Österreich
© Gletscherbahnen Kaprun AG

Wo der Winter zu Hause ist

Gletscher, Berge und ein See: Die imposante Kulisse von Zell am See-Kaprun ist wie gemacht für den Skisport: Das wusste schon Wolfgang Ambros.

Text: Maximilian König

Nun, da sich der Winter eine dicke Daunenjacke angezogen und die Berge weiß angemalt hat, ziehen wieder die Freunde des Wintersports durch Zell am See. Sie kommen aus der ganzen Welt und tragen bunte Ski-overalls, Mützen und vor allem ein breites Lächeln im Gesicht. Kein Wunder: Denn in der beliebten Skiregion Zell am See-Kaprun und den drei Skigebieten Kitzsteinhorn, Schmittenhöhe und Maiskogel kommen Könner und Genießer, Familien und auch Anfänger auf rund 138 Abfahrtskilometern und 66 Pisten so richtig in Fahrt. 

„Gewaltig und gletschergekrönt ragen im Süden die Dreitausender der Hohen Tauern auf. Im Norden erheben sich hoch, schroff und hell die Steinberge und das Steinerne Meer der Nördlichen Kalk-alpen und im Westen und Osten senken sich almen- und waldreiche Schieferberge gegen das lang gestreckte Tal des Zeller Sees“, notierte einst die Autorin Edeltraud Danesch. Was die Natur vor langer Zeit so eindrucksvoll formte, lockt heute Wintersportler aus allen Ländern: Hier das ewige Eis des Kitzsteinhorns, da die imposante Berglandschaft der Schmittenhöhe und unten flirren die Ufer des zugefrorenen Zeller Sees. Austropop-Legende Wolfgang Ambros verhalf dem Ort Mitte der 1970er-Jahre mit seinem Hit „Schifoan“ zu Kultstatus: Er begab sich nach Zell am See, „wei durt auf die Berg ob’n ham’s immer an leiwanden Schnee“. 

Die Wurzeln der 10.000-Einwohner-Stadt im Salzburger Pinzgau reichen bis in die Bronzezeit zurück. 788/790 wurde erstmals die Mönchszelle Cella in Bisontio erwähnt, woraus im Laufe der Jahre Zell wurde. Von einer „Mönchszelle“ kann heute freilich keine Rede mehr sein – im Gegenteil: Mehr als 100 Bars, Hotels und Restaurants sorgen für das leibliche Wohl. 

Eine der besten Adressen für ein feines Mahl ist der Steinerwirt, der im Besitz von Johannes Schwaninger ist. Der 44-Jährige wuchs in Zell am See auf und studierte nach der Matura Philosophie und Psychologie in Rom und New York. Als im Jahr 2004 sein Vater, der Bruder und die jüngere Schwester bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, kehrte er nach Österreich zurück und übernahm den elterlichen Betrieb. Im Moment haucht Schwaninger dem Ort Kultur in Form von Filmfestivals und Vernissagen ein, die er organisiert. „Zugegeben, ich bin ein heimatkritischer Mensch. Aber vor dem Panorama hier muss selbst ich kapitulieren“, sagt er schmunzelnd. 

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Es waren vor allem deutsche Landschaftsmaler, die den Ruf von Zell am See als Tourismusort schon im 18. Jahrhundert festigten. Sie stellten mit Leidenschaft die „schaurig-schöne“ Hochgebirgslandschaft dar. Ihre Ölgemälde, Illustrationen, Stiche und Prospekte erreichten ein internationales Publikum. Zwei der ersten prominenten Touristen waren „Franzl und Sisi“ – allerdings getrennt voneinander. Im August 1885 hielt sich Kaiserin Elisabeth in Begleitung ihrer jüngsten Tochter, Erzherzogin Marie Valerie, in Zell am See auf. Im Sommer 1893 nächtigte auch Kaiser Franz Joseph I. im Ort und besuchte die Schmittenhöhe und das Kapruner Tal. In dieser Zeller Gründerzeit entstanden zahlreiche neue Beherbergungsbetriebe wie das Hotel Krone, das Hotel Kaiserin Elisabeth oder das Grand Hotel am See. Am 31. Dezember 1927 ging die Schmittenhöhebahn als erste Seilbahn im Salzburger Land in Betrieb. 90 Jahre später ist die chmittenhöhe ein moderner Skiberg mit 77 abwechslungsreichen Abfahrtskilometern und einem beeindruckenden Panorama mit Blick auf mehr als 30  Dreitausender.

