Europa

Die Stadt der Therme

Die ungarische Hauptstadt Budapest vereint perfekt Badekultur, Nightlife und Kunstgenuss. Nur drei Stunden von Wien entfernt lockt sie mit ganz eigenem Charme – einer Mischung aus „Allles ist möglich“ und beharrlicher Ostblock-Tristess.

Text: Alexis Wiklund

Paprika belebt. An allen Ecken der Stadt pulsiert das Leben. Wiens Schwesterstadt ist heute kaum noch wiederzuerkennen. Ob Shopping, Wellness oder Nightlife: Budapest, einst trübe Perle des Ostblocks, steht Paris oder Berlin um nichts nach. Weltklasse ist Budapests schicke Einkaufsmeile „Váci utca“. In den prächtigen Jugendstilhäusern haben feine Boutiquen ihre Adresse. Hier wird in den Schuhläden die elegante Ware noch per Hand hergestellt.

Szeneviertel und Pracht-Cafés

Angesagt ist auch das Viertel rund um den Liszt-Platz. Hier trifft sich die Szene in den Cafés und Restaurants. Originell ist das streng im Retrostil der 1960/70er-Jahre eingerichtete „Menza.“ Einen Kultstatus hat auch das mit Gold und Stuck überladene „Café New York“. Ebenfalls im Stil der Gründerzeit zeigt sich das „Café Gerbeaud“ im Herzen von Budapest. Es war einst k. u. k. Hoflieferant. Wohin man blickt: Stuck, edle Kronleuchter und ausgesuchtes Mobiliar aus Edelhölzern.

Foto: Pedro Pinera-Buendia | Unsplash

Altes Handwerk

Einen Besuch wert ist die Bródy-Sándor-Straße. Hier reihen sich edle Bürgerpaläste fast nahtlos aneinander. Und in ihren Kellern finden sich einige der ältesten Pester Handwerksbetriebe und Schmiedewerkstätten. Gleich ums Eck befindet sich das Ungarische Nationalmuseum. Eine ständige Schau zeigt die bedeutendsten Werke von Mihály Munkácsy und seines Zeitgenossen, László Paál. Und in der Ungarischen Nationalgalerie gibt es 100.000 Werke der ungarischen Kunst von der Staatsgründung bis heute im Zeitraffer zu bewundern. In Sachen Kunst und Design bietet die Donaumetropole alles, was das Herz begehrt.

Weltkulturerbe und Badekultur

Wer das Leben mit vollen Zügen genießt, braucht auch Entspannung pur. Dafür gibt es die perfekten Thermen in Buda. Wie leicht lässt sich da der ganze Tag im historischen „Gellert“ oder „Rudas“ verbringen, eingehüllt von angenehm warmem Mineralwasser und Dampf. Übrigens liegen diese nicht weit entfernt von Fischerbastei und dem Burgviertel. Diese stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Gegenüber auf dem Pester Donauufer erstrahlt eines der schönsten Parlamentsgebäude der Welt – 268 Meter lang und als Krönung eine 96 Meter hohe Kuppel.

Foto: Balou46 | Wiki Commons

Thermenparadies

Das Széchenyi eröffnete seine barocke Badewelt 1913 nur für die oberen 10.000. Heute ist die originalgetreu restaurierte Therme ein Freizeitparadies für alle. Weltbekannt ist das Bild der im warmen Wasser stehenden Schachfans. Sich im Bade zu verabreden, ist in Budapst so normal wie anderswo ein Treffen im Café. Das Széchenyi verfügt über drei Außen- und zwölf Innenbecken mit Temperaturen bis zu 40 Grad.

Foto: Gellert Gyogyfurdo |

Park der Statuen

Nach dem überraschenden Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und dem folgenden Umbruch stellte sich die Frage: Was tun mit den Statuen? Das Problem wurde in Budapest elegant gelöst. Auf Vorschlag des Literaturhistorikers László Szörényi errichteten die Stadtväter den Lenin-Garten samt Statuenpark. Dieser präsentiert eine Sammlung der typisch osteuropäischen Statuen und Monumente aus der Zeit der Diktatur.

Bauch der Stadt

Die Zentrale Markthalle ist ein beliebter Budapester Treffpunkt des Alltagslebens. Die große Stahlkonstruktion beherbergt auf drei Geschoßen mehr als 180 Marktstände, mehrere Imbissstände und zwei Supermärkte. Sie bietet ein riesiges Angebot an Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch sowie heimisches Kunsthandwerk. Hier gibt es weltberühmte ungarische Spezialitäten wie Salami, Tokaja und Paprikapulver.