Europa
Die Jungfrau mit der Möwe ist das Symbol der Region Istrien. © iStockphoto

Imperialer Ausflug

Reisen wie zu Kaisers Zeiten: mit dem Luxuszug an die Istrische Riviera, wo einst Reich und Schön den neugierigen Blicken für eine Weile entfliehen konnten.

Text: Martin Swoboda

Edle Grandhotels, prächtige Jugendstilvillen und schmucke Parks: Das schöne Opatija an der Adria erinnert noch immer an den mondänen Kurort Abbazia. Der war einst beliebter Zufluchtsort der hochwohlgeborenen Herrschaften aus Wien, Prag und Budapest. Die nahmen hier an der Adriaküste etwas Auszeit von den Härten des Alltags. Für die bequeme Anreise nutzte die elitäre Oberschicht der österreichischen Monarchie die neueste Hightech-Errungenschaft: den Zug! Baron Simon von Sina hatte den Anstoß für die Eisenbahnstrecke gegeben, die Familie Rothschild das Kapital für den Ausbau bereitgestellt. Das Kaiserhaus in Wien sah das Vorhaben mit Wohlwollen: Es hatte stets ein strategisches Interesse am flotten Transport an die Häfen von Triest, St. Veit am Flaum bzw. Fiume (Rijeka) und Pula. 

Angesichts des in der Sonne funkelnden Meeres war den hohen Herren vor Ort allerdings rasch klar, dass man die Schienen nicht nur für Armee und Marine legen sollte. Man nahm sich ein Beispiel an Igenio Scarpa. Der Kaufmann aus Rijeka hatte mit dem Bau der wunderschön gelegenen Villa Angiolina das Tor zum Tourismus an der Istrischen Riviera aufgestoßen und den Grundstein für den prachtvollen Kurort Abbazia gelegt. 

Zeitreise im noblen Salonwagen

Ich reise mit dem Majestic Imperator Train de Luxe von Wien nach Opatija (auf Italienisch Abbazia, zu Deutsch Sankt Jakobian). Mit seiner Atmosphäre und dem gediegenen Luxus lädt er zu einer Zeitreise in eine längst vergangene Epoche ein. Kleiner Unterschied zu damals: Die Lok speit keine Rauchwolken mehr aus, heute hat sie einen modernen Motor. Beim Einsteigen ist der rote Teppich für die Gäste ausgerollt, um mein Gepäck kümmert sich freundlich ein livrierter Zugbegleiter. Im edlen Salonwagen werden das exklusive Frühstück und auch das Dinner serviert. Sogar dem Laster des Zigarrenrauchens darf ich hier frönen. Natürlich in einem eigenen Abteil am Ende des imperialen Zugs. 

Dort treffe ich Gottfried Rieck, den Initiator dieser historischen Luxusreise. Er ist verrückt nach Eisenbahnzügen. Vielleicht, weil er im Stellwerk des Bahnhofs Penzing aufgewachsen ist. Der Wiener hat einst gegen den Willen seiner Mutter die Lehre zum Lokomotivführer gemacht. 

Für den kaiserlichen Salonzug hat Gottfried Rieck das entsprechende rollende Gut in der damals sozialistischen Tschechoslowakei bauen lassen. Seit 2013 ist der k.u.k. Hofsalonzug zu exklusiven Touren in schönster Eisenbahnromantik europaweit im Einsatz. Der Zug lässt sich auch mieten. So wie dies die Familie Holleis gemacht hat, um ihre anspruchsvollsten Gäste auf ein paar Tage nach Opatija ins noble Hotel Miramar zu entführen.

