Europa
Bild: Claudia Schubert

Genuss und Sport im „unbekannten“ Südtirol

Das Bergdorf Obereggen in den Dolomiten, am Fuße des 2.700 Meter hohen Latemar gelegen, kennen Skipistenfans. Was aber bietet die Region für Sommer- und Herbstsport?

Ein Bericht von GUTE REISE-Reporter Franz Rinder.

Mit dem Auto kann jeder von Bayern nach Südtirol fahren. Ich aber brauche die Herausforderung und wähle ab der italienischen Grenze das Rad. Entlang des rauschenden Eisacks, des zweitgrößten Flusses Südtirols, verläuft die wunderbare Tour durch Wein- und Obstgärten Richtung Bozen fast wie von selbst. Zeit genug, die Landschaft zu genießen. Der anschließende Weg Richtung Obereggen geht dann stetig steil nach oben und lässt die Luft in der Lunge dünner werden. Allein die phänomenale  Aussicht auf den 2.563 Meter hohen Berg Schlern, auf das acht Kilometer lange Gebirgsmassiv Rosengarten und später auf den Latemar lässt einen die Anstrengung vergessen.

Das Hotel Sonnalp liegt idyllisch in den Bergen. (© Hotel Sonnalp)

Angekommen im Obereggen, erwartet mich im Hotel Sonnalp gleich die dringend benötigte Stärkung: hausgemachter Apfelstrudel und ein Cappuccino. Das Hotel macht seinem Namen alle Ehre, und von der Terrasse genießt man bei Prachtwetter den Blick auf das Latemargebirge, das zu den touristisch noch weniger erschlossenen zählt. Das Hotel, bekannt für seine Gourmetküche und den hervorragend bestückten Weinkeller, ist eine ideale Homebase für die Tage, in denen man die Region entdecken will. 

Martin Köhl sorgt für Genussfreuden im Hotel Sonnalp. (© H. Rier)

Aufgrund der Vorahnung, dass das auch an den Kräften zehren wird, freue ich mich über das fünfgängige Menü mit feinsten Südtiroler Schmankerln. Martin Köhl ist seit der Eröffnung des Genießerhotels Sonnalp der Küchenchef. Seine Devise bringt er so auf den Punkt: „Nur aus besten Grundzutaten kann man etwas Besonderes schaffen.“ Dazu reicht  Juniorchef und Weinexperte David Weissensteiner die perfekte Weinbegleitung. Sein Keller ist reich bestückt, mit edlen Tropfen aus aller Welt. Aber natürlich nehmen dort Spitzenweine aus Südtirol einen besonderen Platz ein.

Die Wanderung beginnt gemütlich über Almwiesen. (© Claudia Schubert)

Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgezeichneten Frühstück geht es auf das Weisshorn. Bergführer Sepp führt durch blühende, bunte Almwiesen mit Steinröschen, Schwefelanemone, Alpenrose, Trollblume, Alpenschnittlauch und Braunelle, die nach Vanille und Schokolade duftet, zum über 2.000 Meter hohen Gipfel. Jeden Abschnitt des atemberaubenden Panoramas saugen wir ein. Vor uns liegen die Brentagruppe, Ötztaler, Stubaier und die Zillertaler Alpen, Schlern und Rosengarten. Einfach atemberaubend!

Wanderführer Sepp (rote Jacke) ist ein erfahrener Guide. (© Claudia Schubert)

Der Abstieg Richtung Gundlhütte führt durch dichte Latschen zu dem unvergleichlichen Blick in die Bletterbachschlucht, wo jahrmillionenalte Gesteinsschichten sichtbar werden. In der Wandergruppe ist auch der Seniorchef des Hotels Sonnalp; Georg Weissensteiner hat im Rahmen des Eggentaler Tourismus maßgeblichen Einfluss und die Entwicklung der Gegend vorangetrieben. Schon in den 1970er-Jahren hatte er die Idee, ein Skigebiet zu gründen. Heute zählt dieses zu den erfolgreichsten in Südtirol. Unter Weissensteiners Leitung wurden auch Wanderwege, wie zum Beispiel Latemar.Natura, ins Leben gerufen. Perfekt für Familien mit Kindern und Naturliebhaber.

