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Calton Hill: Vom diesem Hügel bietet sich ein beeindruckender Ausblick auf ganz Edinburgh. © iStock

Edinburgh: Hinter dem Kilt

Sie liegt nicht in den Highlands und ist auch nicht die größte Stadt Schottlands. Den etwas angestaubten Charme Edinburghs haben Zauber-Romane und die kreative Gastroszene aber in ein neues Licht gerückt.

Text: Robert Graf

Es regnet nie in Edinburgh. Stoisch spricht man lieber von flüssiger Sonne. Die "liquid sun" kann es auch heute wieder. Gegenüber der ewigen Rivalin Glasgow, der größeren Arbeiterstadt, hat sich Edinburgh immer für kultivierter gehalten. In Schottlands Hauptstadt steht das größte Dichter-Monument des Landes! Sir Walter Scott, hierzulande bekannt für die Ritter-Story "Ivanhoe", wurde in Sichtweite des alles beherrschenden Edinburgh Castle ein Denkmal errichtet, das 64 seiner Charaktere abbildet.

Die exakt 287 Stufen zur Spitze des im gotischen Stil errichteten "Scott Monument" lohnen sich - bis zum Firth of Forth, der weiten Mündung des "Forth" in die Nordsee, schweift der Blick. Der Park um das Denkmal liegt im Herzen der Stadt. Von hier lässt sich entweder die Altstadt rund um die St. Giles-Kirche erkunden oder das moderne Edinburgh unterhalb der Princes Street. Die letzten Jahre haben der schottischen Metropole mit den imposanten Stadthäusern der Georgianischen Epoche neuen Schwung verliehen.

Restaurants wie "The Granary" oder "Timberyard" stehen für diesen Wandel. Die von frischem Lachs oder Lamm dominierte schottische Küche bekommt hier ein modernes Gesicht. Dazu serviert man in dem weiß gekalkten Lokal mit der Holztram-Decke reihenweise Bioweine aus Österreich. Wem kleine Portionen und Saucenkleckse im Fünf-Gang-Menü weniger geben, der hat auch spätnachts noch die Chance auf einen Burger im "Feed!". Gebackener Schweinebauch und Süßkartoffeln sorgen dafür, dass die Kalorienzufuhr stimmt Denn auch ohne den legendären frittierten Mars-Riegel stimmt das Klischee: Man frittiert gerne in Schottland.

Der Grassmarket ist ein echtes Trendviertel.
Ein grünes Juwel: Princes Street Garden.

Kulisse für Harry Potter

Gestärkt schlendert man dann durch die Straße, die in den letzten Jahren für steigende Nächtigungszahlen gesorgt hat. Die gebogene Victoria Street gilt als Vorbild für die "Winkelgasse" der Harry-Potter-Romane. Einige der Geschäfte scheinen tatsächlich aus versunkenen Tagen zu stammen, als es hier auch einen Zauberer gab, den die Bevölkerung den "Wizard of the West Bow" nannte. Teile der Potter-Romane entstanden auch in den Cafés von Edinburgh, inspirieren ließ sich J. K. Rowling unter anderem von der noblen George Heriot's School unweit des Schlosses, um das die seit 1497 als Schottlands Hauptstadt fungierende Siedlung entstand - die Schule fungiert als Vorbild für das fiktive Internat Hogwarts.

Ganz in der Nähe befindet sich der Friedhof und die alte Hinrichtungsstätte Grassmarket. Einen beträchtlichen Charme bezieht "Embra", wie es die Schotten aussprechen, aus den Relikten, die mitten in die knapp eine halbe Million Einwohner zählende Stadt reichen. Und die müssen nicht nur historischer Art sein. Denn den besten Blick auf die Stadt hat man vom ehemaligen Vulkan Arthur's Seat, der mit seinen 251 Metern auch das Ziel der beliebtesten Jogging-Runde darstellt.

