Österreich
Die Gegend um Bad Kleinkirchheim ist reich an malerischen Ausblicken. © Claudia Schubert

Herbstliche Momente in Bad Kleinkirchheim

Wenn der Sommer dem Herbst weicht, zeigt sich die wunderbare Bergwelt Bad Kleinkirchheims von ihrer schönsten Seite. Egal ob mit dem E-Bike oder zu Fuß: Es gibt jede Menge zu entdecken.

Text: Claudia Schubert

Es ist September, die Nebelschwaden hängen bereits unten im Tal, aber die Straße führt immer höher in Richtung Sonne. Auf 1.319 Metern färbt sich an den Berghängen oberhalb von Bad Kleinkirchheim das Laub schon bunt. Unser Weg führt uns nach St. Oswald, in das Dorf Kirchleitn am Rande des Biosphärenparks Nockberge.

Im Sommer ganz in der Hand von Familien mit Kindern, gehört der Herbst den Wanderern und Bikern. Ein idealer Ausgangspunkt für die Entdeckung der Region. Von hier aus werden wir zu Fuß die sanften und runden Kuppen der Bergspitzen, genannt "Nocken" erkunden und mit dem E-Bike die schönsten Strecken abfahren.

Ferienhäuser mit Geschichte

Untergebracht sind wir im Vier-Sterne-Dorf Kleinwild, einem "Dorf" mit interessanter Geschichte. Auf den ersten Blick sehen die Häuser aus wie alte Bauernhöfe. Aber das ist nicht der Fall, hier wurde aus 600 unbewohnten und zerfallenen Häusern der Region, zum Teil 400 Jahre alt, die Vision von Baumeister Robert Rogner, "Urlaub in den Bergen", in die Tat umgesetzt: Dorf Großwild und Dorf Kleinwild mit insgesamt 44 Häusern und über 160 Appartements.

In Ortschaften wie St. Oswald hat man reichlich Gelegenheit regionale Schmankerln zu erwerben. © Claudia Schubert

17 Häuser stehen im Kleinwild. Da beide Dörfer autofrei sind, bringen wir unser Gepäck mit einem Ziehwagen zum Appartement. Wir wohnen im Haus Nr. 8. Schon beim Betreten erkennt man die Liebe zum Detail, hier steht der Mix aus traditionellem mit modernem Design ebenso im Vordergrund wie die Gemütlichkeit. Kachelofen mit Ofenbank, kuscheliges Sofa zum Chillen und ausgefallene Accessoires ergeben eine angenehme wohnliche Atmosphäre. Die komplett eingerichtete Küche werden wir wohl nicht nutzen, schließlich wollen wir ja die Kärntner Küche genießen.

Streichelzoo und Blocksauna

Der Gang durch das Dorf führt uns vorbei an einem Spielplatz mit Streichelzoo, dem schönen Biotop-Schwimmteich mit großer angrenzender Blocksauna Richtung kleinem Dorfplatz zum Restaurant und der Rezeption. Wo sonst Kinder toben und mit ihren Bobby Cars umherdüsen, ist eine beschauliche Ruhe eingekehrt. In der Rezeption bekommen wir die inkludierte KärntenCard und werden mit Kartenmaterial zum Radeln und Wandern ausgestattet. Es steht also einem sportiven Wochenende nichts im Weg.

Ob mit Führung oder ohne: Für E-Biker ist die Region perfekt geeignet. © Claudia Schubert

Wolfgang Schneeweiss, der mit seiner Frau Margit die beiden Feriendörfer führt, begrüßt uns und hat auch Zeit für einen Plausch. Er möchte uns natürlich persönlich ein paar Tipps für das Wochenende geben. Die beiden zertifizierten Mountainbike-Guides bieten mit dem Hotelteam regelmäßig Bike-Touren vor Ort an. Ein Wochenprogramm, bei dem für jeden etwas dabei ist: zum Beispiel mittwochs die Ladys-Tour, die Margit anführt, oder die wöchentliche Sonnenaufgangstour mit Wolfgang und anschließendem Frühstück im Panoramarestaurant NockIn.

Mit dem E-Bike durch die Berge

Die Region ist ein Paradies für E-Biker, Singletrail-Fans, MTB-Freaks, Tourenfahrer und Genussradler. 700 Kilometer Rad- und Forstwege, für die ganz "Wilden" Trails und Wiesenabfahrten. Wolfgang Schneeweiss zeigt uns auf der Karte die professionell ausgearbeiteten Touren. 40 Touren mit Kartenmaterial zum Downloaden und GPS-Daten stehen zur Verfügung, wenn man ohne Guide durchstarten möchte. Wer mit dem eigenen Bike anreist, kann dies sicher im Fahrradraum unterstellen und nach einem "dreckigen" Trail an der Waschstation pflegen. Für den aktiven Biker ist hier an alles gedacht. Leihräder gibt es im nahe gelegenen Sportgeschäft.

Auch nach tierischer Begleitung muss man nicht lange suchen. © Claudia Schubert

Zum Abschluss unseres Gesprächs möchten wir noch wissen, woher eigentlich die Dorfnamen Großwild und Kleinwild kommen. Wolfgang Schneeweiss erzählt uns, dass regelmäßig Igel, Hasen oder auch mal eine Hirschfamilie durch die Dörfer wandern und so der Name entstanden ist. Wir sind gespannt, ob wir auch Tiere zu Gesicht bekommen. Hören können wir die Hirsche bereits, es ist Brunftzeit und aus den Wäldern tönen ihre Rufe in beeindruckender Lautstärke.

