Europa
© Helmut Widmann

Insel aus Sand und Stein

Karg, spartanisch und bizarr zeigt sich die Landschaft von Fuerteventura. Dafür bieten die Kanaren das ganze Jahr über Sonnengarantie und die schönsten Strände Europas.

Text: Helmut Widmann

F rüher war alles anders, auch auf Fuerteventura. "Kornkammer der Kanaren" wurde einst die Insel dank ihrer Weizenfelder genannt. Doch der Klimawandel hat in den letzten Jahrhunderten auch auf diesem Eiland, rund neunzig Kilometer vor dem afrikanischen Festland, gnadenlos zugeschlagen. Heute präsentiert sich Fuerteventura als Wüsten- und Vulkaninsel. Statt saftigem Grün dominieren Gelb, Beige und Braun die Farbenwelt der bizarren Landschaften, die immer mehr Besucher in ihren Bann ziehen.

Selbst Hollywood hat daran Gefallen gefunden. So drehte der britische Regisseur Ridley Scott vor wenigen Jahren hier den Blockbuster "Exodus" und versetzte die Wüste Sinai und den Auszug des israelischen Volkes aus Ägypten mit starken Bildern in den Atlantik. Wer mit Inselbewohnern ins Plaudern kommt, hört noch heute das stolze Schwärmen über dieses aufwendige Kinoprojekt, bei dem das Casting der heimischen Komparsen die Filmcrew angeblich in eine mittlere Verzweiflung gestürzt hatte. Denn fast alle der jungen, willigen Kandidaten waren wild gepierct - natürlich ein No-Go im Fall eines detailgetreuen Historienschinkens. Aber keine Angst: Die rund 100.000 Einwohner Fuerteventuras heißen zu Recht "Majoreros", was aus dem Spanischen übersetzt "gutmütig und frei" bedeutet.

Auf der Bergpiste von Ost nach West

Wild aber ist ihr Land und dessen Landschaften. Wer das große Schauspiel erleben will, der fährt am besten ganz in den Süden der Insel. Entlang der Ostküste der Halbinsel Jandía liegt ein schöner Strand nach dem anderen, thronen die beliebten Hotels wie das TUI Magic Life auf der Steilküste oder entlang einer mit Shops flankierten Flaniermeile. Zentrum der Region ist Morro Jable, einst ein einsames Fischerdörfchen, heute eine wachsende Urlaubs- und Hafenstadt, von der aus die Fähren nach Gran Canaria ablegen. Der kleine Hafen ist mit einer Aufzuchtstation für Schildkröten auch beliebtes Ausflugsziel für Meeres- und Naturfreunde.

Die wahre Attraktion findet man aber im Hafenbecken, wo sich direkt an der Mole vor den Augen von Schaulustigen mehrere groß gewachsene Stachelrochen tummeln. Ihr sanftes Dahinschweben unter Wasser begleitet einen noch im Geiste, wenn man schon längst im Auto sitzt und sich auf den Weg in die Wildnis macht. Gleich nach Morro Jable ist es aus mit Asphalt, Mittelstreifen und Leitplanken. Dann geht es nur mehr über Sand- und Schotterpisten durch eine Landschaft, die dem Mond entlehnt zu sein scheint. Entweder wählt man den Weg ganz an die Spitze mit dem Leuchtturm, an dessen felsigem Ufer die Brandung tobt. Oder man lenkt das Auto rechts gen Westen zur anderen, noch wilderen Küste. Serpentine um Serpentine geht es bergan, im Blick stets den Pico de la Zarca, den mit 804 Metern höchsten Berg Fuerteventuras.

Nach der x-ten Kurve ist es so weit: Die Westküste von Cofete liegt einem quasi zu Füßen, ein unvergleichliches Szenario aus schroffen Felsen, dahinter braunem Ödland und schließlich gelb gesäumten Stränden, an die schaumumtoste Wellenberge schlagen. Diese und die starken Unterströmungen empfehlen beim Abkühlen im Atlantik große Vorsicht - das Naturerlebnis ist der Trip aber allemal wert.

Surfer, Sand und Superwellen

Fuerteventura gilt aber auch als wahres Paradies für Wassersportler. Weil nur die besten Bedingungen die richtigen sind, lohnt sich der hundert Kilometer lange Weg vom tiefsten Süden in den höchsten Norden der Insel. Die Strände von Corralejo und El Cotillo genießen nämlich den Ruf, Europas Mekka für Wellenreiter sowie Wind- und Kite-Surfer zu sein, und ziehen Sportler aus der ganzen Welt an. Speziell die drei Kilometer breite Meerenge zwischen Fuerteventura und der vorgelagerten, unbewohnten Insel Lobos bietet ideale Trainingsbedingungen.

