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Malta: Insel der Kreuzritter

Der maltesische Archipel besteht aus nur drei bewohnten Inseln und ist reich an Geschichte und Geschichten. Anlässlich der Rolle von Valletta als Europäische Kulturhauptstadt spielt das Inselreich all seine Karten aus.

Text: Martin Swoboda

Das maltesische Inselreich ist winzig, um einiges kleiner als Wien. Das erkennt man schon, wenn sich das Flugzeug anschickt, zwischen den vielen Kuppeln die kurze Landebahn zu finden. Von Weitem kann man auch sehen, wie wichtig den Maltesern von jeher ihr Glaube war. Die Skyline Vallettas zeichnen Kirchtürme in den blauen Himmel, dominiert von der Kuppel der Basilica Our Lady of Mount Carmel.

Die Religion kam mit der katholischen Ordensgemeinschaft der Johanniter. Von den Heerscharen der Osmanen aus dem Heiligen Land, Rhodos und Zypern verjagt, boten ihnen die christlichen Herrscher Europas den Archipel im Mittelmeer als Zufluchtsort an. Seither nennt sich der ehemalige Kreuzritterorden Malteser. Auf der schmalen felsigen Halbinsel Sciberras liegt Valletta, die Stadt der Paläste. Einst war sie eine uneinnehmbare Festung aus Mauern und Bastionen. Dahinter erstreckt sich ein Häusermeer, das in modernem Schachbrettmuster angelegt ist.

Im Zentrum liegt der Bischofssitz. Seine Exzellenz residiert gleich bei der St. John's Co-Cathedral. Dort kann er beim Kirchgang das Meisterwerk "Die Enthauptung Johannes des Täufers" des genialen italienischen Malers Caravaggio betrachten. Das "Co" im Namen des Gotteshauses rührt übrigens daher, dass die ursprüngliche Hauptstadt von Malta, Mdina, im Landesinneren lag. Sehenswert ist auch das Hypogäum von Ħal-Saflieni, ein fast vollständig erhaltenes Bauwerk aus der Jungsteinzeit. Der unter der Erde liegende Tempel diente von 3800 bis 2500 vor Christus der Bestattung der Leichname. Archäologen fanden Skelette von rund 700 Toten.

Die Anlage wurde mit einfachen Werkzeugen aus Stein geschlagen, und die Wände wurden mit Farbe verziert. Bei der einstündigen Führung sind nur bis zu zehn Personen zugelassen. Eintrittskarten unbedingt im Voraus reservieren. Das einzigartige UNESCO-Welterbe liegt wenige Kilometer von Valletta beim Städtchen Paola.

Köstliche Meeresfrüchte. © iStockphoto

Playmobil und Popeye

Gleich in der Nähe, an der Straße von Valletta nach Żejtun, befindet sich inmitten moderner Bebauung der neusteinzeitliche Tempel von Tarxien. Die Überreste der größten maltesischen Tempelanlage wurden erst 1913 von Bauern entdeckt. Es empfiehlt sich eine Führung, um die Geheimnisse der faszinierenden Stätte zu erkunden. Zeitlich und kulturell am anderen Ende des menschlichen Spektrums angesiedelt ist der Playmobil-Funpark. Das Fort liegt zwischen Industriehallen und Parkplätzen und gibt Einblick in die Produktion der Plastikmännchen. Die Kinder können hier auch mit den verschiedenen Figuren spielen und dabei in die Themenwelten rund um Ritter, Piraten, Indianer und Prinzessinnen eintauchen. Eine malerische Attraktion für die ganze Familie ist das Dorf der amerikanischen Comic-Figur Popeye, dem der Spinat aus der Dose gewaltige Kräfte verleiht. Der Regisseur Robert Altman ließ 1979 in der sogenannten Ankerbucht die Kulisse für eine Verfilmung errichten. Das bunte Dorf steht noch immer.

