Aktuelle Ausgabe Europa
Ein Panorama für Genießer. © Nina Ullrich

Südtirol: Wandern mit Weitblick

Wo sich die Berge gegenseitig an Höhe zu überbieten versuchen, faszinieren einsame Gipfel, wilde Gewässer und dichte Wälder: Sand im Ahrntal.

Text: Nina Ullrich

"Ich schick euch noch schnell zwei runter", sagt der junge Mann und blickt dabei in ein erleichtertes Gesicht: meines. Wir sind soeben an den Wasserfällen vorbei nach oben gewandert und hätten beinahe die letzte Fahrt mit der Fly-Line durch den Wald nach unten verpasst. Jetzt geht alles ganz schnell: Gurte an, einhängen und los. Zisch, zischhhhhhhh, zisch. Kurve um Kurve gleiten wir entlang der Fly-Line ins Tal. Wir schweben an den drei Kaskaden der Reinbachfälle vorbei und kommen irgendwie zum zweiten Mal an - bei uns und in Sand in Taufers.

Sand in Was?

Sand in Taufers. Kennt fast keiner - noch nicht. Sand in Taufers liegt im Tauferer Ahrntal im Nordosten Südtirols, ist eine kleine Marktgemeide mit zirka 5.500 Einwohnern und hat das ambitionierte Ziel, die erste CO2-neutrale Gemeinde Südtirols zu werden.Klares Ziel, klare Aufgabe: So sieht das auch Stefan Fauster, Chef des Drumlerhofes und Präsident des Vereins Wanderhotels. Seine Familie und er leisten vor Ort wichtige Informations- und Sensibilisierungsarbeit auf dem Gebiet der Gemeinwohl-Ökonomie und zum Thema "Klimaneutrales Leben".Konzepte wie das seine regen dazu an, unzeitgemäße Gewohnheiten und Annehmlichkeiten zu evaluieren, wenn nötig Anpassungen vorzunehmen, um so zukunftsorientiert und verantwortungsvoll - im Sinne eines größeren Gemeinwohl-Gedanken - zu agieren. Selfness nennt sich das.

Südtirol geizt nicht mit malerischen Aussichten.
Stubensuite im Drumlerhof, Sand in Taufers.

Das Wandern unterstützt diesen Prozess. Der unruhige, stetig abgelenkte Geist hat dabei die Möglichkeit, im Rhythmus des Gehens Fuß zu fassen und Gedanken neu zu ordnen. Wir testen das gleich. Artur Costabiei, Direktor des Tourismusverbandes Kronplatz, verrät uns einen „Geheimtipp“ und schickt uns zum Wandern nach Rein in Taufers und von dort über den Weg Nr. 1 zu der Kasseler Hütte. Wir folgen seinem Tipp.

Am Anfang des Pfades wird noch geplaudert, aber langsam findet jeder sein eigenes Tempo, es wird stiller. Hier und da bleiben wir stehen, genießen das wunderbare Panorama der Rieserfernergruppe oder erfrischen uns an den eiskalten Schmelzwasser-Bächen neben dem Weg. Die 650 Höhenmeter bis zur Hütte schaffen wir in zirka zwei Stunden.

Auf der Hütte werden uns ein wunderbarer Kaiserschmarren und kaltes Himbeer-Quellwasser serviert. Wir ergötzen uns am traumhaft schönen Wetter mit spektakulärem Ausblick und versuchen – ganz klassisch und nur mittels Wanderkarte – die umliegenden Berge zu benennen. Es fühlt sich gut an: analog, linear und geordnet – mit Ausblick auf Weitblick.

GUTE TIPPS:

Wohnen

Am besten im Wanderhotel Drumlerhof in Sand in Taufers – super Wandertipps vom Chef! Oder im Naturhotel Moosmair – tolles Kräuter-Restaurant! 

Wandern

Viele schöne Wanderrouten und Tipps findet man unter: taufers.com

Rumkommen

Urlaub ohne Auto mit dem Premium Holidaypass für Südtirol: mobiledolomites.com

Einpacken

Ziegenkäse vom Hofladen „Goasroscht“ in Bad Winkel