Österreich

Mit Benni Raich unterwegs im Pitztal

Foto: Pitztaler Gletscherbahn/Daniel Zangerl
Foto: Pitztaler Gletscherbahn/Daniel Zangerl
Foto: Daniel Zangerl
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Foto: TVB Pitztal
Foto: TVB Pitztal
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Erstmals stieg Schilegende Benjamin Raich ohne die Tourenschi auf Tirols höchsten Berg. Von der Wildspitze aus zeigt der Pitztaler GUTE REISE seine Heimat: vom ersten Schihügel bis zum besten Apfelstrudel

Wenn es in der Stadt 30 Grad hat und man sich nicht vorstellen kann, dass hier noch Winter ist“, sei die richtige Zeit für das Pitztal. Meint zumindest der berühmteste Schifahrer aus der Tiroler Region. Benjamin Raich, den alle nur Benni nennen, kommt mittlerweile selbst zum genussvollen Schitag nach Mandarfen. Der Talschluss unterscheide sich vom noch nicht so engen Pitztal hinter Imst nämlich deutlich, erklärt uns der Insider: „Schroffer, alpiner und auch im Sommer immer kühler.“ Die Gletscherwelt rund um Tirols höchsten Berg, die Wildspitze (3.774 m), ermöglicht Snowboarden und Schifahren daher auch von September bis Mai.

Die ersten Schwünge zog die Schilegende aber nicht hier, sondern am Hochzeiger. Der Berg sei zwar als schönes Familien-Schigebiet bekannt, er biete aber auch anspruchsvolle Pisten – „Du hast da alle Möglichkeiten“. Erst später hat es den aus Leins („Das kommt von linum, früher gab es hier Flachsanbau“) stammenden Raich auf die Gletscher gezogen. „Das war 1983, als die Bahn hier herauf eröffnet wurde.“ Acht Jahre später holte der 13-Jährige bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft für Kinder, der Trofeo Topolino, seinen ersten internationalen Sieg. Am schönsten sei es rund um die Wildspitzbahn im Frühjahr, „wenn der Schnee im Tal schon zu gatschig wird“. Mindestens einmal jährlich kommt der zweifache Olympiasieger (Turin 2006) hier mit den Schiern herauf, „zu Fuß ist es eine Premiere“.

Den Gipfelsturm auf das „Dach Tirols“ müssen wir wetterbedingt zwar sein lassen, doch im Taschach-Haus lässt sich ohnehin besser über Bennis Heimat plaudern. Richtiggehend poetisch wird der dreifache Weltmeister, wenn er vom privaten Training auf der Wildspitze erzählt: „Du stehst im Dunkeln da und ganz schnell geht die Sonne auf – einerseits bist du fokussiert und dennoch musst du dir bewusst machen, welch herrliches ,Büro‘ du hast.“ Lange genug kannte der Pitztaler auch seine Heimat nur als Arbeitsplatz. Okay, in seiner wilden Zeit, wie Benni Raich es nennt, sei er auch immer wieder im „Hexenkessel“ zu finden gewesen – auch heute noch ist die Disco sein Tipp in Sachen Pitztaler Nightlife.

Doch bei allen Schigeschichten, in die man mit dem 36-fachen Weltcupsieger Raich unweigerlich verfällt, vergisst er auch nicht, den Badeteich im Pitz-Park Wenns (samt Beachvolleyballplatz) zu empfehlen. Anders als in anderen Schiregionen sei das Pitztal auch im Sommer durchaus reizvoll, zückt der 38-Jährige zum Beweis sein Handy. „Das ist ,Universum‘ pur“, lacht Benni und zeigt seinen Schnappschuss von der größten Steinbockkolonie Österreichs am Kaunergrat. Dem Wappentier von St. Leonhard wird ab dem kommenden Herbst ein eigenes Steinbock-Zentrum samt Gehege am uralten Schrofen-Hof gewidmet werden.

Das andere Wahrzeichen des Pitztales, die Zirbe, besitzt bereits ein solches Zentrum. In Jerzens am Hochzeiger lockt der Zirbenpark nicht nur Kinder mit einem Sprung ins Heu, „auch für Erwachsene ist das interessant“, gibt Raich den Touristenführer. „Den besten Blick“, wo er schon einmal dabei ist, habe man vom beliebten Bergsteigerziel Wildgrat: „Da siehst du von der Munde bei Telfs bis weit ins Inntal hinein.“

Benjamin Raich, der seit seinem Rückzug seinen Bruder in der Schirennschule unterstützt, entdeckt seither selber immer Neues. Wenn er nicht gerade mit dem Vater Steinböcke schauen geht – oder Holz schneidet. Die Verletzung am Finger verdankt er dieser bodenständigen Tätigkeit im Wald. Wer den Duft des angeblich beruhigenden Alpenbaums schätzt, den verweist „Holzfäller“ Raich an Sepp Reinstadler. „Der gewinnt das Öl recht aufwendig aus den Zirbenästen“, so der Kenner.

Das Pitztal, von Alpen-Professor Werner Bätzing einmal als „touristischer Spätzünder“ bezeichnet, hat seine Schönheiten erst langsam für die Massen erschlossen. Entsprechend intensiv diskutiert man derzeit die geplante Pistenverbindung mit dem benachbarten Ötztal. Benni Raich hält sich in der Debatte zurück, er zitiert lieber einen 90-jährigen Bergsteiger, mit dem er letztens das Thema besprach: „Die Berge sind halt unsere Fabrik“, habe der Fex nur gemeint. Soll heißen: Die alpine Landschaft, die das Überleben früher so schwer machte, ernährt heute das Tal.

Dass sich die Bergwelt hier auch „von Leuten genießen lässt, die nicht so gut zu Fuß sind“, findet der bekannte Sportler ebenfalls gut. Norbert Santeler etwa betreibt auf 2.840 Metern Seehöhe Europas höchstgelegene Konditorei mit seinen Zwillingstöchtern Sandra und Steffi. Serviert werden die süßen Köstlichkeiten – wie die schneeweiße Eigenkreation Gletschereis-Torte (mit Kokoslikör und Ananas) – noch weiter oben. Im „Café 3.440“ sind die Rollen zwischen Benni und seiner Frau Marlies Schild klar verteilt: „Apfelstrudel für mich und Topfenstrudel für die Marlies.“ Die erfolgreiche Schiläuferin, mit der Raich einen kleinen Sohn hat, wurde auch zum Werbeträger für einen anderen kulinarischen Exportartikel des Pitztals: „Den Berg-Erdapfel aus meiner Heimatgemeinde Arzl lieben sie jetzt auch in ihrer Heimat Salzburg.“