Europa Aktuelle Ausgabe
Blick vom Dach der Oper auf Piräus
(c) Homolka

Hellas! Himmlisch!

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Ja, Schnee! - Zwei Stunden Autofahrt und man ist wahrhaftig im Winter angekommen
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Gute Aussicht - Kalithea heißt nicht nur so, unter Renzo Pianos Flugdach genießt man sie auch tatsächlich.
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GUTE REISE-Autor Martin Swoboda erklärt, warum sein Herz für Griechenland schlägt (weil man dort u. a. von den Skischuhen direkt in Flip-Flops wechseln kann)

Text: Martin Swoboda

Ich soll also erklären, warum Griechenland mein liebstes Urlaubsland ist. Natürlich weiß man in der Redaktion ganz genau, dass mein Herz an Hellas hängt. Aber was gibt’s da schon viel zu erklären? Wer würde nicht für die schönste Zeit des Jahres ein Ziel aussuchen, wo das Meer blau und sauber, die Geschichte endlos ist, und die Menschen im Handumdrehen zu Freunden werden?

Mehr Licht!

Viel zu offensichtlich, außerdem vage, also stelle ich mir selbst die Frage: Und wo bitte soll’s genau hingehen, wenn du dich entscheiden musst? Sie müssen jetzt stark sein, die Antwort lautet: Athen! Und zwar egal wann, sommers wie winters, zu Ostern sowieso, und erst im Herbst, wenn bei uns die Nebelschwaden das Gemüt trüben, während ich in Athen an einem schönen Nachmittag schnell an den Strand fahren und in die Fluten springen kann. Oder ich nehme die Metró und fahr‘ gleich bis Piräus. Dann liegt einem nämlich gleich die ganze Ägäis zu Füßen.

Der Reihe nach. Zum Erscheinungstermin des Heftes, welches Sie in Händen halten, geht gerade Athens Biennale ins Finale. Im Laufe der Zeit hat sie die Stadt, die über einen Mangel an Kultur ohnehin nicht klagen kann, regelmäßig mit künstlerischen Fragen zur Zeit versorgt. Und immer wieder auch passende Antworten geliefert oder provoziert.

Vor ein paar Jahren, auf dem Höhepunkt der sogenannten Griechenlandkrise gab es eine Intervention unter dem Titel „Before Light“. In der dunklen, engen Pittaki-Straße am Rande des Szeneviertels Psirri brachten Freunde und Anrainer alte Lampen vorbei, spannten Drähte über die Gasse und brachten so Licht ins triste Grau. War, als ich es sah, ein deutliches Signal, dass sich die Athener nicht unterkriegen lassen.

Dieser Optimismus auf Streetlevel hat sich inzwischen auch institutionell weithin sichtbar materialisiert, nach der Onassis Foundation mit diversen Projekten und Museen ist es das Stavros Niarchos Cultural Center, das eine neue Zeit einläutet. Unten am Küstenboulevard in Kalithea, was übrigens „Gute Aussicht“ bedeutet, bietet es, weithin sichtbar, der Athener Oper und der Nationalbibliothek eine neue Heimat. Und mit dem Café auf der Dachterrasse einen Aussichtspunkt, den man nicht versäumen sollte. Man genießt von dort nicht nur den Blick auf die Akropolis, sondern auch bis zu den Bergen und weit hinaus über den Sarronischen Golf, bis zu Peloponnes und Parnass.

Am Fuße des Parnass liegt Arachova, ein entzückendes Dorf. Oben in den Bergen gibt es 14 Lifte, die drei Täler zu einer echten Skischaukel machen. Besonders zu Ostern, wenn bei uns Wiener, Deutsche und Holländer die Liftschlangen bereichern, habe ich dort einsame Hänge genossen.

Okay, Sie werden wohl nicht extra deshalb den Flieger nach Athen nehmen, aber Sie könnten, und die verblüfften Gesichter beim Mietwagenschalter am Flughafen Athen, wenn man dort bei zwanzig Grad nach einem Auto mit Skiträgern fragt, sind schon ein ganz eigenes Vergnügen.

Wenn dann der Schnee am frühen Nachmittag zu weich wird, schlüpft man einfach in die Flip-Flops, fährt in weniger als einer Viertelstunde hinunter ans Meer und gönnt sich in der warmen Sonne gegrillte Sardinen, Patates und ein Küberl vom feinen Wein, da kann kein Kirchenwirt mithalten. Oder man kehrt in einer der zahlreichen Tavernen in den Bergen ein, wo junge Lämmer über offenem Feuer ihr Aroma so richtig entfalten können.

