+43 1 740 32-0willkommen@gutereise.at
Die Elefanten im Tsavo Nationalpark wandern täglich mehrere Kilometer von einer Wasserstelle zur nächsten. © iStockphoto

Kenias bedrohte Riesen

Zwischen Jägern und Gejagten: Das Elefantenschutzprojekt „tenBoma“ im Tsavo National­park setzt Maßnahmen gegen Wilderei und sorgt für ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier.

Die unendliche Weite der ­kenianischen Savanne, das Flirren der Hitze in der Luft. Eine Elefantenherde auf der Suche nach Wasser, die graue Haut umhüllt mit dem für diese Region Ostafrikas typischen roten Sand. Ein Leben in Freiheit, jedoch nicht in absoluter Sicherheit. Es rumpelt und ruckelt gewaltig, als der Gelände­wagen von der asphaltierten Straße abbiegt und den Weg in den Ostteil des Tsavo Nationalparks einschlägt. Die Straßen in Kenia sind generell nicht die besten und vor allem auf den unbefestigten Wegen durch den Nationalpark sollte man schleuderfest sein.

Dafür entschädigt die traumhafte Landschaftskulisse. Der leuchtend blaue Himmel steht in starkem Kontrast zum roten Sand, der wirklich allgegenwärtig ist. Dazwischen prägen Büsche und niedrige Holzgewächse nebst Bäumen wie dem Baobab – oder auch Affenbrot-Baum genannt –, der bis zu 14.000 Liter Wasser speichern kann, die Steppenlandschaft. Beim Blick aus dem Fenster tauchen immer wieder große rot-sandige Hügel auf – fast als hätte hier jemand ein paar Sandburgen gebaut. „Beinahe ist das auch so“, erklärt Guide Samuel. „Diese Erhebungen sind Termitenhügel und sehen teilweise aus wie kleine Kunstwerke. Sie können bis zu sieben Meter hoch werden.“ Beeindruckend! Ebenso wie der lange Hals, der plötzlich zwischen zwei Baumkronen hervorlugt: Der Tsavo Nationalpark ist auch Lebensraum zahlreicher Giraffen. 

An der Hauptstraße nach Mombasa gelegen, ist der „Tsavo“ einer von Kenias bekanntesten Nationalparks. Rund 22.000 Quadratkilometer groß, ist er Heimat von mehr als 12.800 Elefanten. Das sind fast 40 Prozent aller in Kenia
lebenden Elefanten. Davon sind elf Tiere sogenannte ausgewachsene „Big Tuskers“ – Elefanten, deren Stoßzähne bis auf den Boden reichen. Ein besonderes Merkmal, das sie nicht nur zu einem beliebten Fotomotiv für Safari-Touristen, sondern auch zum speziellen Zielobjekt für Elfenbeinjäger macht.

Ranger und Satelliten

Um nicht nur diese seltenen Exemplare, sondern alle Elefanten in der Tsavo-Region zu schützen, wurde das Projekt „tenBoma“ ins Leben gerufen. Ziel ist die erfolgreiche Prävention und Aufklärung von Wilderei-Verbrechen. Bei der Stadt Voi in der Hauptstation des Kenya Wildlife Service laufen die Fäden zusammen, erklärt Faye Cuevas, Senior Vice President des International Fund for Animal Welfare. „Uns geht es vor allem darum, durch „tenBoma“ Angriffe von Wilderern auf Tiere, speziell auf Elefanten, vorhersagen zu können und diese so im Vorfeld zu verhindern.“

Durch Informanten erfährt die Polizei, dass sich Kriminelle in der Gegend aufhalten. Park-Ranger und Scouts aus der Bevölkerung berichten von Hinweisen, die auf mögliche Erkundungsaktivitäten von Wilderern schließen ­lassen. Das können zum Beispiel verdächtige Reifenspuren oder auch weggeworfene Flaschen sein. „Gemeinsam mit den durch Satelliten gewonnenen Informationen über Elefanten in der Gegend können wir so Schlüsse in Bezug auf einen bevorstehenden Angriff ziehen. Dadurch ist es für die Ranger in vielen Fällen möglich, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die Wilderer an ihrer Tat zu hindern“, erläutert Achoki Pius, Operations Officer von „tenBoma“.

