+43 1 740 32-0willkommen@gutereise.eu
Blick auf das Städtchen Portoferraio, wichtiger Fährhafen der Insel Elba. © GettyImages

Insel Elba: Juwel der Toskana

Elba ist eine Insel voller Legenden, steinerner Kreaturen und viel unberührter Natur, die nicht nur das Herz Napoleons im Sturm erobert hat.

Man nehme azurblaues Wasser und kleine idyllische Meeresbuchten, füge grüne Hügel und mediterranes Flair hinzu und toppe das Ganze mit viel Ruhe: Elba ist wahrlich eine Insel zum Verlieben und bietet Gästen Entschleunigung pur. Mit den typischen Küstenstädtchen, die von dicht bewachsenem Hinterland ­umrahmt werden, beeindruckt Italiens drittgrößte Insel mit Nostalgie und Natur. 

Breite Schnellstraßen, wo sich unzählige Urlauber-Mietwagen tummeln, sucht man vergebens. Stattdessen schlängeln sich die Verkehrswege in Serpentinen die kleinen Berge hinauf und hinunter, stets begleitet von traumhaften Ausblicken auf das in der Sonne glitzernde Mittelmeer. Elba liegt nur rund zehn Kilometer vom italienischen Festland entfernt. Die Fahrt mit der Fähre vom Hafen Piombino aus dauert gerade mal eine halbe Stunde. 

Im Trend: Green & Slow

Im toskanischen Urlaubsparadies wird in den „umweltfreundlichen“ Tourismus ­investiert, besonders im nordwestlichen Teil Elbas rund um den Ort Sant’Andrea. Hier lautet das Ziel: grüner und ruhiger Tourismus. „Die Lage und das Klima machen aus dem Gebiet quasi eine kleine ‚Insel auf der Insel‘“, erklärt Touristik­experte Maurizio Testa.

Über Stock und Stein

Erholungsuchende sind meist Familien mit kleinen Kindern sowie Paare, welche die Natur genießen wollen. „Viele zieht es nicht nur zum Baden in den Süden, beliebt sind hier auch Hiking und Trekking.“ Die Tour, auf der mich Fremdenführerin Frederica Ferrini begleitet, führt zunächst die Küste entlang. Kein anstrengender Weg, aber durch große Gesteinsbrocken und Stufen im Felsen mit etwas Kraxelei verbunden.

Die Insel Elba ist Teil des ­Parco Nazionale Arcipelago Toscano – dem Nationalpark Toskanischer Archipel. Das Gebiet hinter der Küste ist hügelig, gelegentlich auch gebirgig, der Monte ­Capanne mit 1.019 Metern der höchste Berg Elbas. „Hier im Nordwesten haben wir besondere Granitformationen, oft mit eingeschlossenen Feldspatstückchen, die wie Kristalle schimmern“, schwärmt Frederica. Geologen aus der ganzen Welt kommen dafür extra auf die Insel. Auch ich muss zugeben, die schillernden Felsen sind ein einmaliger Anblick.

Beim nächsten Felsblock muss ich direkt zwei Mal hinsehen. Über mir erhebt sich ein riesiger Drachenkopf. „Unsere ‚Steinmonster‘ haben öfter jemanden ungläubig blinzeln lassen“, weiß die Führerin. „Bei den Skulpturen handelt es sich um ­natürliche Steinformen, die sich aufgrund von Erosionen und Witterungseinflüssen gebildet haben.“ Sie sind auf der ganzen Insel zu finden und tragen alle Namen. Einige sind auf die besondere Form der Felsen zurückzuführen, andere beziehen sich auf lokale Legenden oder geschichtlich belegte Vorkommnisse. So wie der einem Sessel ähnelnde Stein „Napoleon’s Seat“, von dem aus der einstige Kaiser die Insel damals verlassen haben soll.

Deep blue sea

Freiwillig verlassen möchte man diese Insel aber bestimmt nicht. Gleicht doch nicht nur die Natur zu Lande einer ­kon­tinuierlichen Entdeckungsreise. Auch ­unter Wasser gibt es viel zu erkunden. Taucherbrille auf, Schwimmflossen an und los geht es! 

Mit wachsamer Miene steuert Andrea Romoli das kleine Schlauchboot an der nördlichen Küste entlang. Dabei gleitet sein Blick immer wieder gen Himmel. Am Horizont ziehen dunkle Wolken und ein frischer Wind bläst. „Ein Scirocco zieht auf“, erklärt der Tauchschulbesitzer. „Der heiße Wind weht von der Sahara Richtung Mittelmeer und kann Geschwindigkeiten eines tropischen Wirbelsturms erreichen. Man muss immer achtsam sein auf dem Wasser.“

Aber auch in den Fluten heißt es „Augen auf!“ für mich. Mit fließenden Bewegungen pflüge ich langsam durchs Meer. Links unter mir ein Schwarm Doraden, rechts ein altes Schiffswrack. Seine besten Zeiten hat das ehemals stattliche Gefährt längst hinter sich. Nicht so die kleine Höhle, die nur ein paar Meter entfernt halb unter Wasser liegt. Rosafarbene Algen überziehen ihre Wände und lassen sie so prunkvoll wirken.

