Europa
Die Insel San Juan de Gaztelugatxe: beliebte Pilgerstätte für Fans von Games of Thrones. © iStockphoto

Wie Phönix aus der Asche

Bilbao war einst eine schmutzige, graue Industriestadt im spanischen Baskenland. Heute ist es eine lebensfrohe, trendige Metropole im Zeichen von Kultur und Gastronomie.

Text: Alexis Wiklund

Zufälle bestimmen das Leben. Auch das einer Stadt. Die baskische Hafenmetropole Bilbao suchte in den 1980er-Jahren eine Zukunft abseits der in der Krise befindlichen Stahlindustrie. Und das Guggenheim in New York wollte einen europäischen Standort, um die in den Archiven liegenden Schätze endlich mit Gewinn präsentieren zu können.

Die stolzen Basken waren letztlich bereit, die hohen wirtschaftlichen Forderungen der "Solomon R. Guggenheim Foundation" zu erfüllen. Und stachen so den favorisierten Konkurrenten Salzburg aus. Rund 140 Millionen Euro kostete das Projekt. Einige hätten mit dem vielen Geld lieber weiterhin die rauchenden Hochöfen befeuert. Doch rückblickend hat sich der Deal ausgezahlt. "Bilbao stieg wie Phönix aus der Asche", sagt Stadtführerin Maru Leibar. "Heute sprechen sie im Baskenland vom Guggenheim-Effekt. Das Museum wurde zum kulturellen Leuchtturm, der eine erstaunliche Neuausrichtung der Stadt einleitete."

Gestrandeter Wal

In Bilbao folgten bald weitere spektakuläre Projekte: das moderne U-Bahn- System mit futuristisch gestalteten Ausgängen, der schick designte Flughafen- Terminal, das originelle Kulturzentrum Azkuna Zentroa, eine neu gestaltete Promenade sowie die monumentale Fußballarena San Mamés. Die gefällt Maru Leibar besonders. Sie ist bekennender Fan von Athletic Bilbao, bei dem seit jeher nur Basken im Kader stehen. "Der Verein ist nie abgestiegen und für viele mehr als nur ein Fußballklub." Er ist stolzes Symbol der baskischen Identität.

Weltbekannte Architekten und Stadtplaner wie Norman Foster, Santiago Calatrava oder Arata Isozaki und César Pelli durften sich in Bilbao bereits austoben und verliehen dem neu geborenen Bilbao Charakter und Sehenswürdigkeiten. Ein Hingucker ist die Fußgänger-Brücke "Zubizuri" von Santiago Calatrava, die einem aufgeblähten weißen Segel nachempfunden ist. Auch, weil sie eine Besonderheit hat: einen langen, schwarzen Teppich. Der eigenwillige Architekt aus dem sonnigen Valencia hatte bei der Planung die Rutschgefahr ignoriert, die eine Brücke mit Glasboden birgt, wenn sie in einer regenreichen Region wie dem Baskenland steht.

Ganz in der Nähe führt der "Funi", wie die Standseilbahn liebevoll genannt wird, 770 Meter auf den Monte Artxanda. Sie ging bereits 1915 in Betrieb und bietet eine schöne Aussicht auf Bilbao. Am gegenüberliegenden Ufer des Rio Nervión ragen die imposanten Torres Isozaki in den Himmel. Sie sind die höchsten Wohngebäude der Stadt. Nur wenige Schritte entfernt am Paseo de Uribitarte residiert das schicke Restaurant Atea von Daniel García. "Der bekannte Koch, der einen Michelin-Stern hat, bietet in den Lagerräumen der ehemaligen Zollbehörde eine moderne Version baskischer Spezialitäten", verrät City-Guide Leibar. Der Praxistest ergibt: exzellent und gar nicht teuer.

Fußballarena San Mamés ©iStockphoto

Gourmet-Meile Altstadt

Die nahe Altstadt, Casco Viejo, mit den sieben nach Süden verlaufenden Straßen, ist eine einzige große Gourmet-Meile. Epizentrum des Genusses ist die schöne Nueva Plaza mit den vielen Pintxos-Bars. Maru Leibar: "Pintxos sind traditionelle Fingerfood-Kreationen auf einem kleinen Stück Weißbrot. Meist noch von einem Zahnstocher durchspießt."

