Europa
Das Abendmahl ist ein Höhepunkt der Passionsspiele. © Passionsspiele Oberammergau 2020

42. Oberammergauer Passionsspiele

Im Jahr 2020 werden bereits die 42. Oberammergauer Passionsspiele stattfinden. Das eindrucksvolle Schauspiel geht auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück und gilt als eines der wichtigsten religiösen und kulturellen Ereignisse in Deutschland.

Am 20. Oktober 2018 war der Auftakt der Passionsspiele Oberammergau. Stilecht erneuerte man bei einem Festgottesdienst das Gelübde von 1633. Das besagt, dass Oberammergau alle zehn Jahre die Passionsspiele aufführt, solange niemand an der Pest erkrankt. Gott sei Dank gab es bis heute keinen Grund, den Pakt zu beenden. Im Anschluss an den Gottesdienst verkündete man, wer die Darsteller der Spiele sein werden.

Rund 2.400 Oberammergauer sind mit von der Partie, unter anderem in beeindrucken Massenszenen wie dieser in der Jesus Jerusalem betritt. © Passionsspiele Oberammergau 2020

Ein Dorf steht Kopf

Das Besondere: Bei den Passionsspielen darf nur mitmachen, wer aus Oberammergau stammt oder seit mindestens 20 Jahren dort lebt. Dass die Integrität der Spiele so unnachgiebig gewahrt wird, ist sicher einer der Gründe für den Erfolg und den Mythos Oberammergau. Neben den großen Figuren Jesus, Maria, Petrus, Judas, Pontius Pilatus und Kaiphas gibt es 120 größere und kleinere Sprechrollen. Es werden rund 2.400 Einheimische, darunter über 500 Kinder, an den Spielen teilnehmen.

Die Kulisse wird auch 2020 begeistern. Links und rechts sieht man den Chor. © Passionsspiele Oberammergau 2020

Spiegelbild der Zeit

Insgesamt erwartet Oberammergau 450.000 Besucher an 103 Spieltagen, darunter Gläubige ebenso wie Liebhaber des Theaters. Die Menschen kommen aus aller Welt, um das geschichtsträchtigste Festival der Welt zu sehen. So sehr das Festival auch in der Geschichte Bayerns verankert ist, jede Aufführung ist auch irgendwie ein Schnappschuss ihrer Zeit. "An der Aufführung ändert sich jedes Mal enorm viel", sagt Christian Stückl, der 2020 bereits zum vierten Mal Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele sein wird. Christian Stückl inszenierte bereits den "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen und zuletzt arbeitet er am Burgtheater in Wien.

Der Judaskuss. © Passionsspiele Oberammergau 2020

"Da die Passionsspiele alle zehn Jahre stattfinden, muss ich den Text immer neu schreiben, die Geschichte neu erzählen. Es fließen Erkenntnisse mit ein, die ich beim letzten Spiel gewonnen habe, und es muss auch die jeweilige Zeit und die politischen Umstände widerspiegeln." Der gesellschaftliche Wandel geht auch an der Institution nicht spurlos vorüber. Seit 1990 dürfen verheiratete Frauen mitspielen. 2020 ist mit Abdullah Karaca erstmals ein Moslem zweiter Spielleiter.

Kein Aufwand gescheut

Auch die künstlerische Gestaltung wiederholt sich nie, was mit ein Grund dafür ist, dass viele Besucher seit Jahrzehnten immer wieder kommen. Nach den Entwürfen von Stefan Hageneier entstehen für 2020 neue Kostüme und Bühnenbilder. Markus Zwink, der Musikalische Leiter der Spiele, wird die Musik bearbeiten und in den nächsten Monaten die 120 Chormitglieder und das 70-köpfige Passionsorchester besetzen.

Pilates verurteilt Jesus zum Tod. © Passionsspiele Oberammergau 2020

Fahrplan zu den Passionsspielen Oberammergau

Ab jetzt geht's Schlag auf Schlag. Ab Aschermittwoch 2019 lassen sich der alten Tradition gemäß alle Mitwirkenden die Haare wachsen. Die Männer verzichten auch auf die Rasur. Im Juli 2019 hat ein Stück das die Entstehungsgeschichte der Passionsspiele nacherzählt Premiere.

Das Werk handelt von der Geschichte des Tagelöhners Kaspar Schisler, der 1633, in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs, als Knecht bei einem Bauern in Eschenlohe arbeitete. In dem Ort wütete, wie damals in vielen Teilen Bayerns, der sogenannte Schwarze Tod: die Pest. Dank strenger Wachen an den Ortsgrenzen war Oberammergau verschont geblieben. Doch dann kam Kaspar Schisler. Der Tagelöhner hatte Sehnsucht nach Frau und Kindern, und so schlich er sich zum Kirchweihfest an den Pestwachen vorbei ins Dorf.

Die Rolle des Jesus ist auch für Darsteller emotional herausfordernd. © Passionsspiele Oberammergau 2020

Schon am Montag nach der Kirchweih war er tot, und im Oktober starben 84 weitere Bewohner. In ihrer Not gelobten die Oberammergauer, alle zehn Jahre die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu aufzuführen, damit Gott ihr Leiden beende. Seit diesem Tag, so die Überlieferung, starb kein Einwohner mehr an der Pest. Im Folgejahr 1634 führten dann die Oberammergauer zum ersten Mal die Passionsspiele auf.

Im November 2019 beginnen die Proben für die 42. Passionsspiele. Chor und Orchester werden etwas früher beginnen, und die Darsteller der Hauptrollen werden sich bei einer von Theologen begleiteten Fahrt nach Israel im September 2019 auf ihre Aufgabe vorbereiten.

Die Kreuzigung in Oberammergau ist ein bewegendes Schauspiel. © Passionsspiele Oberammergau 2020

103 Vorführungen voller Tradition

Die große Premiere findet dann am 16. Mai 2020 statt. Die fünfstündige Aufführung beginnt nachmittags mit dem Einzug in Jerusalem und erzählt die Passionsgeschichte vom Abendmahl bis zur Kreuzigung. Sie endet in den Abendstunden mit der Auferstehung. Insgesamt sind 103 Vorstellungen geplant, die letzte findet am 4. Oktober 2020 statt.

Weitere Informationen zum Reiseland Deutschland finden Sie unter: www.germany.travel

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