Derzeit gibt es 270 Ranger im Tsavo Nationalpark. Steve ist einer von ihnen. Er ist hier aufgewachsen, seit zwei Jahren Ranger im Park und kennt die Gegend wie seine Westentasche. „Mein oberstes Ziel ist es, die Tiere zu schützen. Das geht aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen, alleine kann man nichts beschützen.“ Aus diesem Grund wird im Rahmen von „tenBoma“ eng mit den Communitys, den Dorfbewohnern in der Region, zusammen­gearbeitet.

Spurenlesen und GPS-Ortung

Immer tiefer geht es mit dem Auto in die kenianische Buschlandschaft hinein. Steve und seine Kollegen haben einen Anruf bekommen, dass eine Dorfbewohnerin etwas Verdächtiges gesehen hat. „Big Mama“, wie die Frau hier genannt wird, erzählt, dass sie vor Kurzem eine Herde Elefanten in der Nähe ihres Dorfes beobachtet habe. Aufgrund der Nähe zu halbwegs befestigten Wegen ein Alarmzeichen für die Ranger. Wilderer könnten dies ausnutzen und den Elefanten folgen, um sie zu jagen.

Seit 2014 gab es einen Umschwung in der Wilderei hinsichtlich der verwendeten Waffen: Statt auf Schusswaffen wird vermehrt auf giftige Pfeile gesetzt. Deshalb ist es für die Ranger, die immer in Teams von mindestens vier Leuten unterwegs sind, wichtig, Spuren lesen zu können. „Dank der Unterstützung der TUI Care Foundation wurden wir unter anderem mit Gerätschaften wie GPS und Funkgeräten ausgestattet, was es uns leichter macht, Vorkommnisse zu analysieren und richtig zu deuten“, erzählt Steve. So wurden 2018 insgesamt 101 Wilderer geschnappt. Zahlreiche Wilderei-Verbrechen konnten seit dem Start von „tenBoma“ dank dieser Initiative verhindert werden.

TUI Care Foundation

Die gemeinnützige Stiftung unterstützt Projekte, eröffnet Menschen neue Zukunftsperspektiven und schützt Natur und Tierwelt. Elefantenschutzprogramme werden in Thailand und in Afrika gestärkt. Dafür ist die TUI Care Foundation Partnerschaften mit lokalen und internationalen Organisationen eingegangen. In Kenia setzt sich die Stiftung gemeinsam mit dem International Fund for Animal Welfare gegen Wilderei ein.

Friedliches Miteinander von Tier und Mensch

Dass sich Elefanten nahe an bewohnte Gebiete heranwagen, ist keine Seltenheit hier. Im Gegensatz zu anderen Nationalparks umschließen das Tsavo-Schutzgebiet keine Zäune. Wie es ihrem natürlichen Verhalten entspricht, wandern die Dickhäuter von einem Park zum nächsten. Dabei kann es zu Konflikten zwischen Mensch und Wildtieren kommen.

Das betrifft vor allem das Weidewirtschaft betreibende Volk der Massai, das in dieser Region angesiedelt ist. Mit der zunehmenden Bevölkerungszahl und durch die Auswirkungen des Klimawandels konkurrieren Mensch und Tierwelt vermehrt um begrenzte Ressourcen wie Wasser, Land und Gras. Auch „Big Mama“ und ihre Familie
haben eine kleine Viehzucht mit Ziegen und Kühen sowie Weideland, das es zu verteidigen gilt. „Wir haben von KWS extra Leuchtfackeln und Signalhörner bekommen, um die Wildtiere damit zu vertreiben. Eine wirkungsvolle Methode, die den Tieren keinen Schaden zufügt.“

African Feeling beim Game-Drive

Für unvergessliche Momente sorgt zum Abschluss ein sogenannter „Game-Drive“. „So nennen wir die Jeep-Touren durch den Park, bei denen wir nach Tieren Ausschau halten. Game-Drive deswegen, weil es ein Lotteriespiel ist, ob wir Wildtiere sehen oder nicht“, erklärt Guide Samuel. Das Glück scheint auf unserer Seite zu sein, denn Samuel deutet aufgeregt nach vorne. Gemächlich zieht eine große Herde Elefanten über den Weg. Mit einer Größe von bis zu 3,20 Metern und einem Gewicht von bis zu fünf Tonnen sind afrikanische Elefanten eine imposante Erscheinung. Sie nehmen täglich rund 150 Liter Wasser zu sich und sind dafür immer auf der Suche nach einer Wasserstelle. Dabei legen sie rund zwölf Kilometer pro Tag zurück. Mit einem letzten Blick auf die von der untergehenden Sonne beleuchteten Landschaft, das Fazit: eine Strecke, die es sich hier definitiv zu laufen lohnt!