Europa Aktuelle Ausgabe
Fotos: Brandstätter Verlag

Grado hat immer Saison

Radim Vrska
Peter Weinhäupl.ist Leiter der Klimt-Foundation in Wien und ein Experte für Grado.
Radim Vrska
„Grado. Der Strand Mitteleuropas“ Ein Prachtband über das traditionelle Seebad an der Adria. Herausgegeben von Peter Weinhäupl. Brandstätter, 49,90 €
Inselreich Die Lagunenstadt liegt fünf Kilometer vor dem Festland und ist von hundert Inseln umgeben.
Fotos: Brandstätter Verlag
Fotos: Brandstätter Verlag

Der Wiener Kulturmanager Peter Weinhäupl war schon 50 Mal in Grado. ­Trotzdem kann er von der Lagunenstadt an der Oberen Adria nicht genug bekommen.

Text: Alexis Wiklund

Für viele Österreicher ist Grado ein Sinnbild für den nahen Süden. Das adriatische Urlaubsparadies brachte ganz viel Sonne in ihre Kindertage. Auch Peter Weinhäupl liebt Grado von klein auf. Er ist längst Stammgast, schätzt die Atmosphäre auf der Insel, genießt die wunderbare Küche und die üppige Natur der riesigen Lagune. Sein umfassendes Wissen und seine Liebe für diesen Ort mündete jetzt in den Prachtband „Grado. Der Strand Mitteleuropas“.

GUTE REISE verrät er seine liebsten Plätze, die Faszination des Seebades und was er nicht missen möchte. 

Der nahe Süden

Was sind Ihre Erinnerungen an das erste Mal in Grado? Ein unbeschwerter Sommer. Meer, Sandstrand, Eisdiele: alles, was Kinder mögen.

Wie italienisch ist diese Lagunenstadt? Es gibt romanische, slawische und auch österreichische Einflüsse. Die Insel war immer Schnittpunkt der Kulturen. Und nie rein italienisch. Das unterstreicht auch der Dialekt, der in der Lagune gesprochen wird: Er ist lateinisch. 

Was zeichnet Grado aus? Es ist das letzte echte Fischerdorf an der Oberen Adria. Mich beeindruckt, dass es seine Identität bis heute bewahrt hat.

Welche Plätze mögen Sie besonders? Den Hafen und Viale Europa Unita mit ihren schönen Geschäften. Ich mag das Flair, das den wenigen noch aus der k. u. k. Zeit erhaltenen Straßenzügen innewohnt. 

Was möchten Sie hier nicht missen? Die wunderbare friulanische Küche. Der Fisch für die Gerichte wird täglich frisch in der ­Lagune gefangen. Diese Qualität haben Sie in keinem der anderen Küstenorte.

Verraten Sie uns ein Lieblingsrestaurant? Die Trattoria de Toni an der Piazza Duca d’Aosta. Ein exzellentes Restaurant mit freundlicher Bedienung mitten in der Fußgängerzone. Die Fischgerichte sind fantastisch: etwa Boreto, Fisch in eigener Sauce. Oder Mesta, Bohnensuppe mit Fisch.

Grado war einst das beliebteste Seebad der Monarchie? Es war ein Sinnbild für den nahen Süden. Um 1900 war Sommerfrische am Meer schwer in Mode. Inte­ressant ist: Rund 30 Prozent der Touristen kamen aus dem nur 500 Kilometer entfernten Wien. Trotz der enormen Popularität des Seebades in der Monarchie: Kaiser Franz ­Joseph selbst war nie hier.

Was suchten die Menschen? Frische, ­jodhaltige Luft. Die Großstädte waren damals verschmutzt, die Luft verraucht. Der Trend zu Wasser, Licht, Luft, Sonne zog das gut betuchte Bürgertum an. Die Familien flanierten am Sandstrand. Schwimmen musste niemand können. Das Wasser ist Hunderte Meter ins Meer hinein nur knietief. 

Wie sah das Strandleben damals aus? Die Strände zierten Hunderte Zelte und Strandkabinen. Die importierte Wiener Kultur war nicht zu übersehen: Es gab Kaffeehäuser und alle Annehmlichkeiten der Wiener Küche. Und sogar ein Spielcasino. 

Romantische Lagune

Erst in den 1960er-Jahren erlebte das Seebad ein Revival. Warum? Eine Kriegsgeneration erlebte den Aufschwung der Wunderjahre und suchte die Wärme des Südens. Sie wollte die schlechte Zeit hinter sich lassen. Und Urlaub am Meer war für viele erstmals leistbar. Mit dem Auto oder dem Bus war die Küste schnell erreichbar. Doch damals war alles noch bescheiden. Die Leute übernachteten auf dem Campingplatz oder in einfachen Unterkünften. 

Warum fasziniert die sonnige Insel noch immer so viele Österreicher? Nostalgie? Eine Zeit lang haben sich die Leute ja geniert, in den oberen Adriaorten Urlaub zu machen. Doch fahren wieder viele Kinder der 1970er-Jahre, beflügelt von ihren Erinnerungen, mit ihren Familien her. 

Viele lieben die Natur in der Lagune. Wenige Minuten mit dem Boot eröffnet sich eine andere Welt. Die Lagune hat hundert Inseln und unzählige Kanäle. Diese wildroman­tische Gegend reicht fast bis Venedig. Das ­Naturerlebnis ist hier einfach fantastisch. Im Isonzo-Delta laufen wild weiße Camargue-­Pferde herum.

Wann ist die beste Reisezeit? Im Frühling und Herbst. Da ist Grado ein stilles Reich zwischen Wasser und Land. 

Blaguss-TIPP

Mit dem Adria Bäderbus. 

Vom 2. Juni bis zum 30. September pendelt der Bäderbus von Blaguss über Nacht zwischen Wien und der Oberen Adria (Grado, Lignano, 

Bibione, Caorle, Jesolo). Hinfahrten jeden Freitag, Rückfahrten jeden Samstag. Die Fahrten finden garantiert statt.

www.busserviceadria.at