Stadtbild mit seinen dem antiken Athen nachempfundenen Bauten geprägt. Die Schönheit der Stadt beschränkt sich aber nicht nur auf den lieblichen, denkmalgeschützten Teil mit den stilvollen Geschäften und Cafés.

Alternativ kreativ

Hinter Laibachs Fassade steckt auch eine alternative Szene mit einem gewissen Ostblock-Retro-Charme. Geht man weg vom Touristentreiben, entdeckt man auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne Metelkova mesto. Auf diesem besetzten, autonomen Gebiet, das mit dem Freistaat Christiania in Kopenhagen vergleichbar ist, herrscht kreatives Chaos. Skulpturen, Street-Art und Graffiti bieten inmitten der alten Holzbaracken jede Menge bunte Farben und Formen. Der kultige Platz ist Hotspot der slowenischen Alternativszene und das Zuhause von Künstlerkollektiven, Galerien und Aktivisten. Dort liegt auch ein Hostel der besonderen Art: Im ehemaligen Gefängnis kann man statt eines Zimmers eine Zelle buchen. Und muss dafür auch bezahlen! In Metelkova finden immer wieder Festivals, Vernissagen und Konzerte statt. Und wer die angesagtesten Clubs der Stadt sucht, ist hier ebenfalls richtig.

City nahezu autofrei 

Nur einen Steinwurf entfernt wurde eine alte Fabrik zum Kulturareal umfunktioniert. Während des Sozialismus Fahrradfabrik der bekannten ROG-Drahtesel, ist das Areal heute Ort kreativen Schaffens mit Ateliers, Studios und Konzertbühne. Sogar Sprachkurse für Flüchtlinge und Zirkusworkshops finden hier statt. Ums Eck, an der Uferstraße, befindet sich das gleichnamige und hippe Café Rog, wo wir bei einem frisch gezapften Laško-Bier unsere Eindrücke nachwirken lassen. Nach dem Abtauchen in die Kreativszene wollen wir Höhenmeter machen und erklimmen den Stadtberg, auf dem eine Burg thront. Der bewaldete Berg ist neben dem Tivoli-Erholungspark, die wunderschöne, grüne Seele der Stadt. Es gibt eine Standseilbahn hinauf.

Ljubljana legt viel Wert auf Nachhaltigkeit. Schaut man etwa von der Burg auf die Stadt hinunter, lässt sich das deutlich sehen. Die Altstadt ist nahezu autofrei, maximal Fahrräder oder Segways kommen Touristen in die Quere. Generell wirkt das Tempo hier entschleunigt - auch beim Essen: Die Slowenen sind Meister des Slow Food. Ihr Motto scheint zu sein: Alles frisch, alles regional und genial kreativ. Der Markt bei Drei Brücken bietet Obst, Gemüse, Fleisch und Käse von den Bauern der Umgebung, Holzofenbrot, hausgemachte Strudel und andere lokale Leckerbissen. Auch anspruchsvollste Foodies kommen in Laibach auf ihre Kosten.

Bei der nächsten Reise an die Adriaküste planen wir sicher einen Abstecher nach Laibach fix mit ein, um eine neue Seite der Stadt zu entdecken.

visitljubljana.com

INSIDERTIPPS:

Hotel

"Lesar Hotel Angel". Sehr stilvolles und gemütliches Boutique-Hotel in einem alten renovierten Bürgerhaus. Zum 4-Sterne-Hotel gehört ein großer Gar- ten mit wunderbarem Ausblick. Perfekt für Stadterkundungen aller Art, hinter dem Hotel schlängelt sich ein Gässchen den Stadtberg hinauf.

Gornji trg 7, 1000 ljubljana, angelhotel.si

Essen

Valvas'or. liegt in der Fußgängerzone Stari trg, parallel zum Fluss. elegantes Ambiente. Die slowenisch-mediterrane Küche zeigt viel kreativen Ehrgeiz, sehr empfehlenswerte Weine.

Stari trg 7, 1000 ljubljana, valvasor.net