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Mauritius: Mutproben im Paradies

Kristallklares Wasser, weiße Sandstrände, sattgrüne Vegetation: Tropische Traumkulissen sind Standard auf Mauritius. Warum also nicht auch die abenteuerlichen Seiten der Insel kennenlernen? GUTE REISE hat sich auf Entdeckungstour begeben.

Text: Bernadette Strobl

"Siehst du? Dort vorne!", sagt Cliff und zeigt auf eine Gruppe von Delfinen, die rund 150 Meter entfernt vergnügt in die Luft springen. Ich antworte zuerst gar nicht, atme tief ein und versuche alle Eindrücke aufzunehmen: den Geruch und die türkisblaue Farbe des Wassers, den Ausblick auf das weite Meer, die -sattgrüne hügelige Küstenlandschaft, den Fahrtwind im Gesicht. "Ist dir eigentlich bewusst, dass du hier im Paradies arbeitest?", frage ich ihn schließlich.

Cliff grinst. "Ich sehe das jeden Tag." Als er das Boot plötzlich zum Stehen bringt, wird mir klar, dass der gemütliche Teil des Ausflugs vorbei ist. Was mich jetzt erwartet, ist noch besser: Ich bin zum sportlichen Vergnügen im Indischen Ozean und die nächste Station meiner Reise lautet "Seakart".Also hinunter vom Boot, hinein in die 110 PS starke Mischung aus Kart und Jetski. "Passt schon, du fährst!", rufe ich der Kollegin zu und setze mich neben das Steuer. Meine Annahme, die Traumkulisse als Beifahrerin besser genießen zu können, stellt sich schnell als klare Fehleinschätzung heraus.

Es folgt ein wilder Ritt auf den Wellen, bei dem ich ordentlich durchgeschüttelt werde und immer wieder abhebe. Mein zugegeben verkrampfter Versuch, mich festzuhalten, sorgt schon nach wenigen Minuten für blaue Flecken auf den Unterarmen. Dafür könnte das Grinsen im Gesicht nicht breiter sein.

Postkartenaussicht

Erst nach dem - in meinem Fall zum Glück freiwilligen und sanften - Abgang ins Meer richte ich meinen Blick wieder auf das Panorama. Der markanteste Punkt, der mir dabei sofort ins Auge springt: das 556 Meter hohe Felsmassiv Le Morne Brabant, das wir nur wenige Tage zuvor erklommen haben. Der Ausblick vom Gipfel auf das Farbenspiel der Lagune ist schlichtweg atemberaubend, der Weg dorthin allerdings alles andere als ein Spaziergang.

Ohne festes Schuhwerk, Schwindelfreiheit und Begleitung eines Experten ist nach rund 200 Höhen-metern Schluss. Dann beginnt nämlich der anstrengende, steile und felsige -Abschnitt, auf dem Klettern ohne Sicherung angesagt ist. Beim Gedanken an die insgesamt vierstündige, schweißtreibende Wanderung muss ich schmunzeln. "Ich weiß, es sieht heftig aus, aber bisher ist noch jeder heil hinauf und auch wieder heruntergekommen", hatte uns Bergführer Matthieu versichert, nachdem er die verängstigten Gesichter einiger Teilnehmer bemerkt hatte. Für einen Amerikaner offensichtlich nicht überzeugend genug: Er hatte zusammen mit seiner Ehefrau am zweiten Aussichtspunkt gewartet, während ich mich gemeinsam mit dem Rest der Gruppe an Felsvorsprünge klammernd an die Spitze gekämpft hatte.

 

 

Kulturell hat Mauritius viel zu bieten.
Eine Wunderwelt: der Hügel von Chamarel im
Südwesten der Insel Mauritius.

