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Mein München

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Bestseller-Autor Friedrich Ani ist längst Kult. Seine „Tabor Süden“-Reihe ist mehrmals mit dem „Deutschen Krimi Preis“ ausgezeichnet und verfilmt worden. Der bayrischen ­Hauptstadt München hält er aus tiefster Überzeugung die Treue.

Text: Alexis Wiklund

Was lieben Sie an München?
Obwohl ich nicht in der Stadt geboren bin, sondern 60 Kilometer außerhalb, ist München meine Heimatstadt. Ich bin hier zu Hause und liebe den Dialekt der alten Münchner, ihre Ruhe und Genauigkeit im Umgang mit anderen Menschen.

Welcher ist Ihr liebster Platz?

Je nach Jahreszeit genieße ich das Herumstehen im Gewusel des Viktualienmarkts, das Schlendern auf der Schwabinger Türkenstraße, die scheinbar unendliche Weite des Nymphenburger Parks oder – ja, auch das – die Stille und Schönheit des Ostfriedhofs.

Was macht Sie wahnsinnig, was nervt Sie in München?

An manchen Tagen drehe ich durch, wenn die Zeitungen wieder voll sind vom Geschwätz der Vorzeigemünchner, der Bonzen und Blödiane, die glauben, ihr Geld sei eine Währung fürs bessere Leben. Wenn ich an bestimmten Lokalen und Restaurants vorbeikomme, widert mich das protzige Benehmen der Vorstädter an, die ihre Autos und Frauen präsentieren wie Errungenschaften allerhöchsten Grades. Diese Leute sind laut und hässlich, so teuer sie sich auch kleiden und schminken mögen, sie verschmutzen die Stadt mit ihrer Anwesenheit – und prägen oft das Bild, das München in die Welt sendet. An solchen Tagen bleibe ich dann besser in meinem Zimmer in Giesing, schaue mir einen Film noir auf DVD an und die Stadt kann mich mal …

Wie sehen Sie den Charakter der Münchner?

Der echte Münchner ist ebenso zurückhaltend wie meinungsstark, tolerant und mürrisch, kommunikativ und selbstgenügsam. Im Grunde bin ich wie meine Stadt: ein geselliger Einzelgänger.

Was gibt es nur in München?

Das sanfte, goldene Abendlicht auf dem Viktualienmarkt, das Leuchten des Biers in den Glaskrügen, das Gesumm der menschlichen Stimmen unter den Kastanien, der große Frieden inmitten einer globalisierten, unberechenbaren Welt – das ist einzigartig in München. Ich glaube, der Viktualienmarkt ist Gottes heimlicher Biergarten.

Welchen Geruch verbinden Sie mit München?

Der Geruch nach geräuchertem Steckerlfisch und die Ausdünstungen der U-Bahn-Schächte. Ein Gemisch aus Beton, Metall und kalter Luft, das waren meine -ersten Eindrücke als Kind. Ich fühlte mich angekommen in der großen Welt voller Technik und sinnlicher Genüsse. Diese Erinnerung kehrt immer wieder.

Wie hat sich die bayrische Metropole in den letzten 20 Jahren verändert?
Wie jede Großstadt rasen auch in München die Immobilienpreise in schwindelerregende Höhen, immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, immer mehr Menschen verarmen oder leben auf der Straße. Überall Gentrifizierung und komplizierte gesellschaftliche Gemeinschaften. Eine Stadt im Wandel, mit dem Versuch, das Alte mit dem Neuen in Einklang zu bringen: eine Herkulesaufgabe.

Welcher ist Ihr liebster Biergarten, welches Ihr liebstes Bierlokal? 

Früher war der Nockherberg mein bevorzugter Biergarten: Blick nach Westen zur untergehenden Sonne, blühende Kastanien, süffiges Bier. Die Gaststätte wurde abgerissen und heute gehe ich am liebsten in den Biergarten vom Hofbräuhaus, mitten in der Stadt. Tausende Touristen und Hunderte von Einheimischen, ein Ort der absoluten Geselligkeit. Das Hofbräuhaus – hier stehe ich und kann nicht -anders – ist für mich ein Herzensort in München. Nirgendwo ist München näher bei sich als in dieser uralten, sich immer wieder neu erfindenden Gaststätte.

Wann ist die bayrische Landeshauptstadt für Sie am schönsten?

Wenn ich schön schaue, ist die Stadt auch schön. Manchmal geht’s nicht anders. 

BUCHTIPP:

„Der Kriminalroman zwingt zum Hinschauen in die Gegenwart“, sagt Friedrich Ani. In seinen Krimis vereint er grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und Spannung zu einem Lese-Erlebnis. Nach „Der namenlose Tag“, dem bereits mit dem „Deutschen Krimi Preis“ ausgezeichneten Auftakt der Reihe um den Ex-Kommissar
Jakob Franck, folgt endlich „Ermordung des Glücks“.

Suhrkamp, 20,60 €