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Dutzende Schinken im Mercado de San Miguel. © Alexis Wiklund

Madrid: chic & lässig

Die Drei-Millionen-Metropole Madrid begeistert mit aufregendem Großstadtleben bis in die Nacht hinein. Wer Kunst und Genuss sucht, ist in der spanischen Hauptstadt goldrichtig.

Die Gran Vía zwischen Edificio Metrópolis und Plaza de España: eine riesige Häuserschlucht mit faszinierenden Art-déco-Fassaden. Ein pulsierender, lauter Boulevard, den unzählige Restaurants, Lokale, Geschäfte, Kinos und Theater säumen. Die Gran Vía, das ist die Hauptschlagader von Madrid. Die spanische Metropole war einst die prachtvolle Hauptstadt eines Reichs, das die halbe Welt umspannte.

Das ist kaum zu übersehen. Die Dichte sehenswerter Bauten, Straßen und Plätze – einfach enorm. Trotzdem ist es heute nicht die Vielfalt der Architekturjuwele, die einen erstaunen lässt, sondern vielmehr das Flair einer jungen, lebendigen Metropole, das Madrid verströmt. 

Symbolisch dafür könnte die älteste Markthalle der Stadt stehen: der Mercado de San Miguel. Der denkmalgeschützte Bau aus Eisen und Glas ist heute eine angesagte Gastromeile. Eine Runde durch die gut besuchte Halle reicht, um Spaniens kulinarische Schätze zu ­entdecken. An 33 Ständen gibt es ausgesuchte Spezialitäten. Auch Croquetas. Madrilenen lieben diese Röllchen. Im zarten Teigmantel wartet eine Béchamelcreme, die im besten Fall im Mund schmilzt. Die frittierten Leckerbissen gibt es in vielen Variationen: mit Bacalao (Kabeljau), Jamón (Schinken), Carne picada con Setas (Faschiertes und Pilze), Atún (Thunfisch) oder Espinaca (Spinat). Die Croquetas sind perfekte Appetithäppchen und damit gefragte Tapas. 

Madrid schläft nie

In Madrid hat jede Tapasbar ihre Spezialität. Das kann ein Stück Tortilla, ­Patatas bravas (Bratkartoffeln mit scharfer Sauce) oder auch ein Bocadillo de cala­mares sein. Obwohl das nächste Meer 350 Kilometer entfernt ist, schmeckt das leckere Tintenfischbrötchen in Madrid am besten. Sagt Ramon. Der Taxi­fahrer kennt die Stadt wie seine Westentasche. „Madrid ist wie ein Bienenkorb. In den Straßen ist das pralle Leben sichtbar. Auch nachts.“ In den Vierteln Las ­Letras (Calle de las Huertas), Chueca, Malasaña oder Princesa reihen sich die Bars ­aneinander.

Und am Wochenende quellen einige Straßen vor lauter Menschen in Feierlaune über. Einige waren vorher im Kino oder beim Fußball. „Madrid nunca duerme“, also Madrid schläft nie. „Viele ziehen dabei bis in den frühen Morgen von einem Lokal zum nächsten. Warum diese Rastlosigkeit? Madrilenen sind erstens kontaktfreudig, und es ist Teil unserer Kultur, das Leben zu zelebrieren.“

Köstliche Schweinerei

Dazu gehört auch die fast religiöse Verehrung des Jamón Ibérico. Den luft­getrockneten Schinken in feinen Scheiben vergöttern alle. Den ganzen Tag über. Etwa im Museo del Jamón, einem Laden an der Gran Vía. Dort hängen über
den Gästen, die an der Theke am Bier nippen, Hunderte Schinkenbeine. So ein Gustostück vom Pata Negra, dem iberischen Freilandschwein, das angeblich nur Eicheln frisst, hat seinen Preis: „Es kostet fast 90 Euro. Das Kilo natürlich.“ ­Ramon grinst wissend.

Und noch etwas steht ganz oben in der Gunst der Madrilenen: der Stierkampf. Für viele noch vor dem Fußball. Die Arena Plaza de Toros de Las Ventas ist während der Feria de San Isidro um den 15. Mai so gut gefüllt wie der Petersdom in Rom zu Ostern. Auch abseits der Kathedrale des Stierkampfs herrscht neun Tage und Nächte ausgelassene Partylaune. Ein beliebtes Spektakel ist der Umzug der Gigantes (Stelzenläufer) mit den ­Cabezudos (Pappmaché-Köpfen). 

Grüne inseln im Häusermeer

Die spanische Hauptstadt ist voller Leben: hip, kreativ, charmant und oft auch laut. Das Verkehrschaos ist ein täglicher Begleiter. Darüber diskutieren die Madrilenen gerne. Wer dem Trubel entkommen möchte, sollte auf das Dach des Palacio de Cibeles. Von dort aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt. Ein Lift führt zur Aussichtsplattform. Der Palacio de Cibeles ist das Wahrzeichen der Stadt. Fans von Real Madrid lieben diesen Ort, schließlich gehen hier die Meisterfeiern über die Bühne. 

Gleich ums Eck liegt der Parque del Retiro, mit rund 15.000 Bäumen die grüne Lunge der Stadt. Eine Unikum des Parks: die Statue des gefallenen Engels. Sie ist ­weltweit angeblich die einzige Skulptur, die den Teufel darstellt. Das nahe Museo del Prado erscheint wie eine riesige Schatzkammer. Es beherbergt die wertvollsten Werke spanischer, italienischer, flämischer und deutscher Meister. Insgesamt über 8.600 Gemälde und 700 Skulpturen. Spaniens Könige hatten offensichtlich nicht nur eine fanatische Sammelleidenschaft für das ­lateinamerikanische Gold. 

Exklusive Kunstschätze

Es ist wie eine kleine Reise durch die Kunstgeschichte: Fast alle bedeutenden Museen liegen nahe der Paseo del Prado, so auch das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza im Palacio de Villahermosa, das Werke von Caravaggio, Rembrandt, Miró, Picasso und Dalí zeigt. Das bekannteste Gemälde Madrids hängt übrigens im Museo Reina Sofía: Picassos „Guernica“. Der Besuchermagnet wurde erst nach Spaniens Rückkehr zur Demokratie aus den USA hierher gebracht. – Einmalig!