Tradition auf der Zunge

Bewegung macht hungrig. Zum Glück ­erwartet mich Küchenchef Simone Giacomelli schon. In seiner Trattoria La Nassa hat er alles für einen Corollo d’Elba, den typisch elbanischen Zitronenkuchen, bereitgestellt. Heute ist es Brauch, den Kuchen als Dankeschön bei Einladungen mitzubringen. Dazu trinkt man ­Aleatico, einen süßen Likörwein.

„Früher sind am ersten Sonntag im Mai alle Burschen durchs Dorf gezogen und haben Lieder für die Mädchen gesungen. Am nächsten Tag haben sie Holzstecken vor ihren Türen befestigt, die Mädchen haben dann ihrem Auserwählten den Kuchen draufgesteckt“, erzählt Simone. „Ob das derjenige mit dem schönsten Gesang oder der schönsten Frisur war – man weiß es nicht“, schmunzelt der Bäcker.

Von Bauern und Piraten

Diese nette Tradition kann ich gleich fortführen, denn ich bin der Einladung von Nello Anselmi gefolgt. Er sitzt im Schatten einer großen Platane im Garten des Hotels Cernia und lächelt mich breit an, als ich ihm zur Begrüßung einen Teller mit Kuchen hinstelle. Nello ist Autor des regional berühmten Kinderbuchs „Der Delfin und der Aal“ und hat den Bildband „Monsters in Stone“ herausgegeben.

Der 83-jährige Schriftsteller und Fotograf wohnt schon sein ganzes Leben in Sant’Andrea und kennt Elba wie seine Westentasche. „Früher lebten hier nur arme Weinbauern in den Bergdörfern. Es gab kein fließendes Wasser und keinen Strom. Die schmalen Pfade, die heute als Wanderwege genutzt werden, waren die ‚normalen‘ Straßen, auf denen die Bauern zur Weinernte gelangten und von denen aus sie herannahende Piratenschiffe an der Küste beobachteten.“

Zum Glück ist das nun ein bisschen komfortabler. Und auch Piraten sind weit und breit keine zu sehen. Was der 224 Qua­dratkilometer großen Insel aber geblieben ist, ist die Ruhe und Gelassenheit. Ganz nach dem Motto: Entschleunigen, Energie tanken, Elba genießen!

Mehr Infos unter www.visitelba.de, www.italia.it

GUTE TIPPS

Wohnen

HOTEL SANT’ANDREA
Wer Ruhe sucht, ist hier gut aufgehoben. Gefrühstückt und entspannt wird mit herrlichem Blick auf das Mittelmeer. Das Hotel ist seit jeher ein Familienbetrieb mit angenehmer Atmosphäre.
www.hotelsantandrea.com

HOTEL ILIO
Stilvolles Boutique-Hotel in Hanglage mit Blick über das Meer. Es befindet sich fünf Gehminuten vom Strand Sant’Andrea und sieben Kilo- meter vom mittelalterlichen Bergdorf Marciana entfernt.
www.hotelilio.com

Sport

TAUCHEN UND SCHNORCHELN
Die Tauchschule Il Careno liegt fast direkt am Strand von Sant’Andrea und bietet Tauchgänge für Anfänger und Fortgeschrittene an. Dabei erkundet werden kann beispielsweise das Hausriff Le Cote Piane. Wer sich noch nicht an einen Tauchgang heranwagt, kann es zuerst mit Schnorcheln probieren. Die bunten Fisch- schwärme, die mit rosa Algen bewachsenen Höhlen und die Unterwasserfelsen muss man gesehen haben.Das Equipment wird zur Verfügung gestellt.
www.ilcareno.com

HIKING UND TREKKING
Selten gelangt man so rasch zu Fuß vom Meer in die Berge wie auf Elba. Die Insel hat ein gut beschildertes Wanderwegnetz. Wer müde wird, lässt sich einfach per Seilbahn in nur 18 Minuten auf Elbas höchsten Gipfel, den Monte Capanne, chauffieren.
www.visitelba.com

Natur

STEINMONSTER
Man findet die natürlich geformten Steinformationen, die wie Tiere und Figuren aussehen, entlang der Küs- ten und in den Bergen. Sie erreichen Höhen von bis zu zehn Metern und haben alle eigene Namen. Ein beschil- derter Rundweg (Sentieri dei Mostri di Pietra) führt zu den bekanntesten Figuren.
www.mostridipietra.it

STRÄNDE
Die Strände Elbas bestechen durch ihre Vielfalt. Neben den langen Sandstränden gibt es auch Kiesstrände und kleine versteckte Buchten entlang der Küste. Ein heißer Tipp ist der Strand von Cavoli. Er be- findet sich auf der Südseite der Insel, nahe der Gemeinde Marina di Campo. Das Wasser ist klar und wird nur langsam tiefer. Besonders geeignet für einen Besuch mit Kindern.
www.infoelba.net​​​​​​​

Geniessen

TRATTORIA LA NASSA
Frisch zubereitete, typisch lokale Gerichte. Ein Tipp sind die Tagesgerichte und die Meeresfrüchte. Die kleine Karte bietet, was das Herz begehrt – elbanischen Wein und gute Desserts inklusive.
www.caposantandrea.it/ de/struttura/trattoria- di-mare-la-nassa​​​​​​​