Österreich
© Daniel M. Frei

Bodensee hautnah

Die Ostschweiz ist so nah und trotzdem für viele eine Terra incognita. Dieses Manko kann man leicht beheben, denn jetzt ist die beste Zeit, die Region um den Bodensee und St. Gallen als städtisches Herzstück zu erkunden.

Es ist nur ein Katzensprung von Bregenz nach St. Gallen. Die Grenze zur Schweiz ist schnell überquert, und nach 40 Autominuten gelangt man schon ins Zentrum der Ostschweiz. Die 75.000-Seelen- Stadt im Vierländereck geht auf einen Zufall und auf den irischen Wandermönch Gallus zurück: Dieser streifte im Jahr 612 durch das Steinachtal, als er über eine Wurzel stolperte. Ein Zeichen Gottes? Auf alle Fälle war für ihn das Missgeschick Anlass, dort zu bleiben und eine Hütte zu bauen.

Gallus blieb nicht lange -alleine, Anhänger schlossen sich ihm an und bauten die erste Kirche im heutigen St. Gallen. Hundert Jahre später entstand daraus das Kloster St. Gallen. Mit seiner imposanten, doppeltürmigen Kathedrale wurde es zu einem bedeutenden geistigen Zentrum Europas und ist heute mit seinen Schätzen ein Muss für Touristen. Alleine schon der St. Galler Klosterplan, die älteste Architekturzeichnung des Mittelalters, oder das älteste deutschsprachige Wörterbuch sind für Kulturbeflissene einen Besuch wert. Eine "wiedergeborene" Attraktion ist der rundum erneuerte Gewölbekeller der Stiftsbibliothek (siehe auch Infoleiste rechts), der ab Ende November wieder zu besichtigen ist.

Rundumblick ins Land

Nach diesen Kunstjuwelen will man sich gern einen Überblick verschaffen. Den gewinnt man am besten mit der vor 125 Jahren gegründeten St. Galler Mühleggbahn, mit der man von der Altstadt aus den südlichen Stadthügel erklimmt. Wanderfreunde können auch die Mülenenschlucht erklimmen. Oben angekommen, wird man mit einer fantastischen Aussicht auf die Stadt belohnt und kann sich am Rundumblick bis zum Bodensee erfreuen, der so richtig Lust macht, das Umland von St. Gallen zu erkunden.

Da kommt das "Mobility-Ticket" der Region wie gerufen, denn für Beherbergungsgäste heißt es "Freie Fahrt" mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die erste Station ist die Äbtestadt Wil zwischen St. Gallen und Winterthur. Die Fahrt mit der Bahn dauert nicht länger als eine halbe Stunde. Der Rundgang durch die kleine, aber feine Altstadt versetzt einen in alte Zeiten zurück und bietet Attraktionen wie den markanten Bau des Hofs zu Wil, das Gerichts- oder das Baronenhaus.

Auf dem Rückweg nach St. Gallen steht eine süße Einkehr auf dem Programm: Das Maestrani's Chocolarium in Flawil bietet nicht nur einen Blick hinter die Kulissen einer Schokoladenfabrik, sondern auch die Degustation der leckeren Kreationen. Wer auf total individuellen Genuss steht, kann hier seine eigene Schokoladensorte kreieren.

Vom See zum Wein

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des traumhaften Ufers des Bodensees. Die Gegend gilt ja als Region der kurzen Wege, so ist man in einer Viertelstunde in der schmucken Hafenstadt Rorschach. Hier kann man so richtig Ferienfeeling erleben.

Wahrzeichen der Stadt ist das Kornhaus, das im 18. Jahrhundert als Getreidespeicher erbaut wurde und Rorschach zur wichtigsten Handelsstadt für Getreidehändler aus dem süddeutschen Raum machte. In Nostalgie eintauchen kann man auch direkt am See: Die hölzerne Badeanstalt aus dem Jahr 1924 steht auf Pfeilern im Bodensee. Sie ist heute das letzte der historischen Badehäuser am Schweizer Ufer und noch immer in einen Männer- und einen Frauentrakt geteilt.

Als Abschluss einer Tour durch die Ostschweiz sei noch eine Wanderung empfohlen, nämlich durch das Weinbaugebiet des Rheintales. Hier gedeihen mehr als 20 verschiedene Traubensorten, deren Früchte sich jetzt zur Lesezeit verkosten lassen. Und dann wartet der Jungwein auf Wanderer.

GUTE TIPPS:

Bibliothek

Weltkulturerbe. Die 1758 errichtete Stiftsbibliothek von St. Gallen zählt zu den schönsten historischen Lesesälen der Welt. Besondere Attraktion ist ein mehr als zwei Meter hoher Globus aus dem 16. Jahrhundert. Aktuelle Aus­stellung: Bis 4. 11. ist noch die Schau „An der Wiege Europas – Irische Buchkultur des Frühmittelalters“ zu sehen.

Textilmuseum

Stoffwelten. St. Gallen und die ­Ostschweiz haben eine große Tradition als Textilregion. Die Sammlung des ­Textilmuseums gibt einen Einblick in die facettenreiche Geschichte dieser Branche, von den Anfängen bis zur Gegenwart. Spätantike Gewebe aus koptischen Gräbern Ägyptens sind ebenso ausgestellt wie Kreationen moderner Designer.