Der Winddruck wird dort so stark, dass sich das Meer bis zu sechs Meter hoch auftürmt. Die perfekte Welle. Wer diese mit seinem Board bezwingt und sich nicht abschütteln lässt, braucht vor nichts mehr Angst zu haben. Wem das Kräftespiel mit den Naturgewalten des Meeres aber zu wagemutig ist, auf den wartet ein anderes Paradies: das Dünengebiet von El Jable gleich bei Corralejo. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich acht Kilometer die Küste entlang, nimmt eine Fläche von rund 24 Quadratkilometern ein und besteht aus Sand, Sand und nochmals Sand, weiter als das Auge reicht. Und die Wanderdünen können einem schon mal in die Quere kommen, wenn man die Straße Richtung Landesinnere nimmt.

Alte Städte, einfache Genüsse

Denn keiner hält das Paradies ewig aus - oder das natürliche Sandpeeling dank des ausdauernden Windes am Strand. Auch wenn Fuerteventura nicht ein Übermaß an historischen und kulturellen Schätzen aufzuweisen hat, wie etwa die Baleareninsel Mallorca, so bieten Ausflüge ins Hinterland doch einen Einblick in ein Insel-leben abseits des Tourismus, zum Beispiel die -ehemaligen Inselhauptstädte Betancuria, La Oliva oder Antigua. Und Besuche des Salz- oder des Käsemuseums bringen einem die Genusswelt Fuerteventuras nahe. Wie die Landschaft, so ist auch die Küche der Insel karg und einfach. Aber authentisch und regional.

Die Landwirtschaft ist fast nicht existent, nur Tomaten und Kartoffeln, die als "Papas arrugadas" klein, runzelig und mit einer leichten Salzschicht auf den Teller kommen.Oder die Ziege, die nicht nur als Wahrzeichen Fuerteventuras gilt. Ihr Fleisch und ihr Käse sind die einzigen tierischen Produkte, die direkt von der Insel stammen und deshalb in jedem Lokal - die Tradition hochhaltend - auf der Speisekarte zu finden sind. Aber die Majoreros sind auch erfinderisch und pflanzen Aloe vera nicht nur, um sie in Elixiere für Schönheits- und Wohlfühltinktürchen zu verwandeln. Gerade testen Bauern und Genießer ein aus Aloe-vera-Extrakten gewonnenes Bier. Salud!

visitfuerteventura.es/de

GUTE TIPPS:

Fliegen

Gute Verbindungen. Im Winter fliegt NIKI (ab Wien und Salzburg), Eurowings (2 x ab Wien und ab 15. Jänner 2018 auch ab Salzburg) und Austrian Airlines (immer samstags ab Wien) nach Fuerteventura.

Wohnen

Magic Life Fuerte­ventura. Die kilometerlange, naturbelassene Playa de Esquinzo zählt zu den schönsten Stränden im Süden von Fuerteventura. Erhaben auf einer 20 Meter hohen Klippe gelegen, thront das Hotel Magic Life mit einer prächtigen Aussicht auf das Meer. Der Club besticht durch ein umfangreiches Wellness- und Sport­programm und ist mit seinem All-inclusive-Angebot speziell bei Familien beliebt. Aber das Magic Life punktet auch mit einer Adults only Area in der Private Lodge mit eigenem Whirlpool und Panoramapool.

magiclife.com/de/de/cluburlaub/spanien/fuerteventura

Buchen

Gute Angebote. Infos und Buchung in jedem guten Reisebüro und auf tui.at/tui-magic-life. Serviceline: 0800 40 02 02 (Mo–Fr 8–21 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr). 

 

Fuerteventura für Entdecker

Sonni Hönscheid (36) ist zwölffache Deutsche Meisterin im Wellenreiten und zweifache Weltmeisterin im Stand-up Paddling (SUP). 

Neben Sylt und Hawaii ist Fuerteventura für die Sportlerin eine von drei Heimaten. Sonni Hönscheid kennt vor allem den Norden der Insel wie ihre Westentasche und verrät unseren Lesern, was man nicht versäumen sollte.
 

GUTE REISE gab Sonni Hönscheid ein paar heiße Insidertipps.

INSIDERTIPPS:

Vulkan von Calderón

„Ich liebe es, auf den Berg zwischen Corralejo und Lajares zu wandern oder zu rennen, am liebsten bei Sonnen­untergang. Sogar mit einem Kamel kann man die Gegend erkunden ;-) Auf dem Weg nach ­Corralejo kommt man an ­einem kleinen Dorf vorbei und an einer Ziegenfarm, echt sehenswert!“

Vegan in Corralejo

„Als Sportlerin versuche ich auf meine Ernährung zu achten. Das Restaurant Baobab ist ein veganes Lokal, perfekt nach dem Surfen oder Paddeln. Tolle Gerichte und leckere Smoothies.“

Lagune auf Lobos

„Sie ist neben dem Hafen der kleinen Insel, die Fuerte vorgelagert ist. Ich paddle oft mit dem Stand-up Board in diese Bucht, da sie so besonders ist: kristallblaues Wasser!! Ein Traum!!“

North Shore Surfshop

 „Unser Shop war der erste in Lajares, das mittlerweile zur Surf City der Insel wurde. Ein Muss für jeden Wassersportler, da mal vorbeizuschauen.“ 

northshore-fuerteventura.com