Symbol der Sklavenbefreiung

Nicht nur die abenteuerliche Besteigung, auch die historische Bedeutung macht einen Ausflug auf den Le Morne Brabant interessant: Im 18. und 19. Jahrhundert versteckten sich zahlreiche entflohene Sklaven auf dem Berg. 1835 schafften die Briten die Sklaverei ab und schickten eine Expedition auf den Gesteinsklotz, um die Menschen von ihrer neu -gewonnenen Freiheit zu informieren. Diese befürchteten aber, wieder zu ihren Kolonialherren auf die Zuckerrohr-Felder zurückgebracht zu werden, und stürzten sich laut der Legende von den Klippen in die Tiefe. Seit dieser Tragödie wird der 1. Februar auf Mauritius als Feiertag für das Ende der Sklaverei gefeiert. Die UNESCO nahm den Tafelberg 2008 in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Mix der Kulturen

Nach der kurzen Abkühlung im Meer hilft mir Cliff -sichtlich belustigt in sein Boot zurück. "Du hast auf dem Seakart schon ziemlich erschrocken ausgesehen", sagt er und lacht. "Ich habe dir doch gesagt, setz dich lieber ans Steuer. Für den Beifahrer ist es noch turbulenter."

Wer Wasserport liebt ist hier goldrichtig.

Cliff ist gebürtiger Mauritier, genau wie Bergführer Matthieu. Und dennoch könnten sich die beiden optisch nicht stärker unterscheiden. Der eine ist groß, stämmig und dunkelhäutig, der andere ist sportlich schlank und hat dunkelblondes, gewelltes Haar und blaue Augen. Gegensätze, die die bewegte Geschichte des Inselstaats widerspiegeln: Mauritius wurde im 16. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt, wenig später nahmen die Niederländer das Eiland in Besitz.

Darauf folgten die Franzosen, die ihrerseits von den Engländern verdrängt wurden. Nach Abschaffung der Sklaverei kamen Menschen aus aller Welt, um auf den Zuckerrohr-Feldern - der Haupteinnahmequelle des Landes - zu arbeiten. Meist waren es Inder, die heute noch zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen. Aber auch viele Chinesen -siedelten sich an, um Handel zu betreiben. Kurzum: Den typischen Mauritier gibt es nicht. An jeder Ecke sind verschiedene kulturelle Einflüsse spürbar: Linksverkehr wie in England, viele Orte tragen französische Namen, bunte Tempel stehen neben Kirchen, Straßenküchen neben edlen Restaurants. Hindus, Christen, Muslime und andere Gläubige leben friedlich miteinander. Und es ist auch kaum verwunderlich, dass die mauritische Küche für jeden Geschmack das passende Gericht parat hat.

Über Schluchten in den Wald

In den darauffolgenden Tagen geht es erlebnisreich weiter. Ich überquere eine Nepal-Brücke, gleite per Seilrutsche über tiefe Schluchten und füttere Papageien im Naturpark Casela World of Adventures. Ich paddle mit dem Kajak durch Mangrovenwälder und erkunde schnorchelnd die Unterwasserwelt. Etwas weniger strapaziös, aber genauso faszinierend ist die Jeep-Safari im Natur-reservat Frédérica, auf der uns einige Hirsche begegnen.

Beim Besuch des Botanischen Gartens Pamplemousses mit seinen berühmten Riesen-Seerosen erfahre ich Interessantes über die einzigartige Pflanzenwelt der Insel. Ich entdecke Baumarten, die ich sonst nur als Frucht kenne: zum Beispiel Muskat, Zimt, Nelke oder Ingwer. Die ideale Mischung aus Erkunden und Entspannen bietet eine Katamaranfahrt nach Île aux Cerfs. Die "Hirsch-insel" nahe der mauritischen Ostküste gilt zu Recht als einer der schönsten Flecken, die das Land zu bieten hat: türkisblaues Wasser, weißer, weitläufiger Sandstrand, saftig grüne Palmen. Das paradiesische Eiland ist aber längst kein Geheimtipp mehr. Viele Tagesausflügler kommen hierher, um sich im kniehohen Wasser der weitläufigen Badebuchten treiben zu lassen. Komplette Abgeschiedenheit sucht man deshalb vergebens, Massentourismus à la Jesolo ist aber auch etwas ganz anderes.

