Österreich

Landschaft für Genießer

Foto: Homolka
Foto: Homolka

Besonders schön gibt sich der Herbst in Sulmtal und Sausal. Hier, südlich der Alpen, haben die Winzer zwar auch unter Hagel und Spätfrost gelitten, die Keller sind aber ausreichend gefüllt, um in den Buschenschanken die prachtvolle Aussicht, manch feinen Tropfen und herzhafte Schmankerln zu genießen.

Im Gegensatz zur Gegend um Gamlitz, wo funkelnde Cabrios die Häuser der Starwinzer ansteuern versteckt sich am Sausal der ursprünglichen Charme gerne ein wenig vor dem Mainstream. Dabei blickt der Hügelzug zwischen Sulm und Laßnitz auf eine lange Tradition als bevorzugtes Siedlungsgebiet zurück, wovon die Fürstengräber aus der Bronzezeit rund um Großklein Zeugnis ablegen.

Man erkennt, wenn man’s weiss, die kleinen überwachsenen Hügel in der Flussebene schon beim ersten Blick aus dem Fenster seines Gästezimmers in Kitzeck, der Gemeinde mit den höchstgelegenen Rieden Österreichs.

Je nachdem, ob man links oder rechts der Straße Quartier bezogen hat, blickt man zur Saualpe, den Karawanken oder ins Vulkanland,  jedenfalls aber weit übers Land. Das kann man übrigens auch von praktisch jeder Buschenschank aus, dabei kann man darüber hinaus auch noch verkosten, was da alles in der malerischen Landschaft gedeiht. 

Das muss nicht nur der Wein sein, der vorzugsweise biologisch gezogen wird, auch sonst gedeiht alles, was Leib und Seele zusammenhält. Natürlich Kürbisse, deren Kerne die Ölmühle Hartlieb in Heimschuh zu aromatischem Öl presst, glückliche Ferkel, die letztendlich zu unserem Vergnügen als Woazschwein auf den Tellern landen, am Besten gemeinsam mit einem Sterz von jenem Mais, der ihnen zu ihrem Namen verholfen hat.

Und dann gibt’s im Sulmtal noch eine kulinarische Rarität, die von radikalen Tierschützern fast schon ausgerottet wurde. Denn das Sulmtaler Huhn kann sich nur als Kapaun zur ganzen Pracht entwickeln, die dafür notwendige Kastration wurde in Österreich – übrigens als einzigem EU-Land – verboten.

Gottseidank hat es sich Gertrude Strohmaier zur Aufgabe gemacht, diese alte Rasse vor dem Aussterben zu bewahren und ihnen die Rangordnungskämpfe mit einer speziellen Futtermischung auszutreiben. Und so dürfen ihre „Buabalen“, wie sie die Hähne zärtlich ruft, ganz ohne Stress frei durch die Gegend laufend, in einem verschlafenen Seitental aufwachsen, bis sie das nötige Schlachtgewicht erreicht haben.

Stolz erklärt Gertrude, dass die Sulmtaler selbst den berühmten Cousins aus Bresse in Qualität und Geschmack in nichts nachstehen, selbst Kaiserin Sisi hat ihr Fleisch geschätzt, es war das einzige, das sie überhaupt zu sich nahm. Sollte also auch unseren hohen Ansprüchen genügen, man muss sich allerdings ins Sulmtal bemühen, in den Handel gelangen die Buabalen nämlich nicht. Die Reise zahlt sich allerdings aus, nicht nur wegen der kulinarischen Reize, eine Landschaft wie diese bewohnt von ausgesprochen warmherzigen Gastgebern findet man sonst nur selten.

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