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Christiane und Johannes Scheiblauer. © weinfranz.at

Auf den Ursprung besonnen

Mit dem Schloss an der Eisenstraße und dem RelaxResort Kothmühle führt Christiane Scheiblauer gemeinsam mit ihrem Mann Johannes zwei absolute Top-Betriebe. Die engagierte Unternehmerin ist als Mostbaronin Expertin für die besonderen Birnen der Region, sie weiß auch viel über die ­Geschichte der Mostproduktion.

Die Mostviertler Birne ist eine Zwischenform von Wild- und Tafelbirne. Sie eignet sich außergewöhnlich gut zur Most-, Saft- und Schnapserzeugung. Unsere Birnen sind sehr hantig. Was das heißt? Wenn du von einer abbeißt, spuckst du sie sofort wieder aus, weil so viele Gerbstoffe drinnen sind. Das mundet einfach nicht. Aber genau diese Gerbstoffe sind es wiederum, die einen einzigartigen Geschmack in der Saftproduktion ergeben.

Im Mostviertel haben wir die höchste Birnbaumdichte Mitteleuropas. Bei uns gibt es an die 200 Sorten, wobei heute etwa 30 Sorten intensiv genutzt werden. Kaiserin Maria Theresia hat sie damals stark gefördert. Sie hat angeordnet, dass jeder Bauer Birnbäume pflanzen muss, um für eine ausreichende Mostproduktion in der Monarchie zu sorgen. Um 1900 gab es noch eine Million Birnbäume im Mostviertel. 

In den Jahrzehnten der Kriegswirren hat sich das stark ­geändert. Der Most ist fast in Vergessenheit geraten, viele Bäume wurden gerodet. Limonaden und Bier haben ihn verdrängt. Seit 20 Jahren wird wieder fleißig gepflanzt, es dauert allerdings 30 Jahre, bis ein Birnbaum den vollen Ertrag bringt. Dann allerdings kann er bis zu einer Tonne liefern. Aktuell gibt es bei uns rund 400.000 Birnbäume.

Ich bin stolze Mostbaronin, pflege und verbreite mit Leidenschaft die Kultur der Mostbirne. Die Grundidee der Gemeinschaft hatte der Toni Distelberger 2003. Begonnen hat das mit unserem EU-Beitritt. Die Bauern, die alle Mischbetriebe hatten, mussten sich neu orientieren. Und viele haben sich auf ihren ­Ursprung, die Obstproduktion, zurückbesonnen. Wie man Mostbaron wird? Gar nicht. Man wird auserkoren. Wer sich besonders engagiert, als Produzent, Unternehmer oder Wirt, wird gefragt, ob er an der erlesenen Gruppe teilhaben möchte. Wer zustimmt, wird im Rahmen der Mostwallfahrt mit einem Gelöbnis zum Mostbaron geschlagen. 

Die Mostbarone

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte der Most der Region Wohlstand. Im Volksmund ­wurden die erfolgreichen Bauern „Mostbarone“ genannt. Der ­Begriff wurde Anfang des 21. Jahrhunderts wiederbelebt.