Sie sind die perfekte Unterlage für ein Glas Txakoli (baskischer Weißwein), Rioja (Rotwein aus Navarra) oder für ein Zurito (kleines Bier). "Eine Pintxo-Tour ist im Baskenland ein beliebter Volkssport", sagt sie mit wissender Miene. Sie macht sie hin und wieder mit Freunden am Samstag. Da erscheint die Stadt in den Abendstunden wie ein riesiger Bienenkorb. Alle sind auf der Straße. "Doch spätestens am Sonntag um vier ist der Wirbel vorbei und die Plätze der Stadt liegen wie ausgestorben da. So bleiben ein paar Stunden für eine Siesta."

Wer einen tiefergehenden Einblick in die vielseitige Gastronomie des Baskenlandes möchte, findet direkt am Fluss den überdachten Mercado de la Ribera. Dort, gleich hinter der Kirche San Antón, gibt es über 60 Stände, einen Feinschmeckermarkt und Bars mit verschiedenen Arten von Delikatessen. Ein Tipp: Ums Eck bietet das La Ribera exzellente Küche. Und am Abend Livemusik.

Weltkulturerbe aus Stahl

Mit der Metro geht es am schnellsten durch Bilbao und ans Meer. Bei der Station "Areeta" ist es nicht weit zur Mündung des Rio Nervión in den Atlantik. Dort erhebt sich die gewaltige Hängebrücke Puente de Vizcaya von Alberto de Palacio. Sie trägt die älteste Schwebefähre der Welt, die noch voll in Betrieb ist. "Der stählerne Koloss ist ein Symbol des technischen Fortschritts und UNESCO-Weltkulturerbe", weiß die Stadtführerin. Und lädt ein, über einen Steg in 50 Metern Höhe über das Wasser zu flanieren.

Dort oben ist der Wind beachtlich. Man sollte schwindelfrei sein, um den Ausblick auf den Hafen von Bilbao und die umliegenden Berge genießen zu können. Bis zur San Juan de Gaztelugatxe sieht man trotzdem nicht. Das winzige Eiland liegt 35 Kilometer östlich von Bilbao und ist das neue Touristenziel der Region. 270 Meter lang und 80 Meter breit misst die kleine Insel direkt vor der Küste.

Sie ist durch eine rund 200 Meter lange schmale Steinbrücke mit dem Festland verbunden. Auf dem höchsten Punkt steht das ehemalige Kloster San Juan. "Das perfekte Szenario für eine Fantasy-Serie. So sahen es zumindest die Produzenten von ,Games of Thrones'", sagt Maru Leiba. Seit Staffel 7 ausgestrahlt wurde, ist San Juan Pilgerstätte für Serienfreaks aus aller Welt - Zufälle bestimmen das Leben.

Ausflugziel für Filmfans

Vom Restaurant Eneperi führt ein kleiner Weg hinab zur neuen Sehenswürdigkeit. Das schön gelegene Lokal bietet von der Terrasse ein herrliches Panorama. Es ist von Frühling bis Herbst geöffnet und beliebte Bühne für Hochzeitsfeiern. Auch, weil die baskischen Spezialitäten exzellent zubereitet sind.

Ebenfalls wie ein Postkartenmotiv erscheint das nahe Dorf Bakio: malerischer Sandstrand, wilde Klippen und schöne Promenade. Die Wellen des Atlantiks sind an dieser Küste beachtlich. Surfer aus aller Welt schätzen das. Besonders begeistert sie jedoch die "linke Welle" bei Mundaka. Das Fischerdorf liegt am Rande des Urdaibai- Tals, das von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärte wurde. Das romantische Flussdelta ist berühmt für seine Vogelvielfalt. bilbaoturismo.net

GUTE TIPPS:

Kochkurs

Männer-Leidenschaft. Die Basken haben große Freude an gutem Essen und geben diese auch gerne von Generation zu Generation weiter. In der gastronomischen Gesellschaft (baskisch: txoko) treffen einander die Männer regelmäßig, um gemeinsam zu kochen, zu essen und oft auch zu singen. Frauen dürfen dabei nur als Gast zu Tisch sitzen, aber nicht an Herd und Spüle. 

Café & bar

Iruña. Das historische Café beim Jardines de Albia begeistert mit der originellen Dekoration (Mosaike, Gemälde und Sofas). Es ist bekannt für seine Fleischspießchen. cafeirunabilbao.net

Anreise

Direktflug. Die spanische Billigfluggesellschaft Volotea fliegt zwei Mal die Woche direkt ab Wien nach Bilbao.
volotea.com