Nicola "Niki" McGinn kennt zwar auch diese Naturoase, "ihr" Edinburgh befindet sich aber auf der anderen Seite der Stadt. Die Schottin, die für die Whiskyfirma Chivas Brothers tätig ist, führt uns auf der Suche nach einer Bar schnell nach Stockbridge. Hier zeigt sich die vitale Seite der schottischen Stadt am schönsten. Es finden sich Vintage-Mode und Schallplatten ("Vox Box"). Pause vom Shopping macht man bei einem kräftigen Espresso von Sprio's, gleich gegenüber von Julie Danskins Buchhandels-Schmuckkästchen Golden Hare Books in der St. Stephen Street.

Dudelsack gespielt wird natürlich auch.
In der Circus Lane fühlt man sich der Geschichte ganz nah.

Die Gasse hat es als "Indie Road" fast zur nationalen Berühmtheit gebracht, weil hier ausschließlich kleine Läden den Kaufhaus-Ketten den Kampf erklärt haben. Mit dem "Stockfest" im September hat man sogar ein eigenes Festival der Kreativität ins Leben gerufen. Auch Edinburghs weltberühmte Bar "Bramble" hat hier einen Ableger mit dem "Last Word Salon".

Auf ein Bier mit Niki McGinn eingekehrt, fällt vor allem eines auf: Wie klischeefrei der Blick in die schottische Abendsonne ist. Kilt-Träger wird man auch in der nahe gelegenen Ann Street vergeblich suchen. Die teure Wohnstraße zählt mit ihrem Hauch von London-Mayfair zu den noblen Adressen wie auch die Heriot Row, in der Anrainer einem auch ungefragt mitteilen, dass hier einst "Schatzinsel"-Autor Robert Louis Stevenson residierte. Schließlich geht es auch im modernen Edinburgh nicht ohne Hinweise auf die kulturelle Vergangenheit. Damit man nicht am Ende mit Glasgow verwechselt wird.

BLAGUSS-TIPP

3 x Schottland in acht Tagen.

„The Best of Scotland“ lädt zur Reise ins Land der Mythen mit Naturerlebnis und Sehenswürdig­keiten (Edinburgh, Burgen, Schlösser und Whisky) ein. Ab € 1.649 pp DZ. „Highlands, Burgen und Whisky“ führt ins Herz von Schottland. Gewohnt wird im Schlosshotel. Besucht werden Edinburgh, die Highlands mit dem sagenumwobenen Loch Ness. Ausflüge ins Königreich Fife und zu den Trossachs. Ab € 1.669 pp DZ. „Auf den Spuren von Jamie und Claire“ ist eine Filmrundreise für „Outlander-Fans“.

Am Programm stehen die Drehorte, historische Sehenswürdigkeiten und kleinen Überraschungen. Ab € 1.675 pp DZ. Alle Infos: blaguss.at

GUTE TIPPS:

Buchcafé

Schloss-Blick. Ein Geheimtipp auf der recht kommerziellen Princes Street ist das im zweiten Stock der Buchhandlung „Waterstones“ versteckte Café. Von seinem verglasten Erker aus genießt man – umgeben von Whisky-Führern und Koch­büchern – vegetarisches Chili und den Blick auf Edinburgh Castle. 128 Princes Street. 

Übernachten

Boutique-Hotel. Das zentral gelegene „Indigo” punktet nicht nur mit seinen individuellen Doppelzimmern (ab 180 Euro/Nacht). Auch das seit vier Jahren geöffnete Restaurant „Twenty“ mit ­seinen Spezialitäten vom ­Josper-Grill hat sich rasch als Treffpunkt etabliert.

Filmkulisse

Harry Potter. Touren zu den Schauplätzen der weltbekannten Zauberer-Romane J .K. Rowlings finden Samstag und Sonntag um 12 Uhr statt (26 Euro, nur in Englisch!) und starten in der Princess Street beim Wellington-Denkmal.

Vorbuchung im Web ist anzu­raten: visitbritainshop.com

Tea Time

Holyrood Palace. Tee im Palast der Queen? Das ist in Edinburgh im „Holyrood House“ möglich. Der Eintritt zum Palast kostet 14,50 Euro. Den Tee, wahlweise mit einem Glas Champagner dazu, gibt es von 13 bis 16 Uhr im Café. Sehenswert: die vier Hektar große Gartenanlage Canongate/Royal Mile. 

royalcollection.org.uk/­visit/palace-of-holyroodhouse