Europa

Der Traum des Kapitäns

© Temes/Costa Navarino

Messenien im Südwesten des Peloponnes begeistert mit landschaftlicher Schönheit und reichem Kulturerbe. Touristen aus aller Welt haben das bisher verschlafen. Das Leucht-Turmprojekt Costa Navarino versucht das seit Jahren zu ändern.

Text: Alexis Wiklund

Kapitän Vassilis Constantakopoulos war ein Held Messeniens. Daher trägt der kleine Flughafen von Kalamata seinen Namen. Der Bauernsohn aus dem Bergdorf Diavolitsi hat sein Glück einst auf hoher See gemacht. Er besaß die größte private Frachtschifffahrtsgesellschaft der Welt. Doch seine arme Heimat hat der schwerreiche Reeder nie vergessen: wo die Olivenhaine bis zum azurblauen, in der Sonne glitzernden Ionischen Meer reichen und gelegentliche Zypressen, kleine Weingärten und Obstplantagen das fruchtbare Hügelland wie einen Garten Eden erscheinen lassen.

Die faszinierende Region am westlichen Zipfel des Peloponnes beherbergt große Kulturstätten aus mykenischer Zeit, byzantinische Kirchen, mittelalterliche Burgen und osmanische Bauwerke. Und trotzdem verlaufen sich immer noch kaum Touristen in den tiefen Süden Griechenlands. Messenien ist in der Welt nur durch die großen, saftigen Kalamata-Oliven und das exzellente, phenolreiche Öl der winzigen Koroni-Oliven bekannt. Kapitän Vassilis wollte das ändern.

Seine für viele in den 1980er-Jahren völlig verrückte Vision für den Aufschwung: nachhaltiger, landschaftsverträglicher Luxus-Tourismus. Umsichtig holte er für sein Mega-Projekt Costa Navarino prominente Landschaftsplaner, internationale Umweltschützer und die Universität von Saloniki ins Boot. Er kaufte Tausende Grundstücke auf, um aus seiner verschlafenen Heimat endlich ein Urlaubsparadies zu machen. Auch Anna hat Land verkauft.

"Ich habe Kapitän Vassilis vertraut. Und er hat mich nicht enttäuscht", versichert sie. Seit zehn Jahren gibt sie für die Gäste des Luxus-Resorts Costa Navarino Kochkurse in der Hafenstadt Pylos. Sie ist eine von 1.200 Menschen, die für das Luxus-Dorf arbeiten, das umgeben ist von einem riesigen Golfplatz. Unter dem perfekten grünen Rasen der Golfanlagen liegen 150 Kilometer Röhren eines energiesparenden Geothermiksystems.

Im Sommer soll es die geschlossenen Räume der zwei 5-Sterne-Hotels, des exklusiven Spas und der luxuriösen Villen kühlen und im Winter beheizen. In den 21 Restaurants stammt - vom Salat über Olivenöl bis zum Wein - vieles aus eigenem Bioanbau. Doch der wohl größte Luxus liegt außerhalb von Costa Navarino in der Gialova Lagune. Im Naturreservat sind 271 Vogelarten zu Hause. Auch Zugvögel machen hier Halt auf dem Weg von und nach Afrika. Und die Meeresschildkröte Caretta caretta sowie eine in Europa einmalige Population des Afrikanischen Chamäleons leben im größten Feuchtgebiet von Messenien.

Der nur über einen Feldweg erreichbare wildromantische Ochsenbauch-Strand (Voidokilia beach) mit seinen Sanddünen steht ebenfalls unter strengem Schutz. Baden ist jedoch erlaubt. Wer auf Tuchfühlung mit der Antike gehen möchte, der muss den Palast des Nestor besuchen. Er ist tausend Jahre älter als der Parthenon in Athen und bestand - vor allem - aus hartem Olivenholz. Er ist in einem der vielen Kriege abgebrannt. Reste der Anlage lassen jedoch erahnen, dass er weithin sichtbar Reichtum und Macht des Königs Nestor symbolisierte.

Dieser spielte in Homers Ilias eine Rolle als weiser Herrscher. Besser erhalten ist die antike Stadt Messene. Sie beherbergt heute noch eindrucksvolle Monumente wie das steinerne Amphitheater. Und in Pylos erinnern eine Festung und Monumente an die große Seeschlacht, die 1827 in der Bucht von Navarino tobte. Sie war Startschuss zur griechischen Unabhängigkeit von den Osmanen. Ein unvergessliches Ereignis für alle Hellenen.