© AIDA Cruises

Sail Away

GUTE REISE war bei einer der ersten Ausfahrten der neuen AIDAperla im westlichen Mittelmeer mit an Bord. Mit 4.300 Gästen und 970 Crewmitgliedern beherbergt das 300 Meter lange Riesenschiff eine ganze Kleinstadt.

Text: Helmut Widmann

Man nennt mich hier „First-timer“. Als einer, der zum ersten Mal auf Kreuzfahrt geht, wird man auf der nagelneuen AIDAperla von den anderen Passagieren gern milde -belächelt und bekommt gute oder gut gemeinte Tipps. Bei der Routenauswahl von Barcelona über Palma de Mallorca und Ajaccio (Korsika) nach Civitavecchia und Livorno dürfte ich mal nichts falsch gemacht haben, zählt sie doch zu den beliebtesten im Mittelmeer. 


Das 63 Meter hohe Mega-Kreuzfahrtschiff liegt majestätisch im Hafen von Barcelona. Es dämmert, der Blick schweift zu Kataloniens Hauptstadt, erfasst die Sagrada Família und den Stadthügel Montjuïc mit dem Kastell. Die Aussichtsdecks sind voll, erwartungsvolle Gesichter, alle Augen beginnen zu leuchten, als die -Abfahrt mit „Sail away, sail away“ von Enya aus „Orinoco Flow“ ein-geläutet wird. Der Gigant setzt sich ganz langsam in Bewegung, Meter für Meter, und startet in die erste Nachtfahrt Richtung Mallorca. Mit Ausnahme der beiden Tagesfahrten von Palma nach Korsika (344 Seemeilen) und von Livorno zurück nach Barcelona (387 Seemeilen) ist es abends immer dasselbe stimmungsvolle Abfahrtsritual. 

Maritime Sonnenanbeter. © Helmut Widmann

Fahrt im "Ententeich"

Während die Nacht hereinbricht, macht die AIDAperla volle Fahrt, von der man angesichts der Größe des Schiffes und der ruhigen See nichts mitbekommt. "Das Mittelmeer ist ja nicht mehr als ein ruhiger Ententeich", weiß der viel gereiste Besserwisser Thomas aus dem Ruhrpott zu berichten. Das Meer kann aber auch anders, am nächsten Tag zwischen Mallorca und Korsika, im Golf von Lyon, wird es rauer. Fünf Meter hohe Wellen, auf denen Schaumkronen wild tanzen, bringen das 750 Millionen Euro teure Schiff in Bewegung, und uns Passagiere mit ihm. Dazu weht eine steife Brise, die einem oben am Bug, direkt über der fünfzig Meter breiten Brücke, so richtig den Atem raubt. Das Schauspiel ist aber nach einem Tag vorüber, ansonsten ist das Meer nur mehr ruhig und Delfine begleiten das Schiff auf seiner weiteren Fahrt.

Trevi-Brunnen in Rom. © iStockphoto

Perfekte Organisation

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden nicht nur Waren über die Weltmeere verschifft, sondern auch Menschen. Am Anfang war diese Form des Reisens nur den Reichen und Superreichen vorbehalten. Heute verzeichnet die Branche einen gigantischen Boom mit immer mehr und immer größeren Schiffen. Diese beherbergen oft eine ganze schwimmende Kleinstadt. Und die Passagiere schätzen den Vorteil, nur ein Mal packen zu müssen und trotzdem viele Länder und Städte besuchen zu können, ebenso wie die perfekte Organisation. Trotz der gigantischen Herausforderung, den Urlaub für so viele Menschen zu managen, klappt alles wie am Schnürchen. Es gibt kein Gedränge und keine Warteschlangen in den Restaurants. Und selbst wenn Tausende (fast) zeitgleich mit zig Bussen zu einem Ausflug etwa nach Rom aufbrechen, greift ein Rädchen perfekt ins andere.

Entertainment Pur

Auch wenn die AIDAperla einen traum-haften Mittelmeerhafen nach dem anderen ansteuert: Für manche ist der Weg das Ziel, das Schiff selbst der Mittelpunkt der Reise, denn das Angebot ist wahrlich überwältigend. Die erwachsenen Gäste schwören auf die kulinarische Breite, genießen mal das Steakhouse, dann die Sushibar, stärken sich mal im bayerischen Wirtshaus und dann wieder im französischen Bistro. Das schlägt sich auf den Rippen nieder: Erfahrungs-gemäß nimmt man pro Woche Kreuzfahrt im Schnitt zwei Kilogramm zu - ich bin der lebende Beweis dafür. Da nutzt es nicht viel, wenn man sich nachts in der Disco wegtanzt oder mal dem großen Fitnessstudio einen Besuch abstattet. Die jüngeren Passagiere wiederum beeindrucken Attraktionen wie der Beach Club mit UV-durchlässigem Foliendach, der Minigolf-Parcours unter freiem Himmel oder die Shows im riesigen Theatrium.

Livorno, das „Venedig der Toskana“. © Shutterstock

Der "Alte" am Schiff

Einer der Stars auf der Bühne ist Kapitän Jens Janauscheck, ein wahrer Entertainer, der auch im Fernsehen als Showmaster gute Figur machen würde. Trotz seiner 44 Jahre wird er von seiner Crew aus vierzig Ländern der "Alte" genannt. So gehört es sich auf -einem Schiff. Alle paar Monate wird Jens -Janauscheck von Boris Becker (36) als -Kapitän abgelöst. Der heißt nicht nur -wirklich so, sondern verbringt gerade seinen -Urlaub auf der AIDAperla. Das nennt man Seefahrer mit Leib und Seele.

aida-cruises.at

GUTE FAKTEN:

Schiff

Die in Nagasaki (Japan) gebaute AIDAperla ist 300 Meter lang und 37,6 Meter breit. Sie beherbergt auf 18 Decks 1.643 Gästekabinen, zwölf Restaurants und 18 Bars. Die Sonnendecks sind mit 8.050 m2 größer als ein Fußballfeld. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 21,5 Knoten (ca. 40 km/h), der Tiefgang des Schiffs acht Meter.

aida-cruises.at 

Küche

5.200 Menschen an Bord zu verpflegen, ist eine gewaltige Aufgabe. In sieben Tagen werden zum Beispiel 38 Tonnen Fleisch, vier Tonnen Ananas oder 30.000 Stück Eier verbraucht. 

Wasser

Das Schiff hat 14 Wasser­tanks mit 3.558 Kubikmetern. Das sind umgerechnet fast 25.000 volle Badewannen! Das Wasser wird mit zwei Umkehrosmosen aus Meerwasser gewonnen.

Bier

Meeresluft macht durstig. Bei einer siebentägigen Reise werden zum Beispiel 8.300 Flaschenbiere, 3.500 Liter Radeberger und 3.000 Liter Berliner ausgeschenkt.