Im Rahmen des 90-Jahre-Jubiläums wurde Anfang Dezember 2017 feierlich die neue Zehn-Personen-Gondel „areitXpress“ eröffnet, die noch mehr Komfort, gratis WLAN und eine 50 Prozent höhere Beförderungsleistung (3.600 Personen pro Stunde) bietet. Die – ebenfalls – neue Skihütte „areitLounge“ lädt mit einer Feuerstube, einer Loungebar sowie einer chilligen Sonnenterrasse mit tollem Ausblick zum Entspannen und Verweilen ein. Ideal für all jene, die zuvor die Schmitten Funslope, eine 1.300 Meter lange Abfahrt mit spannenden Tunneln, Sprüngen und Steilkurven, bezwungen haben. 

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Mit der SpotOn-Video-App können mutige Funslope-Bezwinger eine solche Fahrt auf Video festhalten. Bis 2. März 2018 erwacht jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag von 18.30 bis 21 Uhr die Piste Nr. 17 bei der Ebenbergbahn nach Liftschluss noch einmal zum Leben: Frisch präpariert und in einem Scheinwerfermeer erstrahlt die „Schmitten Nightslope“ über den Dächern von Zell am See. Für Inhaber des Skitickets ist die Nutzung der Nightslope inkludiert.

Das Kitzsteinhorn, Salzburgs einziges Gletscherskigebiet, bietet von Oktober bis weit in den Frühling hinein perfektes Skivergnügen und Schneegarantie. Das vielseitige Angebot reicht von drei Snowparks und Österreichs größter Superpipe bis hin zu fünf speziell ausgewiesenen Freeride-Routen. Die spannendste Herausforderung für geübte Abfahrtskünstler ist die „Black Mamba“, eine Piste mit 1.000 Metern Länge und einem Gefälle von bis zu 63 Prozent. Seit 2016 lockt die neue „Eagle Line“, eine Spaß-Piste mit Wellenbahn, kleineren Sprüngen und Steilkurven. 

Doch auch Nicht-Skifahrer und Nicht-Snowboarder kommen auf dem Kitzsteinhorn auf ihre Rechnung: Eine eineinhalbstündige Schneeschuhwanderung etwa führt zur Eis- und Schneewelt Ice Camp, die aus rund 60 Tonnen Eis, 3.500 Kubikmetern Schnee, mehreren Iglus, einer Ice-Bar und einem Sonnendeck besteht. Faszinierende Ein- und Ausblicke in den Nationalpark Hohe Tauern erleben Besucher bei kostenlosen Führungen durch die Nationalpark Gallery auf dem Kitzsteinhorn. Von Salzburgs höchstgelegener Panorama-Plattform „Top of Salzburg“ auf 3.029 Metern Höhe aus geht es mit einem erfahrenen Nationalpark-Ranger einen 360 Meter langen Stollen entlang ins Berginnere. 

Ab dem Winter 2019 sollen das Kitzsteinhorn und der benachbarte Maiskogel mit einer Seilbahn verbunden werden. Damit ist das Kitzsteinhorn direkt vom Ortszentrum aus erreichbar. Den Gletscherbahnen Kaprun ist das rund 81 Millionen Euro wert. Fast 90 Millionen Euro kostete der Bau der Tauern Spa World, einer riesigen Wasser- und Saunawelt. Seit 2010 können große und kleine Skihelden -ihren müden Knochen im wohlig warmen Wasser neues -Leben einhauchen, und das mit einem spektakulären Blick auf das 3.203 Meter hohe Kitzsteinhorn. Wahrlich keine schlechte Art und Weise, einen Skitag ausklingen zu lassen.

zellamsee-kaprun.com