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Montenegro: Vom Berg ins Meer

Zuerst Gipfelwandern rund um den Schwarzen See, dann wildes Rafting im Canyon des Tara-Flusses, schließlich ab in die Wellen am längsten Sandstrand der Adria: Montenegro bietet Urlaubern einen abwechslungsreichen Sommer.

Text: Helmut Widmann

Klein, aber fein - das ist das Motto Montenegros. Nicht viel größer als Oberösterreich, gilt das Land an der südöstlichen Adria angesichts seiner vielfältigen Naturschätze und kulturellen Attraktionen als Land der Kontraste - und noch immer als Geheimtipp. Schon in der Geschichte war es ein schwer zugängliches, großteils unbekanntes Land, dessen Name sich aus dem Venetischen (montagna negra = schwarze Berge) ableitet. So beginnt unsere Reise auch im wilden Landesinneren.

Die Bergwelt Montenegros ist ein Paradies für Wanderer, die das besondere Erlebnis suchen. Auf Schusters Rappen streifen Sportive durchs Hochgebirge, das durch steile Canyons geteilt wird, erobern bizarre Karstlandschaften und übersteigen schroffe Felsen. Einer der beliebtesten Wege verläuft durch den Nationalpark Durmitor, der von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt ist. Im Herzen des Gebiets liegt der Schwarze See, der seine dunkle Farbe den Schatten der Fichten, Tannen und Kiefern an seinen Ufern verdankt. Montenegrinische Pfade sind stets ein Erlebnis, verlaufen vorbei an trotzigen Festungen, alten Mühlen und mittelalterlichen Kirchen.

Ersehnte Rast findet der Wanderer an glasklaren Gletscherseen oder er kehrt nach Touren durch fast menschenleere Gegenden - auf einer Alm, "Katun" genannt, ein, in der man sich mit hausgemachtem Brot und frischem Käse stärkt. Die tiefen Schluchten der kargen Bergwelt ziehen auch Anhänger des Wildwassersports magisch an. So zählt die Tara zu den aufregendsten Rafting-Flüssen der Welt. Er beginnt als "liebes Mädchen", wie man ihn hier nennt. Aber dann zeigt der Fluss, welche Kraft in ihm steckt, und offenbart seine Naturgewalt. Ein Glücksgefühl sondergleichen, wer die reißenden Fluten, die vielen Strudel und Stromschnellen mit einem Boot bezwingt. Die Tara kann man aber auch mit einem traditionellen Holzfloß befahren.

Im Adlerflug über die tiefe Schlucht

Wer nicht gern nass wird, trotzdem aber eine spezielle Herausforderung sucht, auf den wartet ein richtiger Nervenkitzel. Seit zwei Jahren lädt nämlich eine Zipline zu einem wahren Höllenritt: Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h rasen Adrenalinjunkies auf einem mehr als einen Kilometer langen Stahlseil von einem Ufer über den Tara-Canyon zum anderen. Dieser ist übrigens - nach dem Grand Canyon - der zweittiefste der Welt.

Von den bewaldeten Höhen fallen die Felsen 1.300 Meter steil ab. Weitere Wildwasser-Hotspots in Montenegro sind zum Beispiel die Lim, die in ihrem ganzen Verlauf für Kajak & Co geeignet ist, oder der Fluss Zeta, auf dem es gemütlicher zugeht. Richtung Süden, unweit der Hauptstadt Podgorica, wird das Land nämlich flacher. Hier hat der Vranac, der landestypische Rotwein, seine Heimat. Auf Naturfreunde warten fruchtbare Ebenen, einige der artenreichsten Wälder des Kontinents und mit dem Skadarsee ein wahres Vogelparadies.

Entdeckungsfahrt in Europas südlichsten Fjord

Wie nah in Montenegro das Meer am Gebirge ist, nimmt man am augenscheinlichsten in der berühmten Bucht von Kotor wahr. Rund 30 Kilometer lang zieht sich dieser Fjord, der südlichste Europas, von der adriatischen Küste in zahllosen Kurven und Biegungen ins Landesinnere. Die Fahrt - egal ob mit dem Auto oder dem Rad - ist ein Erlebnis.

Der Meereskanal wird von steilen Bergflanken gesäumt. Und am Ende liegt die fast 2.000 Jahre alte, früher Cattaro genannte Stadt, deren Hafen angesichts seiner einzigartigen, geschützten Lage in der Monarchie zu einem wichtigen Stützpunkt für die k. u. k. Kriegsmarine ausgebaut wurde. Heute ist die mittelalterliche Altstadt - umgeben von einer 4,5 Kilometer langen Befestigungsmauer - auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. Wer in Kotor Salzwasser geschnuppert hat, der will mehr, der will Meer. Und auch davon hat Montenegro jede Menge. Insgesamt verfügt das Land über eine Küstenlänge von 293,5 Kilometern sowie über 48 Inseln und Inselchen.

Auf Urlauber warten gezählte 117 Strände mit einer Gesamtlänge von 73 Kilometern. Der längste davon ist der Strand von Velika plaža in Ulcinj ganz im Süden nahe der Grenze zu Albanien, wo man sich an feinstem Sand erfreuen darf. Und auch in Zeiten des Klimawandels geht man hier auf Nummer sicher: Die Badesaison dauert Jahr für Jahr 180 Tage. 

GUTE TIPPS

Outdoor

Erlebnisreich. In Montenegro gibt es 3.000 km Wanderwege und unzählige Radwege. Fünf Nationalparks sind nicht nur für Fauna und Flora ein Paradies. Der Tara-Canyon ist die längste und – mit bis zu 1.300 m – tiefste Schlucht Europas. Der Skadarsee ist der größte See des Balkans und die 294 km lange montenegrinische Küste zählt zu den Geheimtipps für Freunde des Meeres.

Flüge

Direktverbindung. Ab Wien bieten Austrian Airlines und Montenegro Airlines täglich Direktflüge nach Podgorica an. Die Flugzeit beträgt nur 90 Minuten.