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Waltraud Hable. © Patricia Weisskirchner

Waltraud Hable: Date mit der Welt

Waltraud Hable hat gemacht, wozu vielen der Mut fehlt: Die Journalistin reiste solo rund um die Welt. Für GUTE REISE berichtet sie über ihr Abenteuer und die vielen Vor- und die wenigen Nachteile des Alleinreisens.

Text: Alexis Wiklund

Sie hatte rund 42.000 Euro auf dem Sparkonto - und keinen Masterplan. Trotzdem kündigte Waltraud Hable ihren Job als Chefredakteurin einer Zeitschrift, vermietete ihre Wohnung und ging auf Weltreise. In elf Monaten und einer Woche legte sie 106.543 Kilometer zurück. Destinationen waren zum Beispiel Kapstadt, San Francisco, Rio, Australien, Japan und Indien. Ursprünglich wollte die Journalistin das große Abenteuer gemeinsam mit einer Freundin bestreiten. Doch dieser war das Risiko letztlich doch etwas zu groß - so musste sie also alleine reisen. Ihr großes Glück, wie sie betont: "Ich genoss es, in der Früh aufzuwachen und das machen zu können, worauf ich Lust hatte."

Ständiges Fernweh

Was fasziniert Sie am Reisen?
Die Menschen und die Wunder der Natur.

Rückblickend: Wie hat Sie die Reise verändert?
Ich bin jetzt ruhiger und habe mehr innere Gelassenheit. Ich weiß jetzt, ich kann alle Dinge meistern, egal, was auf mich zukommen sollte. Und mein Fernweh ist durch die Weltreise nicht kleiner geworden, sondern noch viel größer.

Was bleibt unvergesslich?

Varanasi in Indien. In der heiligen Stadt der Toten liegt wegen der unzähligen Einäscherungen am Ganges ständig Rauch über der Stadt. Der machte alles grau: die Haare, die Eierspeise auf dem Teller, das Wasser im Glas. Schräg.

Worin unterscheidet sich Ihre Reise von Urlaub - abgesehen von Budget und Zeitlimit?

Im Urlaub versuchen die meisten, möglichst viel in kürzester Zeit zu erleben. Eine Weltreise ist komplett anders. Langsamer. Vieles passiert zufällig. Irgendwann reist man im eigenen Rhythmus.

Was meinen Sie damit?

Ich habe etwas Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass ich nicht alles sehen muss, was der Reiseführer empfiehlt. Auf einer Weltreise sind es die kleinen Momente, die zufälligen Ereignisse und persönlichen Erlebnisse mit anderen, die einen beeindrucken. Nicht superexklusiv geplante Dinge und Postkartenmotive. Für mich ist es die perfekte Art des Reisens. Bei einer Weltreise führt auf fast magische Weise stets das eine zum anderen.

Was war Ihr Motiv für die Weltreise?

Fernweh. Und der leise Verdacht, dass ich es noch bitter bereuen würde, wenn ich sie nicht endlich mache. Unser Planet ist so schön und ich wollte zumindest einen Teil davon sehen. Außerdem gab es eine gewisse Langeweile im Job. Ich hatte keine Kinder, keine Eigentumswohnung, keinen Partner. Es gab keinen Grund, nicht zu fahren.

Wie viel Mut und Überwindung hat es Sie gekostet, alles zurückzulassen?

Ganze 15 Jahre hat der Entscheidungsprozess gedauert. Immer wieder fand ich Ausreden. Die konkrete Planung war im Vergleich dazu schnell erledigt. Ich war erstaunt, wie rasch ich mein Leben in Wien aufgelöst hatte. In nur 20 Tagen hatte ich mein Auto verkauft, die Wohnung vermietet, die Flug-Tickets gekauft und die Versicherung erledigt.

Wobei Tinder hilft

Welche Befürchtung hatten Sie, als Sie alleine losfuhren?
Dass alles schiefgehen könnte. Ich habe mir das in den grellsten Farben ausgemalt. Die Fantasien reichten von Passverlust über Straßenraub bis zur tödlichen Krankheit im Nirgendwo. Nichts davon ist letztlich eingetroffen. Ich bin ängstlich in die Welt hinausgegangen und weit selbstbewusster zurückgekehrt.

Was war das Beste am Alleinreisen?

Tatsache ist: Wir sind von Geburt an fremd getaktet. Wer alleine reist, kann so leben, wie es ihm wirklich gefällt. Ohne ständig Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Ich stellte etwa überrascht fest, dass ich am liebsten am späten Nachmittag zu Abend esse. Diese Vorliebe kann zu zweit schnell zu Komplikationen führen.

Waren Sie auf der Reise einsam?

Nein. Ich hatte genügend Möglichkeiten, um private Kontakte zu knüpfen. Ich habe dafür z. B. die Dating-App "Tinder" genutzt, um Männer als Reiseführer zu missbrauchen. Ich sage immer: Gib einem Mann eine Aufgabe und er wird sie erfüllen.

Wie war es?

Immer angenehm. Wenn man sich normalerweise auf ein Date trifft, klopft man sich ja erst gegenseitig kritisch ab. Stressig! In meinem Fall war klar, was ich wollte. Und die Männer hatten kein Problem damit. Die App hat mir einige wunderbare Begegnungen gebracht.

Was war die größte Enttäuschung?

San Francisco. Da hatte ich einfach zu hohe Erwartungen und nicht gewusst, dass es die teuerste Stadt der USA ist - Pech gehabt.

Welche Destination hat Sie positiv überrascht?

Kapstadt in Südafrika. Schöne Landschaft, extrem freundliche Menschen. Dort war ich mit Haien tauchen, dieses Abenteuer hat mich mutiger gemacht.

Waltraud Hable

Ursprünglich wollte die Jour­nalistin kein Buch schreiben. Doch Freunde, die ihren Reise­blog ­gelesen hatten, stimmten sie um. „Mein Date mit der Welt. 1 Frau. 1 Weltreise. 1 Plan” ist eine unterhaltsame Mischung aus persönlichem Reiseerlebnis und Ratgeber für Weltreisende.

DuMont Reiseverlag, 16,50 € theworldisenough.net, mairdumont.com