Österreich Aktuelle Ausgabe
Schloss Hof
Niederoesterreich Werbung - Michael Liebert

Ein Fest für die Kaiserin

Öesterreich Werbung - Lammerhuber
Im Schloss Hof widmet sich die Ausstellung dem Thema „Bündnisse und Feindschaften“. Gezeigt wird, dass nicht nur Reformen die Regierungszeit der Kaiserin prägten, sondern auch Krieg und Leid.
Öesterreich Werbung - Lammerhuber
Nach einem Sieg über die Böhmen feiert Maria Theresia mit diesem Karussellwagen
Harald Boehm
Schloss Niederweiden
Harald Boehm
Fritz Simak
Ein fein gearbeiteter Spielzimmertisch, der in Schloss Hof sehr häufig verwendet wurde
Fritz Simak

Es waren vier Tage im September 1754. Vier Tage, an denen das aufwendigste Fest in der Geschichte Österreichs gefeiert wurde. Mit einem einzigen Ziel: Maria Theresia sollte Schloss Hof und Schloss Niederweiden kaufen

Text: Wolfgang Wieser

Nein, es war keine Liebesheirat. Und wenn doch, war es nur die Liebe zum Geld, die Joseph Friedrich Herzog von Sachsen-Hildburghausen (1702–1787) dazu bewegte, die um 20 Jahre ältere Anna Victoria von Savoyen (1683–1763) zu heiraten.

Sie war die Nichte des verstorbenen Prinzen Eugen von Savoyen (1663–1736), hatte sein riesiges Vermögen geerbt und war damit einer der reichsten Menschen Europas. Die Prinzessin wusste wohl um die wahre Leidenschaft ihres Gemahls, weshalb sie ihn mit Immobilien und Geld überhäufte.

Bis es doch zum Bruch und zur Trennung kam. Und der Herzog Schloss Hof und Schloss Niederweiden nicht mehr halten konnte. Seine Idee: ein Fest für die  Kaiserin. Um ihre Kauflust zu wecken. Es wird eines der aufwendigsten Feste  in der Geschichte Österreichs. Vier Tage in sagenhaftem Überfluss, mit täglichen Opernabenden, üppigen Gelagen und einem unglaublichen Aufzug als Abschluss. Ob er erfolgreich war? Klare Antwort: Ja.

Tag 1: 23. September 1754

Am Vormittag sind Kaiser Franz Stephan (1708–1765) und seine Frau Maria Theresia (1717–1780) eingetroffen. Man hat bereits zu Mittag gegessen. Jetzt, am frühen Nachmittag, spaziert die Gesellschaft angeregt plaudernd durch ein Wäldchen bei Schloss Niederweiden. Hier hat Joseph Friedrich Herzog von Sachsen-Hildburghausen mit Spalieren bereits ein verstecktes Theater errichten lassen, das Kaiser Franz Stephan und Maria Theresia, die sich mit dem Prinzen angeregt unterhalten, erst entdecken, als sie samt Gefolge mittendrin stehen. Das Stück, von einem der Stars der damaligen Zeit komponiert, endet mit Huldigungsrufen. Klar, dass es den Hoheiten gefällt. Wirklich verblüfft sind sie aber, als plötzlich Männer, Frauen und Kinder aus den Büschen stürzen und in die Huldigungen einstimmen.

Tag 2: 24. September 1754

Als die Waldhörner zur Jagd blasen, springen Hunderte rot-gelb gekleidete Bauern auf, schwingen rot-weiß-rote Fahnen, treiben gemeinsam mit zahlreichen Jägern Hunderte Hirsche, die der Prinz schon im Morgengrauen auf einen Hügel hat treiben lassen, den Hang hinab – in Panik rasen die Tiere Richtung March. Alles scheint nach Plan zu laufen. Vor den Augen der Majestäten stürzen die Hirsche ins Wasser. Zum Abschuss freigegeben, dem Tod geweiht. Allein, Maria Theresia hat Mitleid mit den Tieren und untersagt, auf sie zu schießen. 

Tag 3: 25. September 1754

Am Vormittag ergötzt sich Seine Majestät der Kaiser in den außerhalb des Schlosses gelegenen Weingärten damit, Hasen, Fasane und Feldhühner zu schießen. Die durchlauchtigsten jungen Herrschaften jagen einstweilen im Schlossgarten. Nachmittags geht es an einen Teich in der Nähe von Schloss Hof, wo der Prinz ein Amphitheater errichten hat lassen, „welches über den ganzen Teich reicht und mehr als 500 Personen fasst“. Auf sechs Felsengipfel im Wasser sitzen verkleidete Tiere: zwei Uhus als Harlekine, zwei Füchse als Hanswurste und zwei Wölfe als Doktoren. Was die Zuseher schon deshalb belustigt, weil die Tiere die seltsamen Verkleidungen loswerden wollen. Abends wird ein riesiges Feuerwerk entzündet, am nächsten Tag wollen die Majestäten Schloss Hof endgültig verlassen.

Tag 4: 26. September 1754

Vor der Abreise gibt es noch einmal ein riesiges Fest, das Kaiserpaar beobachtet das Spektakel vom Fenster aus. Durch die große Allee fahren nebeneinander zwei Bacchus-Wagen auf das Schloss zu. Sie werden von jeweils fünf Satyren begleitet, die Dudelsack, Schalmei und Fagott spielen. Jeder dieser Wagen wird von vier weißen Ochsen gezogen. Die Tiere sind mit grünem Laub geschmückt, ihre Hörner vergoldet. Neben den Wagen: jeweils acht Nymphen. Dahinter der Höhepunkt: ein Triumphwagen, von acht Ochsen gezogen, einem Schiff nachempfunden. Der Mastbaum ist mit „lebendem Federvieh“, ganzen Hirschen und Wildschweinen „nicht behangen, als vielmehr recht überdeckt“. Schlussendlich wird der Wagen von Bauern, die zum letzten Fest kommen dürfen, „geplündert“. Trunken vom Wein lassen sie die Majestäten hochleben.

Für Joseph Friedrich Herzog von Sachsen-Hildburghausen soll sich der Aufwand auszahlen. Maria Theresia kauft die beiden Schlösser aus ihrer Privatschatulle.  Um ihrem Mann Franz Stephan ein Wochenenddomizil, wie wir es heute wohl nennen würden, zu bescheren. Das viertägige Fest war übrigens noch wesentlich üppiger als hier beschrieben – über die Kosten ist nichts bekannt, sie müssen gigantisch gewesen sein.

300 Jahre Maria Theresia

Maria Theresia - Auf diesem Bild trägt sie ein pelzverbrämtes Kleid

Sonderausstellung von 15. März bis 29. November.

Als Maria Theresia am 13. Mai 1717 in Wien zur Welt kam, war ihr Weg zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte alles andere als vorgezeichnet. Die sogenannte „Pragmatische Sanktion“ verankerte die Unteilbarkeit der habsburgischen Gebiete und ebnete ihr als Frau den Weg zum Thron. Ihre Regentschaft steht für Krieg, Leid und Intoleranz ebenso wie für Modernisierung, Reformen und Kunstsinnigkeit.

Egal ob Staat, Verwaltung, Schule, Universitäten oder Militär: Maria Theresia setzte den Grundstein für einen modernen Staat im heutigen Sinn. An vier Orten wird ihr Wirken beleuchtet, ihr Mythos hinterfragt: in Schloss Hof und Schloss Niederweiden, dem Hofmobiliendepot und der Wagenburg.

mariatheresia2017.at