Europa
Porto bei Nacht. © Heidrun Henke

Porto: Am Ufer des Douro

Porto bietet grandiose Aussichten, eine charmante Altstadt, authentische Hafen-Atmosphäre, Lebensfreude trotz Wirtschaftskrise sowie eine gewaltige Auswahl an Portweinen.

Text: Heidrun Henke

Begonnen hat alles im Nachtzug von Lissabon nach Porto. Ich hatte das Glück, das Abteil mit einem charmanten und redseligen Portugiesen zu teilen, der mir die Zugfahrt mit Geschichten aus seiner Heimatstadt Porto verkürzte und immer wieder mit einem Gläschen Port versüßte. Angekommen in der nördlichen Weinmetropole, war ich bereits Feuer und Flamme - von der Stadt, dem Wein und meiner Zugbekanntschaft.

Als stolzer Portugiese ließ es sich João nicht nehmen, mich die nächsten Tage in seiner Stadt herumzuführen. Er erzählte mir von der Bedeutung des Portweins für die Stadt und den Trauben, die flussaufwärts im Alto-Douro-Tal wachsen. Port ist immer eine Cuvée, ein Wein aus verschiedenen Rebsorten. Es gibt zahlreiche Variationen von renommierten Erzeugern wie Sandeman, Ferreira, Niepoort, Cálem oder Barros. "Man soll so lange in der Stadt verweilen, bis man alle durchgekostet und seinen Lieblingsport gefunden hat", zitiert João ein beliebtes Sprichwort.

Flüssiges Gold

Die majestätische Brücke Dom Luís I ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie überspannt den Fluss Douro und verbindet die beiden Stadtteile Ribeira und Vila Nova de Gaia, das alte Zentrum der Portweinproduktion. (Früher war Gaia der Konkurrenzhafen von Porto, von hier aus haben Portweinproduzenten ihre Produkte in die ganze Welt verschifft.) Der 400 Meter lange, stählerne Koloss wurde unübersehbar von einem Schüler Gustave Eiffels gebaut, nämlich von Théophile Seyrig. Die Brücke bietet Fußgängern - fast 50 Meter über dem Fluss - einen herrlichen Ausblick auf das bunte Häusermeer.

Entlang der langen Promenade am Südufer des Douro reihen sich zahlreiche Weinlagerhäuser und -keller. Porto liegt auf mehreren Hügeln. Dementsprechend ist es zu Fuß auf die Dauer etwas beschwerlich. Glücklicherweise gibt es hier bequeme Alternativen: zum Beispiel einen Lift, der einen vom Flussufer in die obere Altstadt katapultiert, eine Standseilbahn, die einem steile Treppen erspart, oder eine Gondelbahn, die uns hinauf nach Gaia bringt, wo wir auf der Terrasse eines Cafés die schöne Aussicht auf die Altstadt genießen.

Kulinarisch hat Porto viel zu bieten. © iStockphoto

Fisch in Matosinhos

Wir fahren nach Foz do Douro, wo der Douro in den Atlantik mündet. Diesmal nehmen wir die Nostalgie-Straßenbahn. Im noblen Badeort essen wir in einem Lokal am Strand herrlichen Fisch. Ich nehme gegrillte Sardinen, João Bacalhau (Kabeljau). "Er ist unser Nationalgericht. Man bekommt es fast überall und in unzähligen Variationen serviert", erklärt João. "Eine portugiesische Redensart besagt, dass es für jeden Tag im Jahr eine unterschiedliche Zubereitungsart gibt."

João empfiehlt den Nachbarort Matosinhos. Während der Saison werden hier an vielen Ecken frische Sardinen gegrillt. Man isst sie in den kleinen urigen Lokalen, den sogenannten Tascas, an einfachen Plastiktischen mit blau-weiß-karierten Papier-Tischdecken. Eine Karaffe weißer Douro-Wein und ein Bica (portugiesischer Espresso) gehören zum Menü meist dazu. Und was ist die typische Nachspeise? "Ein Pastel de Nata natürlich." Die kleinen, aber sehr üppigen Blätterteigtörtchen mit Puddingcreme-Füllung kommen ursprünglich aus Lissabon.

