© Christoph Rhabek

Abenteuer auf der Donau

Mit dem Twin City Liner von Wien nach Bratislava (und retour) – von Inseln im Strom und faszinierenden Burgen, dem schönen Náci und Schiffen, die talwärts fahren.

Text: Wolfgang Wieser

Ein Silberreiher hebt am linken Flussufer ab. Mit kräftigen, selbstbewussten Flügelschlägen fliegt er vor unserem Twin City Liner her. Unvermutet dreht er nach rechts ab und landet mit weichem, weitem Schwung auf einer nahe des rechten Ufers gelegenen Sandbank. Wir fahren stromaufwärts und nähern uns mit rund 50 Stundenkilometern dem Donaukanal.

In wenigen Minuten werden wir anlegen. Auf den Balkonen der Fischerhütten, die in regelmäßigen Abständen auf den Uferböschungen stehen, herrscht jetzt - anders als am Morgen - reges Treiben. Ein Mann schmirgelt am Balkongeländer herum, auf der Terrasse nebenan sinkt eine Frau lachend in ihren Liegestuhl, ein Fischer mit Hang zur Ironie hat sein Häuschen "Villa Canale Grande" getauft. Die beiden 1.000-PS-Motoren unseres Schiffes brummen sanft, es geht am Badeschiff vorbei, gleich sind wir am Schwedenplatz.

Wir kehren heim in die Stadt. Und wie immer, wenn man mit einem Schiff ankommt, fühlt man sich einen Hauch erhabener als der Rest der Welt. Unsere kleine Reise in die slowakische Hauptstadt Bratislava hat an einem strahlend schönen Sommermorgen begonnen. Punkt neun Uhr löst eine junge Dame die Leinen. Rasch legen wir ab. An Bord des Twin City Liners tummeln sich ganz unterschiedliche Menschen: ein Bursche mit Kopfhörern in den Ohren, zwei Geschäftsmänner in dunklen Anzügen, eine Frau mit bunten Haaren und ein amerikanisches Paar mit vielköpfiger Kinderschar.

Durch den Auwald

Nach knapp zwei Minuten fahren wir unter der Tangente durch, wenig später passieren wir die Ostautobahn. Exakt 18 Minuten brauchen wir bis zur Donau. Rund 250 Meter ist sie hier breit, etwa vier Meter tief. Der 34 Meter lange Twin City Liner beschleunigt auf 50 km/h. 40 Tonnen wiegt das Schiff und sein Tiefgang beträgt einen Meter.

Auf den Sandbänken liegen glatte graue Baumstämme, ein Mann spielt am Ufer mit seinem Hund. Wir stehen auf dem Oberdeck, als sich der Twin City Liner mit 60 km/h der Stadt Hainburg nähert. Der Fahrtwind ist kräftig, wir stemmen uns lachend dagegen. Aus den beiden Jetdüsen sprudelt das Wasser. Wer jetzt die Sonne genau im Rücken hat, sieht am Heck einen Regenbogen.

Kapitän Martin Sarczuk meldet sich über Lautsprecher: "In wenigen Minuten erreichen wir die slowakische Hauptstadt Bratislava." Wir passieren die Thebener Pforte, die der slowakische Thebener Kogel (514 m) und der österreichische Braunsberg (346 m) bilden. Links, am Zusammenfluss von March und Donau, winden sich die Überreste der Thebener Burg um ein beeindruckendes Felsmassiv.

Kolossale Aussicht

Am rechten Ufer erkennen wir das UFO, eine einzigartige Aussichtsplattform. Sie thront in achtzig Metern Höhe auf einem der Träger der Brücke des slowakischen Nationalaufstands und bietet eine kolossale Fernsicht. Bratislava! Wir sind da. Von der Anlegestelle sind es nur wenige Schritte ins Zentrum. Wir spazieren durch die Stadt. Natürlich schauen wir bei der Statue des schönen Náci vorbei. Das Denkmal steht am Fischertor vor dem Café Mayer und erinnert an Ignác Lamár (1897-1967), ein stets in Zylinder, Frack und Lackschuhen gekleidetes Original, das Damen gerne mit einem höflichen "Küss die Hand, Gnä' Frau!" begrüßte.

Kapitänin am Steuer

Wir werfen einen Blick in die faszinierenden Räume der historischen Konditorei Kormuth, kaufen vis-à-vis handgemachtes Naschzeug in der Bon-Manufaktur, schlendern vorbei am Martinsdom und steigen schließlich hoch zur Bratislaver Burg. Die Aussicht auf die Stadt ist von hier heroben großartig. Die Donau funkelt im Sonnenlicht. Ein paar Stunden später klopfe ich an die Tür der Captain's Lounge. Zwei Kapitäne steuern den Twin City Liner, Stefanie Oberlechner und Martin Sarczuk.

Frau Kapitän führt das Kommando: "Auf schnellen Schiffen müssen immer zwei Kapitäne sein", erklärt sie. Muss man auf der Donau rechts fahren? "In bestimmten Bereichen ist es geregelt, aber üblicherweise ist es so, dass bei der Begegnung zweier Schiffe über Funk vereinbart wird, wer wo fährt." Und wer hat Vorrang? "Der, der zu Tal fährt", sagt Frau Kapitän, "also flussabwärts." Ein Mann paddelt dem Twin City Liner in Ufernähe in einem Kanu entgegen: "Der macht alles richtig." Wenig später wagt sich ein anderer in das Kielwasser eines Frachtschiffs.

Ein leichtsinniges und gefährliches Unterfangen. Stefanie Oberlechner schüttelt den Kopf. Auf der Armatur vor ihr eine Vielzahl von Knöpfen ("Solange nichts blinkt, ist alles in Ordnung"), ihr Co-Kapitän lässt den Strom nicht aus den Augen. "Der Fluss verändert sich ständig, die Donau hat viele Gesichter." Wir haben heute ihre freundlichsten gesehen. 

 

 

Twin City Liner

Tickets

Schnell. Tickets für den Twin City Liner können online oder telefonisch gebucht werden (Aktionen beachten!). Abfahrt ist am Wiener Schwedenplatz, Hotline: 01/904 88 80.

Spezialtour

Gourmet-Fahrt. Jeden Freitag und Samstag fährt der Twin City Liner in das Fischrestaurant „Humers Uferhaus“ in Orth an der Donau. Das Gour-metticket gibt es ab 78 Euro. 

Neues Schiff

Flottenzuwachs. 2019 wird ein dritter Twin City Liner die Flotte vergrößern. Das Schiff wird bis zu 250 Passagieren (derzeit 140) Platz bieten und von vier starken Motoren angetrieben.