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Kahle Wüste, wo früher das Meer war. © iStockphoto

Von Geiern und Drachen

Die Bardenas Reales in Spaniens Region Navarra sind eine filmreife Kulisse. Auch die Serie „Game of Thrones“ war hier zu Gast.

Während der Bus durch die spröde und trockene Landschaft der Bardenas Reales fährt, läuft vor dem inneren Auge der James-Bond-Film „Die Welt ist nicht genug“ ab. Im Film fungiert die Halbwüste, die mit 415 Quadratkilometern gleich groß wie Wien ist, als Double für Kasachstan, wo James Bond einen Atombunker besucht. Und kürzlich wurde hier für Folgen des Serien-Phänomens „Game of Thrones“ hier in Navarra gedreht. In der Fernsehserie befindet sich an dieser Stelle das Dothrakische Meer, durch das Daenerys Targaryen in der sechsten Staffel reist. 

Mondkrater und Drachenhort

Tourguide Miguel erinnert sich an den Dreh: „Es waren unglaublich viele Menschen und Pferde im Einsatz, eine echtes Schauspiel. Die Drachen waren natürlich nicht vor Ort, die wurden digital eingefügt.“ Er zeigt auf eine der Felsformationen im Süden. „Genau über diesen Hügel fliegt der Drache in der Serie.“ Warum die Landschaft Filmemacher fasziniert, ist nicht schwer zu verstehen. Irgendwo zwischen Mondkrater, Sahara und Urzeitlandschaft hat die Szenerie definitiv etwas Mythisches und Fremdartiges. Links und rechts erstreckt sich eine bizarre ockerfarbene Landschaft mit ihren charakteristischen Türmen. Weit und breit ist, abgesehen von der Militärpräsenz, keine Menschenseele zu sehen. Bei dem Anblick möchte man kaum glauben, dass eine Autostunde entfernt ein hervorragender Rioja gekeltert wird.

Vom Meer zur Halbwüste

Die Bardenas Reales bestehen vornehmlich aus Lehm, aber auch aus Kalk- und Sandstein, der sich immer wieder zu Formationen erhebt, die aussehen wie aus Bildhauerhand. „Einst war hier ein großes Meer“, erzählt Miguel. „Das ist über die Zeit verlandet. Wir stehen jetzt sozusagen auf dem Grund des einstigen Gewässers.“ Eine krude, in den Hügel geschlagene Treppe führt auf eines der Hochplateaus des Areals. Der Aufstieg ist abenteuerlich, die Aussicht atemberaubend. Ein passender Ort für einen Drachenflug. 

Ein Schriller Schrei in der totalen Stille

Miguel ruft die Gruppe zusammen und fragt, ob wir wissen, wie echte Stille klingt. Danach legen wir eine Schweigeminute ein und auch die Skeptiker unter uns müssen zugeben: Das schlägt alles. An diesem windstillen Tag durchdringt kein Laut die ­wüstenartige Zone. Man fühlt sich, als wäre man das einzige Lebewesen im Umkreis von Kilometern. Doch dann zerfetzt der Schrei eines Gänsegeiers die Andacht. Das Bardenas Reales ist nur scheinbar tot und verlassen. In der Tat lebt hier eine ­reiche Tierwelt, deren unbestrittene Stars die Greifvögel sind. Im UNESCO-Biosphärenreservat gibt es 24 Raubvogelarten, darunter Wanderfalken, Steinadler und eben Gänsegeier.

Auch wenn man sich fühlt, als wäre die nächste Zivilisation unerreichbar, liegen die Bardenas Reales nicht weit weg vom Schuss und sind von Pamplona oder dem nahen Tudela aus leicht zu erreichen. Kein Wunder also, dass die Gegend auch von Wanderern und Radfahrern entdeckt wurde. Es gibt drei beschilderte Wanderwege. Der spektakulärste ist „El Fraile“ mit 200 Metern Höhenunterschied und einem Panoramablick für die Ewigkeit. Radwege gibt es viele, und sie führen auch zu den bekanntesten Orten, wie der fotogenen Säule Castil de Tierra. Ob man bei dem Ausflug die Landschaft genießt, einen meditativen Selbstfindungstrip macht oder auch von Drachen und
Königinnen träumt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.