Sie werden aber im ganzen Land geschätzt. Besonders lecker sind sie in der Manteigaria, einer Pastéis-Bäckerei in der Altstadt. Gleich ums Eck befindet sich der legendäre Markt Mercado do Bolhão mit allem, was gut und frisch ist. Auch hier kann man an einem der Stände unkompliziert die feinsten Fischgerichte verkosten. Seit 1914 ist er in einem prachtvollen neoklassizistischen Gebäude untergebracht. Auf zwei Etagen gibt es vor allem frische Waren wie Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst, aber auch Blumen. Ein Unikat ist der Messerschärfer, einer der letzten seiner Art.

Die Seilbahn Teleférico de Gaia sollte man sich nicht entgehen lassen. © Heidrun Henke

Typische blaue Kacheln

Die zweitgrößte Stadt Portugals ist auch in Sachen Kunst und Kultur ein großes Erlebnis. João zeigt mir die traditionelle Kachelkunst der Portugiesen. Besonders schön anzusehen ist sie am Bahnhof São Bento. Unzählige, fast unaussprechliche Azulejos (sprich "Aschulejschüs") deko-rieren hier die Halle und berichten farbenfroh von der Geschichte Portugals. In ihrer vollen Pracht erstrahlen die blauen Kacheln auch an der Kirche Igreja dos Carmo.

Ebenfalls ihre heiligen Hallen hat die moderne Kunst. Das Serralves Museum, das Museum für zeitgenössische Kunst, ist in einem Gebäude des Architekten Álvaro Siza Vieira untergebracht. "Er stammt von hier und zählt zu den bedeutendsten europäischen Architekten", sagt João nicht ohne Hochachtung. Auch das Casa da Música ist ein architektonisches Meisterwerk der Stadt. Das weiße, unregelmäßige Betonkonstrukt des renommierten Architekten Rem Koolhaas ist für große Konzerte gemacht. Es beeindruckt aber auch ganz leise.

© Associacao Turismo do Porto/Daniel Rodrigues

Mit dem Boot zum Atlantik

Nach unserer Stadtbesichtigung und intensivem Kunstgenuss landen wir am malerischen Douro-Kai. Wir -besteigen ein Schiff und lassen die Stadt vom Fluss aus an uns vorüberziehen. "Es ist natürlich kein Geheimtipp", gibt João zu, "aber trotzdem ein Muss." Die Holzbarke schippert unter den sechs Brücken Portos hindurch bis zum Atlantik und wieder zurück. Hier lässt man sich am besten einfach treiben. Ich wünschte, diese Bootstour würde niemals enden, zu sehr genieße ich den Anblick der bunt verkachelten Häuser, die im Sonnenlicht wie Fischschuppen glänzen, den würzigen Geruch von gegrillten Sardinen, die urigen Lokale am Fluss, die zum Verweilen einladen, und das hektische Gekreische der Möwen, die um den Schiffsmast kreisen. Ich verabschiede mich von João auf dieselbe Weise, wie ich ihn kennengelernt habe: mit einem Gläschen Port (den ich schon sehr routiniert wie eine Einheimische bestelle). Ich weiß zwar noch immer nicht ganz, welcher mein Lieblingsport ist, aber wahrscheinlich habe ich meine Lieblingsstadt entdeckt!

porto-tourism.com

INSIDERTIPPS:

Hotel

Eurostars Porto Douro Hotel. Es ist nahe dem Zentrum direkt am Fluss in den Felsen hineingebaut. Die meisten Zimmer haben Blick auf das Wasser und die Brücke Dom Luís I.

eurostarsportodouro.com 

Seilbahn

Teleférico de Gaia. Die Seilbahn verbindet die Uferzone, wo sich die Weinkeller befinden, mit dem Garten „Morro“ in der Nähe des oberen Teils der Brücke Dom Luís I. Fantastische Aussicht auf den Douro, die Altstadt und Dächer der Portweinkeller am Steg von Gaia.

gaiacablecar.com