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Marc Raabe: Mein Köln

Der Krimi-Autor und Fernsehproduzent Marc Raabe lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Köln-Braunsfeld. Er liebt die Offenheit und Kreativität der Stadt am Rhein.

Text: Alexis Wiklund

Was gefällt Ihnen an Köln?
Kölns gute Laune und Offenheit. Und der Dom, über den ich auch als Kölner immer wieder neu staune. Sein Bau verschlang damals astronomische Summen. Umgerechnet ist er vermutlich das teuerste Bauwerk Deutschlands - nach heutigen Maßstäben ein unmögliches Projekt, aber von unglaublicher Schönheit. Zwischen den Säulen zu stehen und nach oben zu schauen, lässt mich innehalten.

Welcher ist Ihr liebster Platz?

Zum einen das Café Balthasar - für mich der perfekte Platz zum Schreiben, gegenüber der Bar, vor mir ein italienischer Espresso. Zum anderen gibt es eine Treppe hinter dem Museum Ludwig, die hinunter zum Rhein führt. Am oberen Ende gibt es eine lange, abseits liegende Steinbank mit Blick auf den Fluss, die Deutzer Brücke, den Bahnhof - und im Rücken erhebt sich der Dom mit dem modernen Museum Ludwig davor. Mehr Köln auf einen Blick geht nicht.

Was nervt Sie am meisten an Köln?

Der Verkehr ist schrecklich, vor allem um Köln herum. Und mich nervt, dass am Rudolfplatz nach dem Krieg die wunderschöne alte Kölner Oper abgerissen wurde. Ich kenne sie leider nur von Fotos. Heute steht dort ein Hotelbunker - ein trauriges Symbol für die Fehler, die beim Wiederaufbau der Rheinmetropole gemacht wurden.

Wie ist der Charakter der Kölner?

Köln ist wahnsinnig tolerant. Eine Stadt, in der jedem fast alles verziehen wird, außer vielleicht, man ist Düsseldorfer. Der Kölner an sich hat nie verwunden, dass die Nachbarstadt es zur Landeshauptstadt gebracht hat. Aber im Zweifel wird auch das mit Humor gesehen. Die Kölner haben ein weites, fröhliches Herz, nicht nur im Karneval.

Was gibt es nur in Köln?

Da gibt's nur eine Antwort: Karneval. Mit allen Licht- und Schattenseiten eine unglaubliche Veranstaltung, die Köln zum Lebensmotto erhoben hat. In Köln ist sogar Fußball Karneval.

Welchen Geruch verbinden Sie mit der Stadt?

Köln hat für mich den Geruch von Kreativität - sofern man das riechen kann. Aber für mich ist es, als ob die Stadt davon durchdrungen wäre. Und diese Kreativität geht einher mit der Leichtigkeit, die die Kölner an den Tag legen. Sogar das Bier ist hier leicht. Kölsch eben.

Wie hat sich die Stadt in den letzten 20 Jahren verändert?

Köln ist nachhaltig zur Medienstadt geworden. Aber besonders interessant finde ich, was im Moment passiert: die Entwicklung der "Schäl Sick". Das, was früher die falsche Seite des Rheins war, mausert sich gerade zu einem kommenden Stadtviertel. Und in meinen Augen wächst Köln damit zusammen. Der Fluss liegt plötzlich in der Mitte der Stadt und nicht mehr am Rand.

Wann ist Köln für Sie am schönsten?

Im Winter zur Weihnachtszeit. Die Kölner Weihnachtsmärkte haben etwas Zauberhaftes, gerade der am Dom. Und ich liebe das Frühjahr in Köln, wenn die Luft noch frisch ist und der riesige Stadtwald grün wird und zum Laufen einlädt.

Was ist typisch für Köln?

Um das zu sagen, bin ich vielleicht zu sehr Kölner. Mich würde interessieren, was dazu eine kleine Umfrage auf der Domplatte ergeben würde. Der Dom? Der Karneval? Das Kölsch? Die leichte Lebensart?

Wo gibt es das beste Kölsch?

Das beste Kölsch gibt es an der Theke einer der alten Eckkneipen, gewürzt mit einem guten Gespräch - hatte ich erst neulich, als ich bei einem Regenguss unterkriechen musste. Ein weit gereister Wirt, ein alternativer Intellektueller und ein betrunkener Dachdecker. Ich mittendrin - und dann über Fußball und Weltpolitik diskutieren.