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Menschenmassen frequentieren die wohl berühmteste Kreuzung der Welt im Einkaufsviertel Shibuya in Tokyo. © iStockphoto

Tokyo: Techno im Kimono

Mit 13 Millionen Einwohnern ist Tokyo längst unüberschaubar. Trotzdem erscheint die Mega-Metropole perfekt organisiert. Japans Hauptstadt ist voller Widersprüche und zeigt, wie Tradition und Innovation einander ergänzen können.

An der Bucht von Tokyo vorbei taucht man förmlich ein in das Häusermeer. „Blade Runner“, flüstert der amerikanische Tourist im Bussitz nebenan. Ein wenig erinnert ihn die Fahrt auf der Autobahn an den legendären Science-Fiction-Film. Während tagsüber grauer Beton und Glas die japanische Neun-Millionen-Einwohner-Stadt prägen, gehen abends die Neonlichter an. 

Jetzt ist es Zeit, sich mit einem Snack im Stadtteil Shinjuku zu stärken und danach die unglaublich kleinen, oft nur handtuchgroßen 400 Bars im Amüsierviertel Golden Gai zu erkunden. Ob Karaokesängerin, ergrauter Hardrockfan oder Student auf der Suche nach einer kleinen Mutprobe mit Schlangenschnaps – hier wird wirklich jeder fündig. 

Das Kontrastprogramm zum schrillen Treiben um den Zentralbahnhof stellt der weltbekannte Stadtteil Ginza dar. Hier finden sich internationale Luxusmarken Seite an Seite mit dem weltgrößten „Hello Kitty“-Shop, dem legendären Papierladen „Itoya“ und modernen Malls wie „Ginza six“ . Die Japaner selbst zieht es in die riesigen Traditionshäuser wie „Takashimaya“ oder „Mitsukoshi“, so etwas wie das „Harrod’s“ der ­japanischen Hauptstadt.

Wer zum Beispiel große Sehnsucht nach ­Demel-Schokolade hat: Im Untergeschoß finden sich österreichische Delikatessen. Und die schönsten Bento-Boxen der Stadt sowieso. Einige der besten Cocktailbars gibt es ebenfalls entlang der Einkaufsmeile, mietpreisbedingt aber entweder im Keller (wie das „Little Smith“) oder in Zwischengeschoßen („Kusama“). 

Der Nachteil der kleinen Bars ist der Fixaufschlag, der in einigen Fällen so viel ausmacht wie die Bestellung selbst. 4.900 Yen (rund 40 Euro) für einen Cocktail in der Ginza können da schon fällig werden. Zum Beispiel, wenn man bei Uyeda-san im „Tender“ vorbeischaut. Spätestens hier macht man Bekanntschaft mit dem „oshibori“, dem heißen Handtuch, mit dem Gäste begrüßt werden. Einen Lunch mit japanischen Zutaten serviert Takuya Saito. 

Wem Krabben mit Enoki-Pilzen und Miso-Sauce zum Mittagsmenü zu banal erscheinen, kann sich auch das Steak vom Wagyu-Beef (ca. 55 Euro) auftragen lassen. Frisches Sushi gibt es – noch – beim zwei U-Bahn-Stationen weiter gelegenen legendären Tsukiji-Fischmarkt. Er übersiedelt allerdings, um Platz für die Olympischen Sommerspiele 2020 zu machen.

Unbedingte Empfehlungen

„Ume Shiso Maki“ muss man kosten, diese Kombination aus Salzpflaume und Kresse ist grandios und Japan pur. Aber um die kulinarische Versorgung muss man sich (angesichts der Getränkeautomaten an jeder zweiten Kreuzung und der 24 Stunden geöffneten Läden mit Onigiri-Reissnacks) ohnehin nie Sorgen machen. Wer Kimono-Klischees sucht, wird in Tokyo länger suchen müssen. Im Gegensatz zu Edo oder Kyoto herrscht hier eindeutig die Moderne.

Nur in Tokyo findet man zum Beispiel mit „The Peninsula“ ein Fünf-Sterne-Hotel mit einer eigenen Entwicklungsabteilung. „Den Nagellack-Trockner haben unsere Techniker erfunden, weil einmal im Lift eine Dame noch nicht fertig war mit dem Lackieren“, erzählt Yuriko Samejima die Geschichte einer der Innovationen im Luxushotel. 

Das Haus mit dem Blick auf den Kaiserpalast hat aber auch im Badezimmer einen Multifunktionsknopf. Er spielt nicht nur Entspannungsmusik, verdunkelt die Fenster und dimmt das Licht, sondern aktiviert auch die „Bitte nicht stören“-­Anzeige an der Zimmertür.

Technikverliebt ist man bis in die Küche hinein, wo Gadgets wie karbonisierte Eiswürfel für Begeisterung sorgen. Diese finden sich ebenso wie Lackgeschirr, Stäbchen oder die witzigen Sushi-Attrappen aus Plastik in der Kappabashi, einem Straßenzug, der ausschließlich Küchenbedarf japanischer Provenienz führt. 

Die berühmten Kochmesser (Santoku) kauft man etwa bei Seiichi Kamata im „Kamata Hakensha“, der sie vor Ort mit dem Namen des Besitzers graviert. Ruhiger als in der Ginza kauft man in Omotesandō ein, dem Viertel der Hipster und Herrenmodegeschäfte. Und den Schlummertrunk nach der nächtlichen Tour zum beleuchteten Tokyo Tower, der als Wahrzeichen vom 634 Meter hohen Skytree abgelöst wurde, nimmt man im ruhigen Wohnviertel Ebisu. 

Hat man Glück, spielt in der Bar „Trench“ von Takuya Itoh und dem Halbbrasilianer Rogerio Igarashi Vaz gerade eine Band zum Absinth-Frappé auf. „Wir haben die kleinste Konzertbühne der Stadt“, sagt Rogerio stolz über die winzige Galerie über dem Tresen. Sie ist eine der vielen kleinen ­Juwelen in der riesigen Stadt. 

Apropos Juwelen: Eines der weniger bekannten (und teuersten) Tokyoter Souvenirs stellen Südseeperlen dar. Kokichi Mikimoto gelang Ende des 19. Jahrhunderts als Erstem die Zucht; von der schwarzen Perle aus Französisch-Polynesien bis hin zu den 90 Euro teuren unregelmäßigen „Barockperlen“ warten Geschmeide in den „Mikimoto“-Filialen. Für die kleinere Geldbörse gibt es eine ebenso kunstvolle Süßigkeit zum Mitnehmen – die „Tokyo Banana“. Und egal, ob man seinen Heimflug von Narita oder Hanedaaus antritt, dem Biskuit mit den Tigerstreifen entgeht man nirgendwo.