Deren verführerischer Duft durchzieht spätestens am Ostersonntag das ganze Land, flächendeckend, und auch in Athen rotieren ganze Tiere ab dem frühen Morgen. Und das nicht nur in einschlägigen Lokalen oder im Garten. Wenn’s gar nicht anders geht, stellt man halt einfach einen improvisierten Griller auf die Straße und macht mit den Nachbarn gemeinsame Sache. Das Lämmchen holt man in der Kreatagora auf der Athinas Straße, der zentralen Markthalle im Schatten der Akropolis, wo wohl auch schon Solon und Kleisthenes proviantieren ließen.

Auch der Marktalltag hat dort etwas Archaisches, streng getrennt brüllen im innersten Raum die Fisch-händler die Vorzüge ihrer Ware hinaus, rundherum preisen die Fleischer lauthals ihre Ware an, frische Bio-Ziegen aus Karpathos etwa. Und sind dann ganz baff, wenn ihnen ein Österreicher erklärt, dass die genau dort gar nicht mehr gehalten werden. 

Mit Ostern beginnt für den Griechen eigentlich schon der Sommer, es zieht ihn endgültig ans Meer. Die rund vier Millionen Nutzer des weiteren Athener Stadtgebiets mit seinen 58 Gemeinden haben es da  gut. Man kann natürlich auch mit der Straßenbahn an den Strand fahren, ich persönlich habe stets das Papaki, den Roller, bevorzugt. Und bin nach einer Viertelstunde spaßigen Kolonnenwedelns von den Klippen hinter dem Kap von Vouliagmeni gesprungen, erst mal drin im klaren Blau deutet nichts mehr auf 

die nahe Millionenstadt hin. Oder ich bin, zumal am Wochenende, gleich hinunter zum Piräus, habe mir eine von den Dutzenden Inseln im Umkreis ausgesucht, von Ägina über das autofreie Hydra bis zu den Kykladen ist da garantiert für jeden etwas dabei. Innerhalb kürzester Zeit hat man dann den Rummel der Stadt hinter sich gelassen und kann sämtliche griechischen Urlaubs-klischees ungestört genießen. Als Tourist sowieso, als Athener immerhin bis Montag früh.

Gute Tipps

Allgemeine Reiseinformationen: 

discovergreece.com: für allgemeine Reiseinformationen zu Griechenland – dies ist das einzige komplett deutschsprachige Portal zu Urlaub in Griechenland.
www.discovergreece.com


Wohnen: 

Wyndham Grand Hotel Athens: Zentral gelegen in Athens historischem Zentrum in unmittelbarer Nähe zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Theatern, Museen sowie Bars und Restaurants.
www.wyndhamhotels.com

New Hotels: Ziemlich künstlerisch  ist dieses Haus designt, dazu  liegt es noch besonders günstig in der Nähe von Akropolis, Plaka  und Syntagmaplatz.
yeshotels.gr/hotel/new-hotel

Orion & Dryades: Die beiden Häuser thronen auf dem Streffi-Hügel über dem Szene- und Studentenviertel Exarchia. Traumhafter Ausblick.
orion-dryades.com


Essen

Atlantikos: Kreative Fischtaverne in Psirri; Avliton 7, Psirri,
+30 210 30 33 08 50
google map: goo.gl/maps/LcLpXmaT9xk

Sushimou: Der Physiker Antonis Drakoularakos hat es auf die Liste der 100 weltbesten Chefs geschafft, zu Recht, den letzten Schliff hat er sich auf der Sushi Akademie in Tokio geholt; Skoufon 6, Syntagma
+30 210 14 07 84 57
sushimou.gr

Café Avissinia: Mitten im Flohmarkt von Monastiraki liegt diese Insel alten Athener Stils, am besten Samstag nachmittags, vielleicht singt die Chefin;
Kinetou 7, Monastiraki,
+30 210 321 70 47
google map: goo.gl/maps/bxBBHLaytav


Verkehr:

Noch mehr als bei uns dominiert in Griechenland die Hauptstadt das Land, dementsprechend dicht sind die Verkehrsverbindungen geknüpft. Man kann täglich nach Athen fliegen und noch öfter weiter auf die Inseln und in die größeren Städte. In Piräus legen sowieso ständig Schiffe jeder Größe nach den Inseln ab, mittlerweile fahren sogar schnelle Züge durch das Land!