Europa

Schwimmen mit der Göttin

Paphos ist die europäische Kulturhauptstadt 2017. Zeit also, diese faszinierende Stadt mit Schätzen aus Vergangenheit und Gegenwart zu entdecken.

Text: Christian Posch

F ast fühle ich mich wie ein echter Zypriote. Ich nippe entspannt an einem Ouzo. Und gönne mir dazu eine Portion Halloumi. Der Duft der braun gebratenen Käsespezialität ist verführerisch. Das Sykaminia Café, ein authentisches Kafenion in der Altstadt, ist ein perfekter Ausgangspunkt für einen Streifzug durch die Hafenstadt Paphos im Süden der Insel. Die Menschen sind gastfreundlich und alle, auch die Eigentümer Norma und Kypros, trotz Wirtschaftskrise voller Zuversicht. Der Grund: Paphos ist ­neben Aarhus Europäische Kulturhauptstadt 2017. 

Einmal Antike und zurück

Kultur und Historie gibt es in Paphos in rauen Mengen. Kein Wunder, die Stadt florierte schon viele Jahrhunderte vor Christus Geburt. Vom Kampf gegen die Perser über antike Glanzzeiten, die Plünderung durch die Araber bis zu durchrauschenden Kreuzfahrern hat Paphos viel erlebt. 

Der Weg zum Hafen ist ein Kulturausflug. Das Museum Agios Georgios beherbergt Ruinen und Mosaike. Ein Stück näher beim Hafen liegen die Katakomben der Agia Solomoni. Die unterirdische Kirche besitzt beeindruckende Mosaike und Ikonen.

Zwei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten befinden sich am Hafen mit den vielen Cafés und Shopping-Möglichkeiten: das ­berühmte Hafenschloss, das majestätisch über der Szenerie thront, und der Archäologische Park Kato Paphos. Er steht auf der ­UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Die Anlage enthält Stätten und Denk­mäler aus prähistorischer Zeit bis zum Mittelalter. Kernstücke sind die prächtigen Mosaikböden der vier römischen Villen. Diese sind in erstaunlich gutem Zustand und öffnen das Tor in die Antike. Auch beachtlich sind das römische Odeon-Theater, das Asklepios-Heiligtum und das Kastell der vierzig Säulen. 

Paphos entdecken heißt, in eine Welt einzutauchen, in der man viele Geister der Vergangenheit, seien es die Griechen, Römer oder Araber, treffen kann. ­Gepaart mit malerischen Landschaften und mediterraner Kulinarik ein tolles Paket. Dem Titel Kulturhauptstadt macht Paphos jedenfalls alle Ehre.

Graffiti an Hauswand.
Kleiner Hafen. Große Historie.Heuer 300 Events.
Mosaike in den römischen Villen zeigen Dionysos.

Auf den Spuren der Aphrodite

Wer an der griechischen Mythologie interessiert ist, dem wird Paphos sicher ein Begriff sein. Unweit der Hafenstadt soll einst Aphrodite, Göttin der Liebe und Schönheit, dem Meeresschaum entstiegen sein. „Petra tou Romiou“, der Fels des Griechen, heißt heute der lange Kiesstrand 30 Kilometer östlich von Paphos. Die Göttin hat sich da ein wirklich schönes Plätzchen ausgesucht. Der fast olympisch anmutende Fels und das türkise Wasser sind ein wahres Postkartenmotiv. 

Das einzige Ungöttliche sind Touristen, die sich mit schlechtem Schuhwerk wenig elegant den steinigen Weg zur schäumenden Brandung bahnen. Eines gilt an fast allen Stränden: Ohne gute Badeschuhe wird es schmerzhaft. Die schroffen Steinküsten sind nichts für Zartbesaitete, belohnen aber mit einer traumhaften Naturkulisse. Wer es ohne Sandstrand gar nicht packt, der kann zur 14 Kilometer entfernten Coral Bay fahren. Dort ist aber auch am meisten los. Vielleicht auch, weil sie mit der EU Blue Flag ausgezeichnet ist, für die exzellente Wasserqualität.

FOTOS: iStock (2), Foto LARKO Pafos, Markus Bassler