 

 

Opatija. © iStockphoto

 

Kulinarische Entdeckungen

Wobei: So eine Entführung lässt man sich gerne gefallen! Und versteht sogleich, warum der Kaiser seine Kati Schratt dort gerne getroffen hat. So wie Sisi ihren Andrássy. Die Gräfin Henckel von Donnersmarck erstand gleich die als Urlaubsdomizil errichtete Villa Meyne. Sie ließ sie nach Vorbild des Schlosses Miramar in Triest romantisch umgestalten. Ein beheiztes Schwimmbad, so wie heute, hatte sie noch nicht. Eine standesgemäße Bootsanlegestelle hingegen schon. Die Gräfin konnte schon damals auf dem Lungomare, der zwölf Kilometer langen Uferpromenade, zu den Sanatorien lustwandeln – ein auch heute noch empfehlenswerter Zeitvertreib. Dabei wechseln Bilder von Wellen, Wolken, den Gipfeln von Velebit, Učka und der Insel Cres. Am Horizont gleiten Frachtschiffe auf den Hafen von Rijeka zu, das während der k. & k. Monarchie St. Veit am Flaum hieß. Der Spaziergang macht mir Lust auf einen Abstecher in die Gastronomie von Istrien. Da haben die Italiener gute Wiederaufbauarbeit geleistet. Und auch die Kroaten, die das Meer lieben, sind nicht gewillt, trockengegrillte Faserfische zu tolerieren. So gibt es an sonnigen Nachmittagen, erst recht am Wochenende, in Volosko nur mit Geduld ein schönes Platzerl in einem der Meeresfrüchtetempel. Über Plavi podrum, den „Blauen Keller“, wacht seit 18 Jahren Sommelière Daniela Kramarić. Sie weiß auch, welche Weine sich mit zart angebratenen Jakobsmuscheln auf Apfelcreme verstehen. Man könnte auch nebenan im Le Mandrac eine Fritaja, eine traditionelle Eierspeis, probieren. Vor allem, wenn der Wildspargel Saison hat, der sich sehr gut zu den winzigen Shrimps macht. Oder man verzichtet auf den Platz in der ersten Reihe am Hafen und frönt unter historischem Steingewölbe in der Konoba Tramerka traditionell istrischer Kost.

Ähnlich darf man sich auch die Wanderung in südlicher Richtung vorstellen, die Lokale heißen dann halt Bevanda, Dopolavoro oder Bistro Bellavista. Ach, hätte ich schon seinerzeit hier gekurt! Dann könnte ich mir den langen Marsch zurück ins Miramar sparen und stattdessen die Tramway nehmen, die noch bis 1933 an der Küste verkehrte. 

Erste Pläne, diesen Service mit Dampfloks zu betreiben, vereitelten damals die Hotelbesitzer. Später wurde ein 120-PS-Dieselaggregat zur Stromerzeugung in Punta Kolova dezent hinter der Promenade versteckt. Ab 1908 fuhr sie elek-trisch. Und zwar von Lovran über Opatija bis hinauf nach Matulji. Dort, wo der Imperial Train De Luxe auf mich wartet, um mich wieder standesgemäß heim in die ferne Residenzstadt Wien zu bringen. Ich kann nur mit den Worten des Kaisers Franz Joseph zufrieden feststellen: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut …“  

majestic-train.com

INSIDERTIPPS:

Essen

Bistro Bellavista. Das Lokal in Lovran macht seinem Namen Ehre, schöne Aussicht, auch auf das Fischerboot mit dem frischen Fang. Und wegen der Preise kommen auch die Einheimischen gerne! Stari Grad 22, Tel. +385 51 294461.

Strandleben

Angiolina. So heißt nicht nur die erste Villa Abbazias, auch der neueste Beachclub nennt sich so. Beste Bar, coolste Disco, edelster Strandclub! facebook.com/AngiolinaOpatija/

Gipfelsturm

Ausblick. Das Haus sieht aus wie von der Rax transplantiert, die Küche ist allerdings deutlich mediterraner. Grandiose Risotti, geräucherte Dorade mit Orangen-Olivenöl-Emulsion, fantastischer Weinkeller. Und Ausblick über den ganzen Kvarner! dragadilovrana.hr