Kultur Europa
Foto: Czech Tourism/Ladislav Renner

Prunkschloss mit Minarett

Schloss Lednice in Südmähren in Südmähren ist ein Gesamtkunstwerk. Das UNESCO-Weltkulturerbe verbindet elegant Architektur und Landschaftsplanung.

Text: Alexis Wiklund

Auf den ersten Blick sieht Lednice (Eisgrub) aus wie ein britisches Landschloss. Das liegt am neugotischen Stil des Haupttrakts. Und daran, dass die englische Gartenkunst den Bau der Großanlage um 1800 inspirierte.

Damals erteilte das Adelsgeschlecht der Liechtensteiner den Auftrag, in einer Flusslandschaft an der Grenze zu Österreich ein phänomenales architektonisches Prunkstück zu errichten. Es sollte absolut einzigartig sein. Die Liechtensteiner besaßen ausgedehnte Besitztümer in Mähren, Böhmen, Schlesien und Österreich. Für dieses Prunkstück ihrer Macht traten damals die besten Gebäude- und Landschaftsplaner in einen Wettstreit. Das hehre Ziel: ein Gesamtkunstwerk zu erschaffen.

Die Natur am Reißbrett entwickelt

In Lednice gab es bereits im 13. Jahrhundert eine Burg. Doch erst mit der aufwendigen Flussumleitung der Thaya (Dyje), gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wurde aus einem riesigen Überschwemmungsgebiet ein edler, englischer Park mit künstlichen Seen und kleinen Inseln. Über Jahrhunderte ist in der Kulturlandschaft ein einzigartiger Park entstanden, mit kostbaren Bäumen, romantischen Bauten und Teichen. 

Lednice-Valtice, UNESCO-Welterbe, wird gerne als „Garten Europas“ bezeichnet. Dazu zählt zum Beispiel das Barockschloss Valtice. Es ist durch eine rund sieben Kilometer lange Prachtallee mit dem Schloss Lednice verbunden. Der weitläufige Garten zwischen Lednice und Valtice gilt als ein Wunderwerk von Visionären. Die durch Kanäle und Alleen verbundene Anlage bietet bauliche Pracht mit einem Hang zum Skurrilen. Ein Beispiel dafür ist das rund 60 Meter hohe Minarett. Es ragt am anderen Ende des Parks in den Himmel. Auf einer direkten Achse mit dem Schloss. Ebenso beherbergt das Areal einen römischen Obelisk, einen chinesischen Pavillon und eine ehemalige Reitschule. Sie wurde von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaute.

Eine Ruine als Jagdhütte

Außergewöhnlich ist das 100 Meter lange, historische Gewächshaus aus Gusseisen und Glas. Es ist heute noch in Betrieb und enthält unzählige tropische und exotische Pflanzen. Im Park gedeiht die älteste Sammlung amerikanischer Bäume in Europa. Fürst Alois schickte um 1800 eigens einen Gärtner zwecks Samen- und Pflanzensuche nach Übersee.

Minarett vom Bleistiftkönig

Romantisch erscheint die „Hansenburg“. Das ehemalige Jagdschloss wurde in Form einer Ruine erbaut. Es ist drei Kilometer vom Hauptgebäude entfernt und auch per Boot zu erreichen.  Sie stammt vom selben Architekten wie das Minarett: dem Wiener Joseph Hardtmuth. Viele kennen ihn als den Erfinder des Bleistifts. Sein Name prangt noch heute auf den Stiften der bekannten Marke Koh-i-Noor Hardtmuth. Mit nur wenig Fantasie ist im Minarett ein überdimensionaler Bleistift zu erkennen.

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Hintergrundwissen

  • Schloss Lednice ist der spektakulärste Teil einer gigantischen Gartenanlage.

  • Hansenburg wurde 1801 auf Wunsch von Fürst Alois I. von Liechtenstein im Stile einer Ruine neu erbaut.

  • Das Minarett hat keinen religiösen Grund. Es wurde vom Wiener Joseph Hardtmuth geplant.

  • Das riesige Glashaus in Lednice war 1845 das größte auf dem Kontinent.

  • Zahlreiche künstlich angelegte Wasserläufe laden in der Gartenanlage zum Verweilen ein.