Unterwasserattraktion für Touristen: das Wrack der Rozi. © iStockphoto

Hollywood im Mittelmeer

Für Cineasten und Action-Film-Fans noch interessanter sind die Malta Film Studios. Sie sind auf Über- und Unterwassereffekte spezialisiert. Für die Filme "Casino Royal", "Troja" sowie "Wickie und die starken Männer" wurden deren technische Möglichkeiten genutzt. Wenn es um Szenen mit Wasser geht, kommt kein Produzent an dieser Anlage vorbei. Kenner werden auf der Müllhalde sogar noch die Reste verschieden großer Titanic- Modelle, Beck's Bier-Segler oder das Maul von Moby Dick erkennen.

Und wenn die BBC das Leben Jesu verfilmt, geht dessen Darsteller tatsächlich übers Wasser! Auch um tiefer in die Materie Wasser einzutauchen, ist Malta der richtige Ort. Denn unzählige Schiffe haben es nicht geschafft, den diversen Untiefen oder gar Torpedos auszuweichen. Sie dienen nun als malerische Dive Spots. Netterweise liegen sie in sämtlichen Tiefen.

Vom Schnorchler bis zum Master kriegt da jeder etwas zu -sehen. Darüber hinaus ziehen zahlreiche Riffe nicht nur Taucher, sondern auch Fischschwärme an. Und wegen der fehlenden Flüsse auf der Insel gibt es auch kaum Schwebestoffe im Wasser - also stets klare Sicht. Außer es stürmt so heftig wie im vergangenen März. Da ist eine der berühmtesten Naturschönheiten Maltas, das natürlich entstandene Felsentor Azure Window auf der Insel Gozo, eingestürzt.

Wer es unversehrt bewundern möchte, muss sich die Serie "Game of Thrones" anschauen. Dort war es Schauplatz einer Hochzeit. Wer die Serie kennt, wird sich gleich auf Malta heimisch fühlen. Gozo ist berühmt für seine Strände an der Ramla Bay, Ħondoq ir-Rummien oder Dwejra Bay.

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Rund 400 Events geplant

Kurze Wege, Englisch als Verkehrssprache, spektakuläre Naturschönheiten, einzigartige Architektur und viele Kulturdenkmäler: Das zeichnet Malta aus. Sie werden heuer noch mehr gewürdigt. Schließlich ist Valletta die Europäische Kulturhauptstadt 2018. Nicht nur die Stadt, der gesamte Archipel darf sich über vielfältige kulturelle Aktivitäten freuen: Das Feuerwerkfestival Anfang Mai ist ein Megaspektakel. Theater, Tanz und Musik gibt es beim Malta Arts Festival im Juli. Das Meiste finden im Freien statt.

Und während der "Notte Bianca" im Oktober verwandelt sich Valletta in ein riesiges Kultur- und Kunstgelände. Der Zutritt zu den Museen, Palästen, Kirchen und vielen anderen historischen Gebäuden ist kostenlos. Lauter gute Gründe, Malta noch in diesem Jahr einen Besuch abzustatten, auch wenn man hier nicht gerade einen Film drehen will! visitmalta.com

GUTE TIPPS:

Luxushotel

Corinthia Palace, Attard. Das Hotel liegt nur vier Kilometer von der ummauerte Stadt Mdina entfernt. Das 1968 vom Duke of Edinburgh persönlich eröffnete Luxushotel erfreut mit dezentem Charme und bestem Service. Es bietet kostenlosen abendlichen Shuttleservice nach St. Julian’s.

corinthia.com

Fischerdorf

Marsaxlokk. Wie gemalt sieht der kleine Ort vom Wasser aus betrachtet aus. Jeden Sonntag in der Früh gibt es beim Fischmarkt den Reichtum des Meeres auf Eis gebettet zu bewundern. Handeln ist dabei erlaubt, es geht immer billiger. Ein Spektakel, das viele Touristen anlockt.

cityofvalletta.org

Baden

St. Peter’s Pool. Der natürliche Swimmingpool im Meer mit dem türkisfarbenen Wasser liegt auf dem Weg zur Marsaxlokk Bay.

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Insel-Ausblick

Upper Barrakka Gardens. Die Anlage oberhalb des Hafens ist eine der wenigen Grünanlagen Maltas. Von hier hat man den besten Überblick über die Insel.Über die St. Ursula Street erfolgt der Zugang.

alutingbattery.com