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Monika Reiter, 50 Jahre Museumsführerin, Mostviertel-Expertin, Gespenster-Freundin. © weinfranz.at

Im Reich der schwarzen Giraffen

Mit riesigen Hämmern wurde in Lunz am See (und in vielen anderen Orten des Mostviertels) einst das Eisenerz bearbeitet. 

Die Hammerherren galten als verantwortungsvolle, soziale Arbeitgeber, die bis zum Beginn der Industrialisierung das Leben in der Region prägten. Monika Reiter erzählt über das Hammerherrenmuseum Lunz am See das nicht nur viel über die Geschichte verrät, sondern möglicherweise auch ein Gespenst beherbergt.

 Mein Museum ist im Hammerherrenhaus Lunz am See, das ­sogenannte Amonhaus. Es wurde 1551 erbaut und gilt als einer der schönsten Renaissancebauten Österreichs. Der bedeutendste Hammerherr war, wie der Name schon sagt, Johann Franz von Amon (1754–1825). Er hatte sich in den Franzosenkriegen einen solchen Namen gemacht, dass sogar Kaiser Franz im Jahre 1810 in Lunz am See erschien und ihm „Im Seinem und im Vaterlands Namen“ für sein Tun dankte.

Im in der Nähe gebauten Hammerwerk wurde das Roheisen, das vom Erzberg kam, zu schmiedbarem Eisen weiterverarbeitet, und zwar mithilfe des Zerrennhammers, der mit Holzkohle befeuert wurde. Wie der ausgesehen hat? Stellen Sie sich einen normalen Hammer vor, nur viel größer. Er konnte bis zu einem Meter hoch sein und wurde von einem Wasserrad angetrieben.

Im ersten Raum unseres Museums sind die Geschichten jener Familien dargestellt, die in diesem Haus gelebt haben. Eine von ­ihnen war jene eben dieses Herrn von Amon, er hatte mit drei Frauen 20 Kinder, 14 Söhne und sechs Töchter. Hammerherren waren sehr reich und hatten großen Einfluss. Sie wurden als „Schwarze Grafen“ bezeichnet. Dies war ein Ehrentitel, da sie sozial ganz großartig ­waren. Sie haben ihre Leute versorgt und haben darauf geachtet, dass es ihnen gut geht. Auch heute noch wird der Titel eines „Schwarzen Grafen“ an jene Menschen verliehen, die sich um die Eisenstraße verdient machen.

Im zweiten Raum wird der Zerrennhammer gezeigt, wie auch die Entwicklung des gesamtes Standes. Außerdem muss man wissen, dass Schmiede hochspezialisiert waren. Es gab Waffen- und Sensenschmiede, Sichel- und Scherenschmiede, einen Nagelschmied und einen, der nur Kreuze gemacht hat, usw. Diese Schmiede waren Könner ihres Faches.

Außerdem erfährt man, wer in der Produktion noch wichtig war – nämlich die Holzknechte, Köhler und Fuhrleute. Die Eisenverarbeitung war hochkomplex.

Der letzte Raum ist eine alte Rauchküche aus dem 16. Jahrhundert. Sie war viele Jahrzehnte mit Brettern vernagelt und wurde erst entdeckt, als die Gemeinde 1964 das Haus kaufte.

Nachdem die letzte Besitzerin Clara von Amon verstorben war (1816–1877), wechselte das Haus immer wieder den Besitzer. Eine Zeitlang war es auch ein Gasthaus. Aber die Leute sind nicht reingegangen, weil es geheißen hat, die Clara von Amon würde dort spuken. Ob das stimmt? Na ja, manchmal geht aus unerklärlichen Gründen eine Tür auf oder zu. Wir sagen dann, ah, die Clara, aber wir machen uns niemals lustig darüber oder fürchten uns.

Sie ist halt immer da, die Clara.

Ab ins Hammerherrenmuseum

Das einstige ­Hammerherrenhaus in Lunz am See gibt ­einen interessanten Einblick in die Geschichte der Eisenerzverarbeitung in der Region.

lunz.at