Um die Sportangebote in den Hotels auszuprobieren, die von Kitesurfing über Reiten und Angeln bis hin zu Golfen reichen, bleibt mir auf meiner Reise leider zu wenig Zeit. Ich versuche mich lediglich im Stand-up Paddling - und muss dabei feststellen, dass mein Gleichgewichtssinn durchaus ausbaufähig ist. Außerdem genieße ich hervorragende Massagen, die zum Glück auch meine Seakart-Verspannung schnell wieder lösen.

 

 

Im 5-Sterne-Hotel "The Residence" ist Luxus Programm.
Das Sugar Beach Golf & Spa ist ein Paradies für Golfer.

Einzigartiges Inselreich

Die Woche voller Aktivitäten zu Wasser und zu Land hat meine ursprüngliche Vorstellung von Mauritius als eine hauptsächlich für Bade- und Wellnessurlaub geeignete Tropeninsel, auf der sich Bewegungshungrige wie ich schnell langweilen, revidiert. Dennoch steht für mich fest: Wenn ich wieder nach Mauritius reise, dann in erster Linie wegen des ganzjährig tropischen Klimas und der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Denn die vielen Möglichkeiten, sich sportlich auszutoben, sind nur das Pünktchen auf dem i der traumhaften Kulissen. 

FERIENTIPPS:

The Residence

Luxus. Im eleganten Fünf-Sterne-Haus im Insel-Osten (Belle Mare) ist der Name Programm. Neben dem außergewöhnlichen Service überzeugt das im Kolonialstil erbaute Hotel auch mit aus­gezeichneten Treatments im ­Wellnesscenter „The Sanctuary“. Coastal Road, 0, Mauritius,Telefon +230/401 88 88

cenizaro.com

Sugar Beach Golf & Spa

Grünoase. Das an der Westküste (Flic en Flac) gelegene Hotel ­bietet parkähnliches Flair und viel Raum für Ruhe und Entspannung. Golfer profitieren von ­Gratis-Greenfees und einem Bootstransfer zum 18-Loch-­Golfplatz auf der Île aux Cerfs. Wolmar, Flic en Flac, Mauritius Telefon +230/403 33 00

sugarbeachresort.com 

Outrigger Mauritius Beach

Weitläufigkeit. Das Resort im von Zuckerrohr-Plantagen gesäumten Hinterland im Süden (Bel Ombre) verbindet großzügige Zimmer und Außenanlagen mit familiärem Flair. Die Küche ist hervorragend, besonders empfehlenswert ist das Seafood-Dinner am Strand.Allee des Cocotiers, Bel Ombre PO BOX 1310, Mauritius, Telefon +230/623 50 00

outrigger.com

ACTIONTIPPS:

Jeep-Safari im Reservat

Naturerlebnis. Im Süden befindet sich das Naturreservat Frédérica, das mit dem Jeep oder Quad erkundet werden kann. Dabei präsentiert sich eine Kombination aus hügeliger Landschaft, Bächen und vorüberziehenden Hirschen.

fredericanaturereserve.com

Kick mit dem Seakart

Schnelligkeit. Seakarts gibt es bis dato nur auf Mauritius. Der Ausflug führt auch an maritimen Sehenswürdigkeiten wie dem „Crystal Rock“ vorbei.

fun-adventure.mu

Schnorcheln und Kiten

Wassersport. Viele Resorts bieten Aktivitäten von Schnorcheln und Tauchen über Stand-up Paddling bis hin zu Kitesurfen an. Mauritius ist übrigens eine der weltweit beliebtesten Kitesurf-Locations.

kiteglobing.com

Abenteuer im Grünen

Nervenkitzel. Die rund 14 Hektar große Casela World of Adventures ist vor allem für seinen Tiergarten und das große Angebot an Erlebnis-Ausflügen bekannt. Dazu zählt die Überquerung einer Nepal-Brücke ebenso wie zahlreiche Seilrutschen.

caselapark.com