Kultur

Kunst-Paradies

© Sandro Botticelli [Public domain], via Wikimedia Commons

Als erster ausländischer Kunsthistoriker leitet Eike Schmidt die Uffizien. Im Interview verrät der Deutsche, was ihn an dem legendären Museum begeistert, warum er Florenz liebt und wann die beste Zeit für eine Visite ist.

Text: Alexis Wiklund

Die Uffizien in Florenz umfassen einzigartige Werke von Leonardo, Botticelli, Giotto und Caravaggio. Das Museum ist aus einer privaten Sammlung der Medici-Familie entstanden. Es war 1769 als eines der ersten Museen der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Heute kommen 3,4 Millionen Besucher pro Jahr, um die Uffizien, den dazugehörigen Palazzo Pitti und die Boboli-Gärten zu besichtigen. Ein Luxusproblem, das die Universität von L'Aquila untersuchte. Die Jahreskarte für alle drei Museen um 70 Euro hat Direktor Eike Schmidt bereits eingeführt. Damit ist es mit dem Schlangestehen endlich vorbei. Eike Schmidt hat die Uffizien auch für Tanz, Theater und Musik geöffnet und damit die Besucherzahlen seit einem halben Jahr fast verdoppelt - jedoch in den Abendstunden.

Veränderungen

Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie die Depots der Uffizien zum ersten Mal besichtigten?
Dass einige der wertvollsten Bilder fehlten! Tausende Werke der Uffizien waren ausgeliehen, etwa an italienische Amtsstuben und Ministerien sowie Botschaften in der ganzen Welt.

Verblüfft dürfte Sie auch haben, dass Ihr Museum nie eine Website hatte. Haben Sie das Problem gelöst?

Ja. Seit Oktober haben wir jetzt eine eigene. Als ich 2015 die Leitung des Museums übernahm, waren alle Domains, die den Namen Uffizien tragen, vergeben. Wir haben eine erworben. Für www.uffizi.it haben wir Logo und Grafik des Museums patentieren lassen. Das hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Doch jetzt können sich Reiseunternehmen und sekundäre Ticketverkäufer nicht mehr fälschlich für uns ausgeben.

Was haben Sie verändert, damit Ihre Schätze wie Botticellis "Geburt der Venus" besser zu bewundern sind?
Wir haben die Anordnung der Kunstwerke im Saal komplett verändert. Das verstärkt ihre Wirkung und erleichtert Betrachtern den Vergleich untereinander ungemein. Der Botticelli-Saal war erst der Anfang, denn wir haben insgesamt über hundert Schauräume.

Und was noch?

Wir setzen auf neueste Materialtechnik. Das Schlimmste, was einem Kunstwerk passieren kann, ist, dass es täglich Zehntausende Besucher anhauchen. Jetzt ist egal, wie viele davorstehen, auch im Sommer. Außerdem brauchen sich Besucher nicht mehr über physische Sicherheitsbarrieren beugen, wenn sie die Details eines Werkes bewundern wollen. 

Welche sind Ihre drei größten Schätze?

Der "Tondo Doni" von Michelangelo, die viel weniger bekannte antike Medici-Vase und von Leonardo da Vinci die "Anbetung der Könige aus dem Morgenland".

Sie machen noch selbst Führungen. Warum?

Nur so verliert man nie die Bodenhaftung. Die Begegnung mit dem Publikum ist das A und O und ergibt neue Anregungen.

Gibt es in den Uffizien Pokémons?

Es gab sie! Doch die Mode war kurzlebiger, als ich es für möglich gehalten habe.

Ab 2019 leiten Sie in Wien das Kunsthistorische Museum. Was wollen Sie bis dahin in Florenz noch verändern?

Ich hoffe, den Vasarikorridor, der die -Uffizien über den Ponte Vecchio mit dem Pittipalast verbindet, für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch das Karossen-Museum möchte ich eröffnen. Und das Wiener Kaffeehaus, das einst unter Peter Leopold, Großherzog der Toskana, im Boboli-Garten errichtet wurde, soll restauriert wieder seine alten Pforten aufmachen.

Auf dem nördlichen Rondo des Palazzo Pitti baut das Museum ein neues Restaurant?

Ja. Seine Terrasse wird einen wunderbaren Blick über Florenz erlauben. Doch das dürfte erst nach meiner Abreise fertig werden. Wir haben den Ort bereits für Sponsoren-Events genutzt. Dieser soll aber für alle zugänglich sein.

Sie haben einst in Florenz studiert. Wo essen Sie heute noch gerne?

Im Stadtteil Oltrarno am linken Ufer des Arno. Dort herrscht eine enorme Dichte an herausragenden, authentischen Lokalen und Restaurants für jeden Geldbeutel.

Was begeistert Sie an Florenz?

Es ist ein Zentrum des kulturellen Austausches.Trotz der enormen Touristenmassen ist die Stadt voller Leben.

Was muss man in Florenz gesehen haben?

Unbedingt das Museum von San Marco. Das erleichtert das Verständnis für den Beginn der Renaissance und der Medici. Und den Tesoro dei Granduchi im Palazzo Pitti. Das ist die eigentliche Schatzkammer der Medici.

Wann ist die beste Reisezeit?

Zwischen November und Februar. Da herrscht kein Gedränge. Auch in den Uffizien nicht.

uffizi.it

Eike Schmidt

Noch bis 2019 ist er Direktor der Uffizien, dann wird er das Kunsthistorische Museum in Wien ­leiten. Der Kunstexperte, der bestens Italienisch spricht, schrieb seine Dissertation einst in Florenz über das Elfenbein der Medici. Der Deutsche ­arbeitete zuvor an der National Gallery in ­Washington, dem Getty in Los Angeles und am Minneapolis Institute of Arts.