Am Abend lassen wir uns verwöhnen. Die Doaswalder Gastgeber im Ort lassen keine Wünsche offen. Vom köstlichen Apfelstrudel im Gasthof Sportalm über ein saftiges Hirschgulasch, serviert von der freundlichen Resi im Restaurant Berghof, bis zum Restaurant Hinteregger mit seiner Kärntner Küche.

Der nächste Morgen führt uns mit der Nationalparkbahn Brunnach auf die Brunnachhöhe. Auf 1. 902 Metern liegt ein beeindruckendes Panorama vor uns. Das neu gestaltete NockIn gleich neben der Bergstation mit seiner wunderschönen Terrasse lassen uns kurz an einen ersten Stopp denken, aber mit Blick auf die verschneiten Bergspitzen des Großen Rosennock mit 2. 440 Metern oder auf den kleinen und großen Pfannock starten wir unsere Tour. Die Wanderwege sind gut gekennzeichnet.

Auf den Bergen war der Winter heuer besonders früh dran, wie die Schneedecke im Hintergrund zeigt. © Claudia Schubert

Wintereinbruch als Spielverderber

Besonders lohnenswert ist die Nockberge Biosphärenpark-Runde. Mit einer Gehzeit von knapp vier Stunden und einer Weglänge von etwa sieben Kilometern führt sie durch das Naturschutzgebiet und zeigt die sanften Formationen der Nockberge von ihrer schönsten Seite. Hoch oben führt die Runde entlang von Berghängen am Pfannocksee vorbei. Idyllisch gelegene Berghütten und traumhafte Aussichtsplätze mit Blick auf spielende Murmeltiere laden zum Verweilen ein. Wer möchte, kann bei dieser Runde immer wieder einen Abstecher auf die nahe gelegenen Berggipfel machen.

Der frühe Wintereinbruch in diesem Jahr zwingt uns aber heute dazu, auf eine Gipfeltour zu verzichten. Wer hoch hinaus möchte, nimmt die Mallnock-Alpinrunde. Diese führt bis auf knapp 2.300 Meter und ist mit einer Gehzeit von fast sechs Stunden und 13 Kilometern eine anspruchsvolle Tour, die Kondition und Trittsicherheit erfordert. Dafür wird man mit einem atemberaubenden Rundumblick von den Gipfeln der Nockberge belohnt.

Rund um Bad Kleinkirchheim gibt es viele abwechslungsreiche Trails. © Claudia Schubert

Zurück am Ausgangspunkt unseres Rundwegs genießen wir die letzten Sonnenstrahlen und den wolkenlosen Himmel auf der Terrasse des NockIn bei Kaffee und Reindling, einer Kärntner Spezialität, bevor wir wieder ins Tal fahren.

Am Abend lassen wir uns kulinarisch im Dorf Kleinwild verwöhnen. Das Restaurant Bauernwirt serviert regionale Schmankerl und den passenden Wein dazu.

Fachsimpeln auf dem Hüttentrail

Mit den ausführlichen Tipps von Wolfgang Schneeweiss im Gepäck geht es nach einem ausgezeichneten Frühstück mit dem E-Bike auf Tour. Abseits der Autostraßen geht es erst einmal bergab Richtung Bad Kleinkirchheim. Von dort aus geht die Forststraße immer, den Wegpunkten folgend, bergauf. Wir wollen den T9 "Maibrunntrail" fahren. Dieser Singletrail führt vom Gipfel des Kolmnocks (1.850 Meter) den Grat entlang Richtung Osten zur Maibrunn-Bergstation auf 1.750 Meter. Ein schöner Naturtrail, vorwiegend auf Wald und Wiesenwegen und teilweise flachen Wurzelpassagen. Eine sportliche Herausforderung sind auch die Weidezaunübergänge, die wir mit unseren schweren E-Bikes bewältigen müssen. Bei der Bergstation treffen wir auf andere Trail-Fans und es wird ein wenig gefachsimpelt. Weiter geht's Richtung T8 "Rossalmhüttentrail".

Für eine Stärkung unterwegs ist immer Zeit. © Claudia Schubert

Hier startet man von der Rossalmhütte auf 1.900 Metern. Ein naturbelassener, technisch anspruchsvoller Trail mit traumhafter Aussicht im oberen Bereich. Es geht 390 Höhenmeter auf schmalen Wiesenwegen und steinigen Wanderwegen bergab. Auch hier machen wir wieder sportliche Hebeübungen mit dem Rad. Wir machen Rast bei der Wegerhütte, einem Treffpunkt für Downhill-Fans und Biker. Gut gestärkt mit selbst gemachtem Kuchen geht es weiter abwärts Richtung Feld am See - erst durch abwechslungsreiche Vegetation dem Bach entlang und dann weiter, den Feldsee immer im Blick, bergab. Ein schöner Höhenweg führt uns wieder in Richtung Bad Kleinkirchheim.

Unsere Akkus haben wir während der Tagestour noch nicht ganz ausgereizt und so fliegen wir mit hohem Tempo die letzten Kilometer steil bergauf Richtung St. Oswald. Es kommt ein bisschen das Gefühl einer Tour de France bei uns auf und so beenden wir unsere herrliche Rundtour als strahlende Sieger.

Der Heimweg führt uns auf der Nockalmstraße noch einmal durch 34 Kilometer Naturgenuss. 52 Kehren lassen einen immer wieder staunen. Grandiose Naturlandschaften, faszinierende Farbspiele und endlose Wege finden sich dort. Es gibt noch viel zu entdecken, in den Nockbergen.