Europa

Von Königen und Fischern

© Michael Krause

An einer sandigen Bucht des Atlantiks, einen Katzensprung von Lissabon entfernt, liegt Cascais. Ein schicker Badeort mit Charme und viel Natur rundum.

König Ludwig I. von Portugal (Dom Luís I, Herrscherzeit 1861–1889) wusste genau, warum er diesen malerischen, maritimen Ort verehrte: an der Atlantikküste gelegen, vom Wetter verwöhnt (rund 260 regenfreie Tage im Jahr), verträumte Gäss-chen, entspanntes portugiesisches Flair. Nur eine halbe Stunde von der Hauptstadt Lissabon entfernt, ist Cascais („Käschkaisch“ ausgesprochen) eines der charmantesten und exklusivsten Dörfer Portugals. Cascais war ein kleiner Fischerhafen, der perfekte Rückzugsort und Platz für die bevorzugte königliche Sommerresidenz in der Zitadelle, wie der Regent fand. Zum Baden ging dieser einfach hinunter an die belebte Strandpromenade – Volksnähe in Perfektion.

Damit war es dann aber auch vorbei mit der Ruhe. Was der König gut findet, muss gut sein. Der portugiesische Adel kam aus Lissabon, die europäische Oberschicht des 19. Jahrhunderts tat es ihm gleich. Mit den Scharen von wohlhabenden Bürgern strömte Geld und politische Macht nach Cascais und ins benachbarte Estoril und ermöglichte den Bau von prachtvollen Residenzen, die heute noch das Straßenbild prägen. Die gegensätzliche Bevölkerung verlieh der Stadt ihren Spitznamen „Heimat der Könige und Fischer“.

Fischer gibt es auch heute noch in Cascais. Wenn auch nicht mehr in dieser großen Zahl wie einst. Laut Hafenbehörde sind gegenwärtig 56 Fischer eingetragen und registriert. Am Hafen und in der Stadtbucht Praia da Ribeira sieht man immer noch jeden Tag Männer, die ihre Netze flicken oder an den Booten arbeiten. Ein Stück vom Charme des ursprünglichen Fischerdorfs konnte sich Cascais also erhalten. Die Bewohner sind stolz darauf. Sie sprechen immer noch von ihrem „Dorf“, obwohl etwa 200.000 Menschen hier leben.

© Michael Krause

Am Fischmarkt im Zentrum kann man täglich das Handeln und Feilschen um den besten Preis für die fangfrischen Doraden, Wolfsbarsche, Seezungen oder Tintenfische hautnah miterleben. Ein Besuch in den gleich angrenzenden Restaurants lohnt sich. Mehr Frische geht nicht! Beim anschließenden Spaziergang am Meer, vorbei an noblen Häusern, bekommt man beinahe das Gefühl, an der Côte d’Azur zu sein. Folgt man dem Weg der idyllischen Strandpromenade, ist man nach nur kurzer Zeit im nicht minder eleganten Estoril. Jenem Ort, an dem Autor Ian Fleming, aufgrund der hohen Spiondichte nach dem 2. Weltkrieg, übrigens die Roman-Idee zum ersten James-Bond-Buch „Casino Royale“ kam.

Empfehlenswert und beliebt ist die Gegend rund um Cascais auch zum Golfen und für Ausflüge mit dem Fahrrad – vor allem nach Westen. Am Rande der Stadt liegt der Boca do Inferno („Höllenmund“), eine Schlucht in den Küstenklippen. Das Wasser hat Zugang zum tiefen Grund der Schlucht, sodass es sich beim Rückfluss spektakulär aus den Felswänden ergießt. Ein Erlebnis sowohl für Augen als auch Ohren. 

Wenn es weiter Richtung Norden gehen soll, empfiehlt sich das Auto. Apropos 007: Das Umland von Cascais war im Jahr 1969 auch Drehort für „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Die Anfangsszene mit dem Australier George Robert Lazenby in seiner einzigen Rolle als MI6-Agent spielt am wilden Strand Praia do Guincho.

Diese rund eine Viertelstunde von Cascais entfernte Bucht am südlichen Randgebiet des Naturparks Sintra-Cascais (UNESCO Weltkulturerbe) ist wegen der starken Winde und Wellen nicht immer zum Baden geeignet. Sie beeindruckt aber besonders Wellenreiter, Wind- und Kite- surfer, ist jedoch eher nur ausgereiften Wave-Cracks zu empfehlen. Guincho bietet beste Sicht auf spektakuläre Sonnenuntergänge. Dem Strand gegenüber liegt auf der anderen Straßenseite ein landschaftlich sehr schönes Gebiet mit Dünen, die der für die Gegend um Guincho so typische, markante Wind aufgetürmt hat und ständig verändert. Bei Duna da Cresmina hat man einen fulminanten Überblick über die pittoreske, für Portugal charakteristische, schroffe Steilküste. Bildtafeln erklären anschaulich Geschichte und Entwicklung der Flora und Fauna. Zurück an der Küste folgt nördlich das geografische Highlight der Region.

Nächster Halt: Amerika! Rau und wild gibt sich Cabo da Roca, der westlichste Zipfel des europäischen Festlands. Kein Wunder, dass so mancher Besucher bis weit ins 14. Jahrhundert annahm, hier am Kap wäre das Ende der Welt erreicht. 140 Meter über dem Meer ist der Leuchtturm – einer der ersten des Landes – so etwas wie ein Pilgerort geworden. Mittwochs ist er für Besucher geöffnet, der Rundblick ist gigantisch. Das Touristenbüro stellt sogar ein Zertifikat aus, das bescheinigt, dass man am westlichsten Punkt Kontinentaleuropas war. Ein netter Grund für eine Reise nach Cascais und Umgebung. Aber beileibe nicht der einzige … 

visitcascais.com

GUTE TIPPS:

Fliegen

Nonstop. Die portugiesische TAP fliegt mindestens einmal täglich (ab Wien und München) nach Lissabon.

flytap.com/de-at/

Hotel

Chick. Direkt neben dem Yacht-hafen finden sich in diesem Boutique- Hotel feine Zimmer mit Meerblick.

farol.com.pt

Must Do

Angeltour. Ob kleine Tour oder große – niemand geht leer aus. (ab 75 Euro p. P.)

dreamboatsportugal.com 

Essen

Marisco na Praça. Sensationelle Meeresfrüchte, toller Service.

facebook.com/marisconapraca