Beliebtes Fotomotiv: das Eggentaler Bergkino. (© Claudia Schubert)

Hier wird der Lebensraum der Tiere – zum Beispiel der von Murmeltieren, Gämsen oder Greifvögeln wie dem Adler – nicht nur in verschiedenen Erlebnisstationen vermittelt. Ein besonderer Rastplatz während der Tour, der zum Verweilen einlädt, ist das Eggentaler Bergkino, ein Aussichtspunkt, der mit seinen Sitzbänken und dem Holzrahmen an einen Kinosaal erinnert.

Philipp Venzoli und Isolde Daldos führen die Isi-Alm. (© Claudia Schubert)

Gemeinsam gehen wir an der Gundlhütte vorbei Richtung Isi-Alm. Ein echter Geheimtipp. Liebevoll restauriert von Philipp Venzoli und Isolde Daldos, wird der Gast dort auf hohem Niveau mit kulinarischen Leckereien verwöhnt. Die Almwirtin legt besonderen Wert auf heimische Zutaten, vornehmlich werden biologische Produkte vom eigenen Hof verarbeitet. Der Respekt den Tieren und der Natur gegenüber spiegelt sich in ihrer Küche wider. 

Gesundes von Mutter Natur stärkt am besten und gesündesten. (© Claudia Schubert)

Traditionelle alte Gerichte finden hier genauso Platz auf der Speisekarte wie ausgefallene Spezialitäten. Auf den Tisch kommen etwa Wildkräutersalat, Graupenrisotto mit Fichtenspitzenpesto, verschiedene Variationen vom Rind oder als süßer Abschluss ein Vogelmiereneis. Ein Gaumenschmaus auf 1.850 Meter Höhe. Wer in der Isi-Hütte einkehrt, sollte Zeit mitbringen, denn hier wird wahrlich mit Liebe gekocht.

Die Dolomiten sind eine Traumregion für Biker. (© Eggental Tourismus/Marco Toniolo)

Am nächsten Morgen lacht die Sonne wieder vom Himmel. Der Blick aus dem Fenster auf das Panorama des Latemar macht Lust auf ein neues Abenteuer. Heute steht gemeinsam mit Hotelier David Weissensteiner die neueste Attraktion am Programm: Wir testen mit dem Rad ein Teilstück der Latemar-Umrundung. Dank E-Bikes gibt es aber Unterstützung. Fast ohne Schweiß und Kraftanstrengung geht es steil bergan auf die Oberegger Almen. Die Gesamtstrecke ist zwar ca. 33,5 Kilometer lang und 1.500 Höhenmeter sind zu überwinden, mit den E-Bikes ist die Tour aber auch für nicht so trainierte Radfahrer geeignet. 

Die Berghütte Oberholz liegt auf mehr als 2.000 Meter Höhe. (© ObereggenAG)

Auf dem Weg haben wir noch Gelegenheit, ein besonderes Bauwerk zu besichtigen. Die neue Berghütte Oberholz fügt sich perfekt in die Berglandschaft ein, innen wie außen harmonisch gestaltet. Der spektakuläre Blick aus den großen Panoramafenstern stellt die Bergwelt in den Mittelpunkt.

Immer im Fokus: Immer im Fokus: der traumhafte Latemar. (© Claudia Schubert)

Die Architekten Peter Pichler und Pavol Mikalojak haben mit ihrer zeitgenössischen Architektur ein Highlight über der Oberholzpiste verwirklicht. Chefkoch Franz und sein Team zaubern hier jeden Tag raffinierte Spezialitäten. Hier gibt es Genuss auf sprichwörtlich höchstem Niveau: nicht nur wegen der Lage auf 2.096 Meter.

Die Familie Weissensteiner führt mit dem Hotel Sonnalp ein Genuss-Hideaway in den Bergen. (© Hotel Sonnalp)

Am Weg zurück zum Hotel bleibt noch Zeit für einen kleinen Stopp: Im kleine Wäldchen neben dem Sonnalp sagen einander Adler, Murmeltier und Eichhörnchen „Hallo“. Die Tierchen sind aus Holz, das Werk ist von Schnitzern aus dem Grödner Tal.

Gipfel, so weit das Auge reicht. (© Eggental Tourismus)

HINWEIS: Die Recherche für diesen Artikel wurde unterstützt vom Hotel Sonnalp und dem A.R.T. Redaktionsteam.

Hardfacts:

Hotel Sonnalp: Obereggen, www.sonnalp.com

Isi-Hütte: Jochgrimm 11, Radein, www.isi.st

Berghütte Oberholz: Obereggen 16, www.oberholz.com/berghuette