Europa Aktuelle Ausgabe

Die verkleidete Stadt

Der Karneval von Venedig ist Lust & Last gleichermaßen. GUTE REISE erklärt die große Maskerade in sechs Schritten

Text: Wolfgang Wieser

Schwebt der Engel vom 98,6 m hohen Campanile des Markusdoms über die Piazza, brandet Jubel auf. Denn mit dem Engelsflug ist der Karneval von Venedig eröffnet. Bis zum Aschermittwoch, also zehn Tage lang, wird Venedig zur verkleideten Stadt. Ein Spektakel, das seit Jahrzehnten Millionen von Besuchern in 

seinen Bann zieht. Und obwohl der Karneval in der Serenissima eine lange Tradition hat – manche Quellen verweisen bis in das 13. Jahrhundert –, ist das aktuelle Faschingstreiben eine Erfindung der 1970er-Jahre. Von Künstlern geboren, wurde sehr rasch das gewaltige touristische Potenzial erkannt. Was Tausenden Touristen Vergnügen bereitet, wird für viele Venezianer zur Last. 

1- Tradition


Casanovas Karnelval - Die Zeit der größten Pracht

Als der Schriftsteller Giacomo Casanova (1725–1798) noch in Venedig die Damenwelt erbeben ließ, erreicht der Karneval seinen Höhepunkt.  

Wissenswert:  Die Sitten wurden im 18. Jahrhundert immer lockerer, das Treiben bunter, beschwingter, verrückter. Ausgerechnet wir Österreicher haben allerdings dazu beigetragen, dass ab 1797 Schluss mit lustig war. Venedig verlor „dank“ Napoleon seine Selbstständigkeit und kam zu Österreich. Der damit verbundene Niedergang der Stadt ließ den Venezianern für fast 200 Jahre die Lust am Feiern vergehen.

2. Comeback


Casanovas Rückkehr - Die Wiedergeburt des Karnevals

In den 1970er-Jahren erlebt das Faschingstreiben eine Renaissance – dank eines Films von Federico Fellini.

Wissenswert: Fellinis Casanova startete 1976 in den Kinos – mit dem Kanadier Donald Sutherland in der Hauptrolle. Und war so inspirierend, dass es Fellini, Regisseur Maurizio Scaparro und Maskenmacher Guerrino Lovato gelang, den Carnevale zu neuem Leben zu erwecken. Endgültig mit dem Erfolg bei der Biennale 1979.

3. Fluch


Schönheit als Fluch - Venedig ist eine Traumstadt

Venedig ist so ungewöhnlich, so schön, dass es viel Fantasie bräuchte, um sie sich auszudenken.

Wissenswert: Ihre absolute Unvergleichlichkeit wird für Venedig zunehmend zur Last. Wenn die Touristen in die Stadt strömen, können sie nur mit Einbahnregelungen (natürlich für Fußgänger) halbwegs kanalisiert werden. Die Einheimischen (nur noch 55.000) verlassen in dieser Zeit die Stadt.

4. Segen


Warum wir Venedig lieben?  - Stadt als Gesamtkunstwerk

Eine völlig andere Welt; eine Welt, wo das ganz normale Leben plötzlich eine Bühne bekommt.

Wissenswert: Eine Stadt ohne  Autos, Straßen wie ein Labyrinth, in dem  wir gerne verloren gehen, winzige Bars und große Kunst (links der Eingang zum Markusdom): Hier wird man für Stunden zum Hauptdarsteller in einer geheimnisvollen Inszenierung.

5. Fluch


Der Spass bringt Geld für notwendige Renovierungen - Wer seine Eitelkeit für viel Geld zelebriert, tut durchaus Gutes.

Wissenswert: Machen wir uns nichts vor – natürlich ist der Karneval ein Riesengeschäft. Darüber kann man klagen. Vergessen werden sollte dabei aber nicht, dass die dringend notwendigen Renovierungen vieler Palazzi nur deshalb möglich sind, weil mondäne Feste, bei denen Menschen mehrere Tausend Euro an einem Abend ausgeben, Geld in die Schatullen spülen.

6. Ruhe


Venedig danach - Wenn‘s plötzlich leer wird - Für manche Venedig-Besucher ist der Karneval am schönsten, wenn er vorbei ist.

Wissenswert: Kehrt mit dem Aschermittwoch wieder ein wenig Ruhe in die Stadt ein, offenbart sich Venedig von seiner stillen, oder sagen wir, stilleren Seite. Die Serenissima danach – auch dann eine Reise wert.

Bilder: istock

Blaguss-TIPP

Karneval in Venedig.

Blaguss bietet zum Faschingstreiben in Venedig zwei  Touren an – Motto: „Für einen Tag in die Welt der Masken und Harlekine.“ 

Mit Tour 1 kommen Sie rechtzeitig zum Start des Karnevals, also zum Engelsflug am Markusplatz, in Venedig an.

Mit Tour 2 erleben Sie das Maskentreiben auf seinem Höhepunkt, nämlich am Faschingssamstag.

Nähere Informationen gibt es auf blaguss.at